zuletzt bearbeitet: 16.06.2012 06:04 Uhr
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Freidenker statt Freiherr
Als eines der prominenten Gesichter der Piratenpartei ist Bruno Kramm aus Cottenau bei Wirsberg bundesweit bekannt. Der 44-Jährige verrät gegenüber der Frankenpost, was ihn zum etwas anderen Berufspolitiker macht.
Cottenau - Er wohnt im Kulmbacher Land auf einem Schloss, in kürzester Zeit machte er Parteikarriere und stieg zum Berufspolitiker auf. Auf der politischen Bühne gilt er als junges, unverbrauchtes und gleichzeitig markantes Gesicht. Viele Medien interessieren sich für ihn als Interviewpartner und Talkshowgast. In Bruno Kramms Leben gibt es unzweifelhaft Parallelen mit einem berühmten Freiherrn aus der Nachbarschaft. Doch Kramm will kein Freiherr sein, lieber ein Freidenker. Mit neuen Ansätzen plant der 44-Jährige die Reform des Urheberrechts. Im Bundesvorstand der Piratenpartei ist Kramm der Beauftragte und Sprecher für das etwas sperrige Thema, das die Partei prägt wie kein zweites.
Seit 15 Jahren lebt der gebürtige Münchner auf Schloss Cottenau und arbeitet dort in seinem Tonstudio als Musikproduzent. Mitten in dem kleinen Wirsberger Ortsteil haben stolze Bürger sogar schon eine Piratenflagge zu Ehren des Politikers gehisst. Um seinen Politikerpflichten nachzukommen, ist Kramm aber immer häufiger in Berlin, München und anderswo gefragt. "Das geht leider zulasten der Familie", sagt der 44-Jährige im Gespräch mit der Frankenpost.
Trotzdem versucht Kramm möglichst viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen, die ihm den nötigen Antrieb gibt. Er geht nicht mehr wie früher als Musikkünstler auf Tournee, heute tourt er als Politiker. Seit der Geburt seiner Tochter vor rund zweieinhalb Jahren engagiert sich Kramm politisch - erst bei den Grünen, seit 2011 bei den Piraten. "Es mag naiv klingen, aber ich möchte auch meinem Kind zuliebe unsere Gesellschaft ein bisschen besser machen."
Viel besser könnte das Urheberrecht geregelt werden, meint der Pirat. Urheber künstlerischer Werke sollen gegenüber großen Rechteverwertern und Konzernen gestärkt werden, fordert Kramm. Als Experte erklärt er im ARD-Morgenmagazin, in der Süddeutschen Zeitung oder im Radio, warum es gerechter ist, wenn die Urheber und auch die Allgemeinheit stärker von Kulturgütern profitieren können.
Als Künstler ist ihm das Thema sehr präsent. Kramm kämpft gegen die mächtige Lobby der Musik- und Unterhaltungsindustrie und will dabei einen neuen Politikstil prägen, der ihn von anderen Berufspolitikern unterscheidet. Wer als Experte etwas zu sagen hat, kann bei den Piraten Karriere machen. "Wir sind eine Partei von Bürgern und bringen viel Wissen ein", sagt Kramm.
Der 44-Jährige spricht dabei von "Schwarmintelligenz". Die über das Internet vernetzten Mitglieder der Partei tauschen sich aus und erarbeiten Lösungsvorschläge für gesellschaftliche Themen. Teilhaben könne jeder, die Meinungsfindung verläuft transparent. "Wir ändern damit das verkrustete System und verhindern, dass sich die Bürger weiter von politischen Prozessen abwenden."
Kramm trägt bei allen öffentlichen Auftritten - egal ob RTL2 oder 3sat - zu seinem markanten Bart stets Hut und schwarze Kleidung. Damit unterscheidet er sich nicht nur von anderen Politikern, sondern auch von anderen Piraten grundlegend.
Unter dem Dach der Partei versammeln sich Individualisten. Gleichförmigkeit scheint verpönt. "Wir können unser Programm gemeinsam entwickeln und dabei auch unseren Individualismus leben", sagt der Cottenauer. Das Internet habe dazu beigetragen, dass sich Menschen mit ihrer Individualität auseinander setzen und merken, dass sie in ihrer Andersartigkeit nicht allein sind.
"Das Bewusstsein, dass ich selbst etwas gestalten kann, setzt ungeheure Kräfte frei. So fühlen auch die anderen Piraten." Mittelfristig werde die Piratenpartei deshalb in allen Landtagen und auch im Bundestag sitzen, glaubt der Cottenauer. "Wir werden schließlich gebraucht, um die Parlamente transparenter zu machen."
Noch immer würde die Piratenpartei unterschätzt und ihr Ansatz der Teilhabe und Transparenz schlichtweg nicht verstanden - nicht zuletzt von etablierteren Parteien. Wenn Menschen nicht wissen, welche Möglichkeiten das Internet bietet, liege das in vielen Fällen auch daran, dass sie es einfach nicht kennen, sagt Kramm. Er selbst litt in Cottenau unter einer viel zu langsamen Internetverbindung. "Mittlerweile gibt es wenigstens 4000er-DSL."
Ob Netzausbau, Urheberrecht oder Informationsfreiheit: Pirat Bruno Kramm will Oberfranken und Deutschland ändern.
Bruno Kramm
Bruno Kramm (44) lebt seit 15 Jahren in Cottenau bei Wirsberg. Der gebürtige Münchner wuchs in Frankfurt/Main auf und machte in Bayreuth Abitur. Er arbeitet als Musiker und Produzent und ist seit 2011 in der Piratenpartei.
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