zuletzt bearbeitet: 13.07.2012 08:44 Uhr
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Mädchen auf Pferdehof missbraucht
Ein Reitstallbesitzer hat die Liebe junger Mädchen zu Pferden schamlos ausgenutzt. Während sie die Ferien bei ihm verbracht haben, hat er sich an seinen Schutzbefohlenen vergangen. Jetzt steht er deshalb vor Gericht.
Bayreuth/Kulmbach - Es hat am Donnerstag lange gedauert, bis einem 53-jähriger Reitstallbesitzer aus dem Landkreis Kulmbach die Einsicht gekommen ist, die in der Anklageschrift erhobenen Schuldvorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zuzugeben. Vorsitzender Richter Michael Eckstein und Richter Alois Meixner bauten dem Angeklagten bei der Verhandlung zunächst vergeblich Brücken für ein Schuldgeständnis. Erst nach einer einstündigen Verhandlungspause räumte er mehr oder weniger alle Tatvorwürfe ein. Zu einem abschließenden Urteil kam es allerdings noch nicht. Richter Eckstein vertagte die Entscheidung auf den kommenden Montag im Schwurgerichtssaal des Bayreuther Landgerichtes.
Die sexuellen Übergriffe sind allesamt auf dem Pferdehof geschehen. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth mit Staatsanwalt Michael Hoffmann legte dem in dritter Ehe geschiedenen Landwirt zur Last, in 34 Fällen sexuelle Handlungen an Mädchen unter 16 Jahren, die ihm zur Betreuung anvertraut waren, vorgenommen zu haben.
Der Angeklagte betreibt einen Pferdehof und bietet dort auch Ferienreitkurse für Kinder an, die, wie die Staatsanwaltschaft feststellte, naturgemäß im Besonderen die Mädchen ansprechen. Auf dem Pferdehof waren regelmäßig an den Wochenenden und in den Schulferien mehrere minderjährige Mädchen zu Gast, um dem Reitsport nachzugehen.
Vor dem Fernseher
Während der Aufenthalte der Mädchen - sie kamen aus dem Münchner Raum - lag die Obhut über sie beim Angeklagten. Anstatt dieser Aufgabe nachzukommen, ging er jedoch ab Herbst 2006 mit einem dieser minderjährigen Mädchen eine sexuelle Beziehung ein. Er gab gegenüber dem Mädchen vor, dass er sich verliebt habe. Der Staatsanwalt: "Die Initiative zu allen sexuellen Handlungen ging dabei von dem Angeschuldigten aus, der den Umstand ausnutzte, dass das Mädchen an seiner Aufmerksamkeit erkennbar Gefallen fand und die Zuneigung des Angeschuldigten nicht verlieren wollte."
Beim abendlichen gemeinsamen Fernsehen mit den Mädchen saß er zu diesem Zeitpunkt mit einem zwölfjährigen Mädchen in eine Decke eingewickelt auf dem Sofa. Diese Situation nutzte er, um unbemerkt von den anderen Mädchen das Kind unsittlich zu berühren und zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Diese Vorfälle zogen sich laut Anklage bis Sommer 2007 hin. Das Mädchen versuchte fortan, den Kontakt mit dem Angeschuldigten zu meiden und verließ wenig später den Pferdehof.
Ähnlich verhielt es sich mit einem weiteren minderjährigen Mädchen, das zudem die Nichte einer der drei Ex-Ehefrauen des Angeklagten war. Es ging wie die anderen Mädchen auch mit Leidenschaft dem Reitsport nach. Im Sommer 2008 missbrauchte der auch dieses Mädchen sexuell. Der Minderjährigen wurde dabei zum Verhängnis, dass sie Liebeskummer hatte und sich dem Angeklagten anvertraute. Die Staatsanwaltschaft stellte dazu in ihrer Anklageschrift fest: "Dieser erkannte, dass das Mädchen nach Liebe und Aufmerksamkeit suchte und wusste diesen Umstand für sich auszunutzen." Die sexuellen Übergriffe geschahen erneut auf dem Sofa und nahmen im Folgenden an Intensität zu. Zum letzten Missbrauch kam es dann in den Osterferien 2009.
Zur ersten Frage des Vorsitzenden Richters Michael Eckstein, ob denn die Vorwürfe stimmen, entgegnete der 53-Jährige am Donnerstag: "Sie stimmen leider teilweise." Später zeigte er allerdings auf die Vorhaltungen von Richter Eckstein zu den einzelnen Geschehnissen erhebliche Erinnerungslücken und bestritt zum Teil die Vorwürfe. Er habe die Mädchen halt mal mehr oder weniger gedrückt oder gestreichelt, aber immer über der Kleidung. Richter Eckstein hielt mit der weiteren Schilderung des Angeschuldigten entgegen: "Jetzt sind war aber meilenweit davon entfernt, was die Mädchen erzählt haben."
Spätes Geständnis
Nach einer von Richter Michael Eckstein angeregten Unterbrechung der Verhandlung beantragte der Angeschuldigte zusammen mit seinem Rechtsanwalt Frank Stübinger aus Kulmbach den Ausschluss der Öffentlichkeit, allerdings vergebens. Als der Angeklagte sein Heil erneut in Ausflüchten suchen wollte, platzte dem Staatsanwalt der Kragen: "Nehmen Sie endlich Ihren Arsch in die Hose und sagen Sie, ich war es", forderte er den Pferdestallbesitzer auf. Auch die Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Kristina von Imhof, appellierte an den Angeschuldigten, die Wahrheit zu sagen, um den Mädchen eine Aussage vor Gericht zu ersparen.
Nach einer weiteren Verhandlungspause gab der Angeklagte seine Taten in vollem Umfang zu. Dabei kam auch seine schwere Kindheit und Jugend zu Sprache. Jetzt lebt er allerdings in einer neuen Beziehung und ist Vater eines Kleinkindes.
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