» zur Übersicht Kulmbach-Land
    
    
Artikel
 
    
 
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Bautechnischer "Wahnsinn"

Die Rathaussanierung in Marktleugast steht unter keinem guten Stern. Seit Montag ist es offiziell: Die geplanten 577 000 Euro werden auf keinen Fall ausreichen. Nächste Woche ist Sondersitzung des Gemeinderats.

Von Thomas Hampl
  • Morsche Balken, bis in den Giebel. Das Foto entstand auf dem Gerüst mit Blick auf die Münchberger Straße.
  • In den nächsten Tagen sollen Fachleute herausfinden, wo weitere Schäden im Rathaus vorhanden sind. Der Gemeinderat will dann nächste Woche in einer Sondersitzung über das weitere Vorgehen entscheiden. Foto: Hampl
Bild von

Marktleugast - Morsche Balken, Feuchtigkeit, Schimmel: Was in den vergangenen zwei Wochen im Rahmen der Rathaussanierung im wahrsten Sinn des Wortes ans Tageslicht kam, ist erschreckend. Diejenigen, die vor Beginn der Sanierung vor vielen Unwägbarkeiten gewarnt haben, hatten recht. Zudem liegen jetzt auch die neuesten Untersuchungen des Landesamtes für Umwelt in Sachen Radonbelastung vor: Und die besagen, dass trotz Belüftung des Gebäudes die Werte immer noch zu hoch sind, zum Beispiel 255 Bequerel pro Kubikmeter im Erdgeschoss. Für Wohnräume strebt die Bundesregierung nach Worten des Marktleugaster Geschäftsleiters Michael Laaber Werte unter 100 Bequerel an.

Bestürzung

Kein Wunder, dass am Montag im Marktleugaster Gemeinderat Bestürzung herrschte, als Architekt Harald Schram die neuesten Zahlen auf den Tisch legte. Zwischen 143 000 und 153 000 Euro liegen die Mehrkosten für die Zusatzmaßnahmen bereits jetzt. Darunter fallen unter anderem wegen der Feuchtigkeitsschäden Bodenbelags-, und Sanierputzarbeiten für 43 000 Euro. Die Verkabelung der EDV-Anlage würde weitere 22 000 Euro kosten. In welchem Umfang Möbel ausgetauscht werden müssen, die durch die Feuchtigkeit gelitten haben, war bisher überhaupt noch kein Thema.

Politische Entscheidung

Architekt Schramm wurde sehr deutlich: Er bezeichnete die Feuchtigkeitsschäden im Rathaus als bauphysikalischen Wahnsinn. "Ich wage zu sagen, der Beschluss, das Rathaus zu sanieren, war keine technische Entscheidung, sondern eine politische." Den Aussagen des Architekten zufolge läuft nun doch alles auf eine Generalsanierung hinaus, und trotzdem könnte in 30 Jahren wieder alles so aussehen wie jetzt.

Die Frage von Gemeinderat Martin Döring, was seiner Meinung nach der "worst case", also das denkbar schlechteste Szenario sei, beantwortete Schramm mit den Worten: "Das wäre ein Albtraum." Der Architekt erinnerte an eine Einschätzung seinerseits aus dem Jahr 2009. Damals hatte er den Rat davor gewarnt, 880 000 Euro (das wäre die Summe für eine Generalsanierung) in das Rathaus zu stecken, letztendlich aber nichts davon zu haben.

Zur Erinnerung: Ein Neubau mittleren Standards in der St. Josefstraße hätte nach Berechnungen aus dem Jahr 2009 ohne neue Möbel und Außenanlagen 980 000 Euro gekostet. Diese Zahlen erschienen jedoch unter anderem der CSU im Gemeinderat zu hoch. Schließlich wurde der von den Freien Wählern favorisierte Rathausneubau im Januar 2010 per Bürgerbegehren verhindert. Es hieß, die energetische Sanierung des Rathauses werde "lediglich" 577 000 Euro kosten. Dem ist inzwischen nicht mehr so.

"Schwarzmalerei"

Die doch recht drastischen Worte von Architekt Harald Schramm am Montag wollte Gemeinderat Franz Uome so nicht stehen lassen. "Jetzt wird alles dramatisiert", stellte der CSU-Sprecher fest. Von Anfang an sei alles schlechtgeredet worden. Er wehre sich gegen diese Schwarzmalerei. Man sollte nicht vergessen, dass sich die Bürger im Bürgerentscheid ausdrücklich für die Sanierung und gegen den Neubau ausgesprochen hätten. Außerdem dürfe man nicht einfach sagen, die Sanierung koste nun über 700 000 Euro. "Wir wollten die energetische Sanierung. Die Kosten dafür stehen fest und wir müssen bis 30. November abrechnen", erklärte Uome. "Jetzt kommen bautechnische bedingte Sanierungsarbeiten und Wünsche der Verwaltung dazu. Das müssen wir knallhart von den Kosten für die energetische Sanierung trennen."

Appell an Rat

Architekt Schramm appellierte schließlich eindringlich an den Gemeinderat, schnellstmöglich in einem Arbeitskreis zu besprechen, welche der bisher im Leistungsumfang noch nicht enthaltenen Arbeiten tatsächlich ausgeführt werden sollen. Bürgermeister Norbert Volk schlug am Ende der Diskussion vor, in dieser Woche nochmals Spezialisten zu Rate zu ziehen und für nächsten Montag eine Sondersitzung einzuberufen. Da die Zeit bis dahin dem Architekten zu knapp erschien, einigten sich die Räte auf ein Treffen am Mittwoch, 25. Mai, um 19 Uhr. Dann werden sie sich erneut mit dem Thema befassen. Bis dahin werden die Sanierungsarbeiten "gebremst" weiterlaufen.

Wie gestern noch zu erfahren war, werden Sachverständige am Donnerstag die Räume des Rathauses auf Schadstoffe untersuchen. Außerdem werden Gutachter die Holzbalkendecke zum Teil freilegen und auf bisher möglicherweise unentdeckte Schäden untersuchen.

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • Twitter
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf frankenpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Kulmbach-Land

bezahlter Premium-Artikel
Premium-Artikel

Zerwürfnis im Weißen Ring

Jahrelang waren Alfons Hrubesch und Peter Bürgin die Gesichter der Opferhilfsorganisation in der Region. Jetzt haben sie mit anderen den Weißen Ring verlassen und einen eigenen Verein gegründet. »mehr
    
    

Mordsstimmung im Frauenknast

Die Theatergruppe von Rugendorf bereichert das Jubiläumsjahr mit einem neuen Stück. Die Premiere ist am 2. April. »mehr
    
 
    

Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt zu

Saisonbedingt gibt es im Januar wieder mehr Arbeitslose im Januar. Dennoch bleibt der Trend positiv, vermeldet die Agent... »mehr
    
 
    

Bürgerbegehren geht zügig seinen Weg

Neuenmarkt - Erst vor wenigen Tagen haben Bürger aus der Waldenburger und Königsberger Straße sowie aus der Steigengasse... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    
    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Eine neue Plattform für Hobbyköche 

Die Frankenpost lädt alle Frauen und Männer, die gerne kochen, ein, ihre Lieblingsrezepte einzu- senden. Am 20. April erscheint das neue "Mahlzeit!"-Magazin. »mehr
    
Anzeige
    

Magazine

Mit dem Fahrrad unterwegs 2015 Frankenpost
Thüringen mein Urlaubsland 2015
Bikers Guide 2015
Theaterzeitung Hof März 2015
    
Anzeige
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    


    
Zur Kinderzeitung

Alphornblasen ist anstrengend

Beim Alphorn denken viele an hohe Berge. Denn das lange Blasinstrument aus Holz ist dafür bekannt, dass es im Gebirge gespielt wird. Damit man es dort hört, muss der Klang besonders sein. »mehr
    
    
Leseranwalt

Abwägen, nachfragen

Post von der Leseranwältin
Nicht immer gibt es nur richtig oder falsch, schwarz oder weiß. Viele Entscheidungen bedürfen des genauen Abwägens, des Nachfragens, immer und immer wieder. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Börseninformationen