zuletzt bearbeitet: 13.07.2011 11:49 Uhr
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Bautechnischer "Wahnsinn"
Die Rathaussanierung in Marktleugast steht unter keinem guten Stern. Seit Montag ist es offiziell: Die geplanten 577 000 Euro werden auf keinen Fall ausreichen. Nächste Woche ist Sondersitzung des Gemeinderats.
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Morsche Balken, bis in den Giebel. Das Foto entstand auf dem Gerüst mit Blick auf die Münchberger Straße.
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In den nächsten Tagen sollen Fachleute herausfinden, wo weitere Schäden im Rathaus vorhanden sind. Der Gemeinderat will dann nächste Woche in einer Sondersitzung über das weitere Vorgehen entscheiden. Foto: Hampl
Marktleugast - Morsche Balken, Feuchtigkeit, Schimmel: Was in den vergangenen zwei Wochen im Rahmen der Rathaussanierung im wahrsten Sinn des Wortes ans Tageslicht kam, ist erschreckend. Diejenigen, die vor Beginn der Sanierung vor vielen Unwägbarkeiten gewarnt haben, hatten recht. Zudem liegen jetzt auch die neuesten Untersuchungen des Landesamtes für Umwelt in Sachen Radonbelastung vor: Und die besagen, dass trotz Belüftung des Gebäudes die Werte immer noch zu hoch sind, zum Beispiel 255 Bequerel pro Kubikmeter im Erdgeschoss. Für Wohnräume strebt die Bundesregierung nach Worten des Marktleugaster Geschäftsleiters Michael Laaber Werte unter 100 Bequerel an.
Bestürzung
Kein Wunder, dass am Montag im Marktleugaster Gemeinderat Bestürzung herrschte, als Architekt Harald Schram die neuesten Zahlen auf den Tisch legte. Zwischen 143 000 und 153 000 Euro liegen die Mehrkosten für die Zusatzmaßnahmen bereits jetzt. Darunter fallen unter anderem wegen der Feuchtigkeitsschäden Bodenbelags-, und Sanierputzarbeiten für 43 000 Euro. Die Verkabelung der EDV-Anlage würde weitere 22 000 Euro kosten. In welchem Umfang Möbel ausgetauscht werden müssen, die durch die Feuchtigkeit gelitten haben, war bisher überhaupt noch kein Thema.
Politische Entscheidung
Architekt Schramm wurde sehr deutlich: Er bezeichnete die Feuchtigkeitsschäden im Rathaus als bauphysikalischen Wahnsinn. "Ich wage zu sagen, der Beschluss, das Rathaus zu sanieren, war keine technische Entscheidung, sondern eine politische." Den Aussagen des Architekten zufolge läuft nun doch alles auf eine Generalsanierung hinaus, und trotzdem könnte in 30 Jahren wieder alles so aussehen wie jetzt.
Die Frage von Gemeinderat Martin Döring, was seiner Meinung nach der "worst case", also das denkbar schlechteste Szenario sei, beantwortete Schramm mit den Worten: "Das wäre ein Albtraum." Der Architekt erinnerte an eine Einschätzung seinerseits aus dem Jahr 2009. Damals hatte er den Rat davor gewarnt, 880 000 Euro (das wäre die Summe für eine Generalsanierung) in das Rathaus zu stecken, letztendlich aber nichts davon zu haben.
Zur Erinnerung: Ein Neubau mittleren Standards in der St. Josefstraße hätte nach Berechnungen aus dem Jahr 2009 ohne neue Möbel und Außenanlagen 980 000 Euro gekostet. Diese Zahlen erschienen jedoch unter anderem der CSU im Gemeinderat zu hoch. Schließlich wurde der von den Freien Wählern favorisierte Rathausneubau im Januar 2010 per Bürgerbegehren verhindert. Es hieß, die energetische Sanierung des Rathauses werde "lediglich" 577 000 Euro kosten. Dem ist inzwischen nicht mehr so.
"Schwarzmalerei"
Die doch recht drastischen Worte von Architekt Harald Schramm am Montag wollte Gemeinderat Franz Uome so nicht stehen lassen. "Jetzt wird alles dramatisiert", stellte der CSU-Sprecher fest. Von Anfang an sei alles schlechtgeredet worden. Er wehre sich gegen diese Schwarzmalerei. Man sollte nicht vergessen, dass sich die Bürger im Bürgerentscheid ausdrücklich für die Sanierung und gegen den Neubau ausgesprochen hätten. Außerdem dürfe man nicht einfach sagen, die Sanierung koste nun über 700 000 Euro. "Wir wollten die energetische Sanierung. Die Kosten dafür stehen fest und wir müssen bis 30. November abrechnen", erklärte Uome. "Jetzt kommen bautechnische bedingte Sanierungsarbeiten und Wünsche der Verwaltung dazu. Das müssen wir knallhart von den Kosten für die energetische Sanierung trennen."
Appell an Rat
Architekt Schramm appellierte schließlich eindringlich an den Gemeinderat, schnellstmöglich in einem Arbeitskreis zu besprechen, welche der bisher im Leistungsumfang noch nicht enthaltenen Arbeiten tatsächlich ausgeführt werden sollen. Bürgermeister Norbert Volk schlug am Ende der Diskussion vor, in dieser Woche nochmals Spezialisten zu Rate zu ziehen und für nächsten Montag eine Sondersitzung einzuberufen. Da die Zeit bis dahin dem Architekten zu knapp erschien, einigten sich die Räte auf ein Treffen am Mittwoch, 25. Mai, um 19 Uhr. Dann werden sie sich erneut mit dem Thema befassen. Bis dahin werden die Sanierungsarbeiten "gebremst" weiterlaufen.
Wie gestern noch zu erfahren war, werden Sachverständige am Donnerstag die Räume des Rathauses auf Schadstoffe untersuchen. Außerdem werden Gutachter die Holzbalkendecke zum Teil freilegen und auf bisher möglicherweise unentdeckte Schäden untersuchen.
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