zuletzt bearbeitet: 17.03.2010 22:05 Uhr
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Dem Altbau räumt kaum jemand Chancen ein
Defizit | Jahr für Jahr legt die Stadt eine halbe Million Euro drauf. Eine Sanierung des Schlachthofs hält niemand für sinnvoll.
Kulmbach - Rund eine halbe Million Euro pro Jahr muss Kulmbach aufwenden, um das Defizit des Schlachthofs auszugleichen. Eine Menge Geld für eine klamme Stadt. Seit diesem Jahr wird diese Verpflichtung noch mehr zur Last: Die Aufsichtsbehörde hat der Stadt Kulmbach als Auflage für die Genehmigung ihres Haushalts aufgegeben, sich ihrer defizitären Bereiche zu entledigen. Wenn jetzt die Pläne für einen Schlachthof-Neubau vom Tisch kommen, steht auch noch eine weitere Entscheidung an: Die der grundsätzlichen Zukunft eines Schlachthofs in Kulmbach.
"Erstmal funktioniert der alte Schlachthof ja noch", sagte OB Henry Schramm gegenüber der Frankenpost auf die Frage, was denn nach dem zu erwartenden Planungsstopp aus dem alten Schlachthof werden soll.
Verlust ist schon verringert
Seinem Auftrag, das Defizit zu verringern, ist der OB schon nachgekommen: Eine der Mitarbeiterinnen ist in die städtische Verwaltung gewechselt. Nach einer Kündigung eines anderen Mitarbeiters wurde der Arbeitsplatz nicht mehr neu besetzt. Sechs Menschen arbeiten also derzeit noch in dem als marode beschriebenen Gebäude. Henry Schramm will nun keinen Schnellschuss, ist sich aber im Klaren, dass eine Lösung gefunden werden muss.
Eine Sanierung kommt wohl nicht in Frage: Das Gebäude ist zu sehr kaputt, die technischen Anlagen zu alt, um Reparaturen sinnvoll darstellen können. Der wichtigste Grund: Selbst nach einer Sanierung wäre das Defizit noch immer nicht kleiner. Die Schlachtzahlen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit deswegen nicht steigen.
Im Kulmbacher Stadtrat, so sieht es derzeit aus, ist das auch die Mehrheitsmeinung. Prof. Dr. Wolfgang Protzner (CSU) sagt unumwunden, dass er schon lange kein Freund des Schlachthofs ist: "Ich habe schon seit 30 Jahren gegen jeden Gartenzaun am jetzigen Schlachthof gestimmt. Wo sollen denn die ganzen Viecher herkommen, die hier geschlachtet werden sollen? Kronach, Bayreuth, Hof, Coburg - alle haben einen Schlachthof. Wenn der Kulmbacher Standort nun nicht mehr auf heutigem Stand der Technik ist: Zumachen, nicht sanieren!"
Ingo Lehmann, Fraktionsvorsitzender der SPD, ärgert sich zwar, wie sich Günther Beckstein und auch Horst Seehofer vor der Wahl mit vollmundigen Zusagen hervorgetan haben, die dann offenbar nicht mehr zählten, sieht aber auch die andere Seite: "Es geht ja kaum mehr einer nach Kulmbach zum Schlachten." Lehmann geht davon aus, dass der Schlachthof wie er heute ist, wohl nicht mehr weiter betrieben wird.
"Selbst wenn Land und Bund jeweils eine Million Euro gegeben hätten, wären rund 7,6 Millionen von der Stadt ohne privates Engagement nicht zu finanzieren gewesen", stellt FDP-Stadtrat Thomas Nagel nüchtern fest. Für ihn ist es wichtig, jetzt zu sehen, wie es mit dem maroden Schlachthof und den Mitarbeitern weiter gehe. "Das marode Gebäude ist nicht zu halten, Investitionen lohnen sich nicht mehr. Man muss sehen, dass man für die Mitarbeiter Lösungen findet."
Den Mitarbeitern verpflichtet
Bürgermeister Stefan Schaffranek (WGK) will sich noch nicht festlegen, was mit dem alten Schlachthof geschehen soll: "Jetzt schon von Schließung zu sprechen, wäre verfrüht." Schließlich gehe es ja auch um vertragliche Verpflichtungen und vor allem um Mitarbeiter. Aber auch Schaffranek sieht natürlich: "Der Schlachthof bringt der Stadt jedes Jahr erhebliche Verluste."
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