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Pferde im Elend

Auch nach zwei Verhandlungstagen gibt es im Prozess gegen mutmaßliche Tierquäler kein Urteil. Experten sprechen von unhaltbaren Zuständen auf dem Gehöft.

Von Lothar Weller
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Rehau - Angebliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz auf einem Reitbetrieb im Gemeindegebiet von Rehau haben großes Aufsehen in der Region und auch darüber hinaus erregt. Nach drei Berichten in der Frankenpost im Jahre 2008 über ausgemergelte Pferde ordnete das Landratsamt Hof schließlich die Beschlagnahmung von vier Pferden an. Das Verwaltungsgericht Bayreuth hatte den sofortigen Vollzug bejaht, eine Beschwerde wurde abgewiesen. Jetzt, zwei Jahre danach, geht es in die zweite Runde, es folgt die gerichtliche Aufarbeitung des Falles vor dem Amtsgericht Hof unter Vorsitz von Strafrichterin Ulrike Varga.

Auch nach 13 Stunden an zwei Prozesstagen gab es noch kein Urteil. Das dürfte aber noch in diesem Monat beim nächsten Termin am 14. September gefällt werden. Die Vorwürfe von Staatsanwalt Nico Teske gegen die beiden Angeklagten, einer 47-Jährigen und ihrem gleichaltrigen Freund, wiegen schwer. Seit 2006 betreiben beide auf einem landwirtschaftlichen Anwesen bei Rehau einen Reitbetrieb. Die Pferde erwarben sie auch als Gnadenbrotpferde, also als Tiere, die infolge ihres Alters oder Krankheit nicht mehr oder nur eingeschränkt als Reit- oder Turnierpferde eingesetzt werden können. Die auch übers Internet vermittelten Pferde bekamen sie auch gratis. Erwartet wurde allerdings, dass sie auf dem Gehöft ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend bewegt und versorgt werden und ein sorgenfreies Leben bis zu ihrem Tod führen können. Also auch keinesfalls zur Schlachtbank geführt werden.

Hunger und Schmerzen

Aber laut Anklage kam es anders. Seit Juli 2008 wurden zumindest vier Stuten und zwei Wallache nicht mehr ausreichend mit Futter versorgt, die Pflege durch Tierärzte oder Hufschmiede unterblieb weitgehend. Die Tiere hätten fortwährendes gehungert, erhebliche Schmerzen wegen äußerer und innerer Verletzungen sowie Krankheiten hätten sie auch gehabt. Im Einzelnen haben Fachleute bei diesen Pferden mehrere Wochen zurückliegende Hufabszesse und Schäden an den Hufen wegen Mangelernährung festgestellt. An zwei Stuten seien trotz deren hohen Alters gewaltsame, jedoch ergebnislose Zuchtversuche durchgeführt worden. Die Stuten hätten dabei erhebliche Verletzungen im Genitalbereich erlitten. Der Staatsanwalt legte zahlreiche Fotos aus der Gerichtsakte vor. "Schockierend", so lautete der fast einstimmige Tenor. Weil sie über einen längeren Zeitraum den Pferden erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt hätten, müssten sich die Angeklagten wegen Tierquälerei in sechs Fällen verantworten.

Die Pferdehalter wiesen die Vorwürfe vehement zurück. Sie könne die Anklage weder verstehen noch nachvollziehen, sagte die Betreiberin des Gehöfts. Es gab ihr zufolge weder einen Deckhengst noch wurden, so lautete ein weiterer Vorwurf, die Pferde geritten. Lediglich ein Kind habe kurzzeitig auf einem Gnadenbrotpferd gesessen. Auf dem Gehöft hätten in diesem Zeitraum 19 Pferde gelebt. "Warum soll ich dann einige vernachlässigt haben?", sagte sie. Die sechs Pferde seien nach ihrer Meinung artgerecht gehalten worden, sowohl auf der Koppel als auch in der Box. Die Fütterung sei ebenfalls altersgerecht und ausreichend gewesen. Auch Schmiede und Tierärzte hätten sie termingerecht geholt. "Vielleicht war mein Betrieb einigen ein Dorn im Auge. Es hat sich alles hochgeschaukelt, auch in der Presse. Wir sind mit den Maßnahmen des Landratsamtes auf Betreiben des Tierschutzbundes regelrecht überrumpelt worden", sagte die Frau vor Gericht.

Nicht weniger als 13 Zeugen, darunter drei Tierärzte aus der Region, eine Pferdefachärztin eines anderen Bundeslandes, sämtliche Vorbesitzer und auch die Internet-Vermittlerin wurden am zweiten Prozesstag in den Zeugenstand des Hofer Gerichts gerufen. Bis auf zwei Zeuginnen, die von nur wenig abgemagerten Tieren und "Heckmeck in der Zeitung" sprachen, war das Fazit der bisher gehörten Zeugen weitgehend eindeutig: "Total überfordert". Einige sprachen auch von "ungeeignet". Trotz augenscheinlich guten Willens sei das Ganze der Besitzerin, die zudem anderweitig beschäftigt ist, über den Kopf gewachsen.

Die betroffenen Pferde, die im ordentlichen Zustand und mit Empfehlung und nach einem positiven Eindruck von dem weiträumigen Objekt von den Vorbesitzern abgegeben wurden, seien bei der Abholung in erbärmlichem Zustand gewesen. Vor allem abgemagert seien sie gewesen. Auf der verdorrten Koppel habe kein Gras mehr gestanden. Das dokumentierte eine Zeugin mit Fotografien. Die dort gelagerten Heuballen würden, sagte ein Waidmann, nicht mal zur Wildfütterung taugen.

    
    

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