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Ein Kraftakt unter Volldampf

Spektakel | Was früher alltäglich war, wird beim Jubiläum „175 Jahre Deutsche Eisenbahn“ zum einmaligen Erlebnis: Sechs Tonnen Kohle und 21 000 Liter Wasser braucht es, um mit dem Dampfross die Schiefe Ebene zu bewältigen.
Von Gabriele Fölsche
  • fpks_AM_Fuehrerstand_250510 Hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt: Als Lokführer chauffiert Oliver Brückom das Dampfross samt Gefolge die Schiefe Ebene hinauf. Fotos: Fölsche
     
  • fpks_befeuern_250510 Heißer Job: Heizer Matthias Polz in Aktion.
     
Bild von

Neuenmarkt/Marktschorgast - 12.38 Uhr, Gleis 3 in Neuenmarkt: Lokführer Oliver Brückom meldet an den Fahrdienstleiter "Zug fahrbereit". Ächzend und schnaubend setzt sich die 96 Tonnen schwere Dampflok in Bewegung. Vor der eisernen Lady liegt ein Stück harte Arbeit. Auf einer Länge von nur acht Kilometern hat sie zwischen Neuenmarkt und Marktschorgast einen Höhenunterschied von 158 Metern und eine Steigung von bis zu 22 Prozent zu bewältigen: die Schiefe Ebene.

Zehn Waggons hat die 58 311, Baujahr 1921, bis nach Marktschorgast im Schlepptau. Zwischen Lok und Waggons hängt der Tender. Sechs Tonnen Kohle und 21 000 Liter Wasser sind die Ladung, die dem Giganten Dampf machen. Das Bodenblech erzittert und Heizer Matthias Polz öffnet zum wiederholten Mal das Feuerloch. Stechende Hitze schlägt der Mannschaft auf dem Führerstand entgegen. Schwitzend lässt der 48-Jährige die Steinkohle in der glutroten Öffnung verschwinden und gibt der fast 90-Jährigen damit Kraft für den Anstieg.

Während sich die "Badische G 12" nach oben müht, schwelgen in den Waggons die unzähligen Fahrgäste, die zum dreitägigen Dampfspektakel aus Anlass des Jubiläums "175 Jahre Deutsche Eisenbahn" nach Neuenmarkt gekommen waren, in Nostalgie. Köpfe ragen aus allen Fenstern, es wird gewunken. An der Strecke haben sich unzählige Foto- und Videografen postiert und rücken mitunter den Gleisen und der schnaubenden Dampflokomotive gefährlich nahe auf den stählernen Pelz. Polizeibeamte holen die "Leichtsinnigen" zurück in sichere Bereiche.

Vorne auf dem Führerstand hingegen wird kaum gesprochen. Es ist laut, eng, heiß und rußig. Vier Männer und acht Hände wissen genau, was zu tun ist. Die 58 311 gehört den Ulmer Eisenbahnfreunden. "Sie ist eine echte Rarität", erzählt der erst 30 Jahre alte Lokführer Brückom. Von Darmstadt aus brachte er mit seiner Mannschaft das Gefährt nach Neuenmarkt, um die Besucher über die "Schiefe Ebene" zu fahren.

Mit auf dem Führerstand ist der 16-jährige Heizerlehrling René Polz, der in die Fußstapfen seines Vaters treten will. Und Manuel Widmer, dessen Ziel die Lokführerprüfung ist. Allesamt stammen aus dem Stuttgarter Raum. "Mit dem Führen der Loks und dem Transport von Fahrgästen übernimmt man große Verantwortung", ist sich Oliver Brückom bewusst. Mit dem Lokfahren hat er sich seinen Kindheitstraum erfüllt. "Der Reiz ist, die Technik hautnah zu erleben", schwärmt er.

Nun, kurz vor Marktschorgast, fordern Signale und die Steigung die Aufmerksamkeit der Männer. Die alte Dampfeisenbahn verliert an Tempo. Das Feuerloch wird zum wiederholten Male geöffnet. Es verschluckt während der acht Kilometer langen Fahrt eine halbe Tonne des schwarzen Goldes. Brückom lässt die Dampfpfeife ertönen - als wollte er die Seniorin noch einmal anfeuern, alles zu geben. Dunkler Rauch steigt in den azurblauen Himmel und erfüllt die Luft mit dem typischen Geruch nach verbrannter Steinkohle, für Eisenbahnnostalgiker ein Duft wie bestes Parfum. In der Ferne ist schon der Bahnhof Marktschorgast auszumachen. Ziel erreicht - gut gemacht, eiserne Lady.

    
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Dampffestival 064.jpg
Dampffestival 054.jpg
Dampffestival 009.jpg
Dampffestival in Neuenmarkt - Teil 2
Neuenmarkt-Wirsberg
23.05.2010
    
    
    

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