zuletzt bearbeitet: 26.07.2010 23:27 Uhr
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Braugerste wird zur Mangelware
Sinkende Anbauflächen und witterungsbedingt geringere Erntemengen könnten für höhere Erzeugerpreise sorgen.
Kulmbach - Bei der Braugerstenrundfahrt des Oberfränkischen Braugerstenvereins in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war die Rede von einem historischen Tief, das die Sommergersten-Anbaufläche in diesem Jahr in Oberfranken erreicht hat. Landwirtschaftsoberrat Bernd Angermann bezifferte die derzeitige Anbaufläche auf rund 31 900 Hektar. Das sind 3450 Hektar oder knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahr. In Bayern liegt der Rückgang sogar bei 14 Prozent. In den letzten fünf Jahren ist die oberfränkische Sommergerstenfläche sogar um 14 000 Hektar, das sind 30 Prozent, zurückgegangen.
Die Braugerstenrundfahrt war hochkarätig besetzt. Unter den Teilnehmern zahlreiche Gerstenanbauer, Vertreter von Mälzereien und Brauereien, des Landhandels, des Bayerischen Brauerbundes und von der Technischen Universität München und der Landesforschungsanstalt in Freising. Am Gerstenfeld des Landwirts Dietmar Stenglein in Marktschorgast-Oberpöllitz hieß Vorsitzender Erhard Hildner vom Braugerstenverein die Teilnehmer willkommen.
Die nächsten Schlagdokumentationen erfolgten in Markersreuth bei Münchberg, Konradsreuth und zuletzt in Münchenreuth/Feilitzsch. Dort fand man eine Sommergerste auf einer Fläche von 20,69 Hektar vor und der Landwirt Helmut Grießhammer, zugleich Bürgermeister der Gemeinde Feilitzsch, hatte dort die Sorte "Marthe" ausgesät, die Hauptsorte bei der Braugerste.
Landwirtschaftsoberrat Bernd Angermann stellte bei der Abschlussdiskussion im Baywa-Lagerhaus in Leupoldsgrün fest, dass Oberfranken die Region mit der größten Sommergerstenfläche in Bayern ist, weil andere Regionen teils noch stärkere Einschränkungen zu verzeichnen haben. Allein 30 Prozent der oberfränkischen Sommergerste steht im Landkreis Hof (9739 Hektar), gefolgt von Wunsiedel (5459 Hektar, 17 Prozent) sowie Kulmbach und Bayreuth mit jeweils über 4000 Hektar. Insgesamt bauen in Oberfranken 4627 landwirtschaftliche Betriebe Sommergerste an mit einer durchschnittlichen Fläche von 6,9 Hektar.
Angermann sagt: "Der Flächenrückgang der Braugerste ist das Ergebnis von unternehmerischen Entscheidungen der Landwirte: Da nach der guten Ernte 2009 der Markt gesättigt war, wurden für 2010 lediglich Vertragspreise von zehn bis zwölf Euro je Dezitonne angeboten. Diese niedrigen Preise decken jedoch die Produktionskosten nur zum Teil, so dass der Landwirt jeden Doppelzentner Braugerste mit kostenloser Arbeitsleistung und Einnahmen aus anderen Quellen subventionieren muss." Das Ernte- und Qualitätsrisiko bleibe dem Landwirt jedoch voll erhalten.
Ertragserwartungen wegen Hitzestress korrigiert
Extreme Hitze bis 36 Grad in der sensiblen Phase der Kornfüllung stellte die Sommergerste auf eine harte Probe. Auf Standorten mit ausreichend Regen steht die Gerste gut. In trockenen Lagen ist hingegen mit Notreife und flachen Körnern zu rechnen. Wie dann der Eiweißgehalt ausfällt, ist nach den Worten von Angermann kaum abzuschätzen. "Durch den Hitzestress im Juli muss die Ertragserwartung der oberfränkischen Sommergerste nach unten korrigiert werden. Im Durchschnitt dürften mit 40 bis 45 Doppelzentner pro Hektar mittlere Erträge erreicht werden, jedoch mit größeren örtlichen Schwankungen." Bei einem Braugerstenanteil von 65 Prozent rechnet Angermann mit einem oberfränkischen Braugerstenaufkomen von lediglich 83 000 bis 93 000 Tonnen. "Da die Lage in anderen Regionen ähnlich ist, dürften hiermit die Überschussmengen abgebaut und Chancen für steigende Erzeugerpreise bestehen."
Stellvertretender Vorsitzender des Braugerstenvereins, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, machte deutlich, dass die Preisentwicklung der Braugerste aus der Sicht der Erzeuger nicht zufrieden stellend sei. Inzwischen gebe es jedoch einen Silberstreifen am Horizont. Dr. Markus Herz von der Lehranstalt in Freising verwies darauf, dass Oberfranken nach wie vor das größte Anbaugebiet für die Sommergerste ist. Es gelte, die Anbauflächen zu halten.
Oberfrankens BBV-Präsident Werner Reihl vertrat die Ansicht, dass der Erzeuger eigentlich im Glied ganz vorne stehen müsste: "Wir wollen weiterhin ein Bier genießen können, das von der oberfränkischen Braugerste geprägt wird." Es müsse aber auch die Wertschöpfung für den Bauern wieder ihren Niederschlag finden. Diplom-Ingenieur Walter König, der Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, sprach den Rückgang des Bierabsatzes an. Die Brauer müssten froh sein, wenn sie am Jahresende eine schwarze Null schreiben.
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