zuletzt bearbeitet: 10.03.2010 22:31 Uhr
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Töpfer mit gebrannten Kindern
Handwerk | Den Keramikern machen Nachwuchssorgen und Konkurrenz schwer zu schaffen.
Thurnau - Am Wochenende öffnen 30 Töpfer in Bayern im Zuge einer bundesweiten Aktion ihre Türen. Auch im Landkreis Kulmbach geben Keramiker Besuchern Gelegenheit, ihnen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und so einen Eindruck von einem traditionellen Handwerk zu bekommen, dessen Existenz bedroht scheint: Billigprodukte und Nachfolgerprobleme machen den Töpfern das Leben schwer.
Die Konkurrenz ist hart, besonders aufgrund der Billigimporte aus China, erklärt Landesinnungsmeisterin Edith Memmel die schwierige Situation der Töpfer. Umso wichtiger sei es, immer wieder deutlich zu machen, "dass hier echtes Handwerk dahinter steckt" und so die mit dem deutlich höheren Aufwand verbundenen höheren Preise zu erklären.
Dass die Töpfer unter der Konkurrenzsituation leiden, ist kein neues Problem: Bereits seit rund fünf Jahren gebe es eine negative Tendenz, sagt Memmel, betont aber auch, dass sich die Keramiker "wacker schlagen".
Dennoch: Vor rund sieben Jahren habe die Landesinnung noch 130 Mitglieder gehabt - inzwischen seien es nur noch 55. Man könne davon ausgehen, dass ein Großteil der ausgeschiedenen Mitglieder aufgegeben hätten. "Wenn dieses Handwerk ausstirbt, wäre das auch kulturell ein wahnsinniger Einschnitt. Dann gäbe es nur noch Massenware und keine Individualität mehr", betont Memmel.
Die Zeichen sind nicht allzu gut, schon allein da die Nachfolger oft fehlen. Im Landkreis Kulmbach gebe es ihres Wissens nach derzeit nur zwei Töpfereien, die vom Töpfernachwuchs übernommen würden, sagt Franziska Schnauder-Sanke von der gleichnamigen Töpferei in Thurnau. Zudem wisse sie von keinem Kollegen, der derzeit ausbilde - "obwohl sie es könnten".
Schon jetzt könne mancher Töpfer nicht mehr allein von seinem Handwerk leben: Eine Kollegin arbeite nebenbei bei der Post, eine andere gebe zusätzlich Volkshochschulkurse. "Die Industrie überrollt uns, die Konkurrenz ist zu groß", sagt Schnauder-Sanke und erklärt, ohne die Aufträge von Vereinen oder auch Banken nicht überleben zu können. Ebenso wenig wie ohne den regelmäßigen Außeneinsatz: "Ich schreibe schwarze Zahlen, aber nur wenn ich an 16 Wochenenden im Jahr auf Märkte fahre." Auch der lange Winter macht den Töpfern zu schaffen: "Wir sind auf Kunden von auswärts angewiesen, damit sieht es jetzt schlecht aus."
Vor diesem Problem steht Gerhard Trommler aus Peesten nicht: In seinem Produktmix befinden sich auch Öfen - "da kommt einem der kalte Winter zugute". Wie Trommler aber einräumt, seien die Öfen notwendig, "um einen entsprechenden Umsatz zu machen". Auch er spürt die Konjunkturflaute bei den Töpferwaren.
Die mangelnde Wertschätzung für die handgefertigten Produkte sei mit verantwortlich an der Entwicklung, glaubt Töpfer Wolfgang Knapp aus Trebgast, der diese am eigenen Leib erfahren hat. "Unsere Werkstatt ist immer kleiner geworden", mit den Preisen ostasiatischer Produkte könnten sie nicht mithalten. Seit rund sieben Jahren hätten sie keine Gesellen, seit fünf keine Lehrlinge mehr, die Werkstatt in Bayreuth wurde 1998 aufgegeben. Und die Zahl der Werkstätten werde aufgrund des Nachfolgermangels noch weiter sinken, glaubt Knapp: "Die meisten Töpferkinder sind gebrannte Kinder."
Nicht so Eva Potzel, die bereits als Nachfolgerin ihres Vaters Friedrich Sommer von der Töpferei Renner in Thurnau, feststeht. Der 58-Jährige kann sicher sein: Die Töpfer werden nicht aussterben - obwohl Keramik laut Sommer ein Luxusartikel ist und der gesättigte Markt von Billigprodukten überschwemmt werde.
Trotz der "nicht einfachen Situation" will auch Heike Flaschka, Töpferei Drehwurm in Motschenbach, nicht allzu schwarz sehen: "Man muss sich immer was Neues einfallen lassen, bescheiden bleiben und die Aufmerksamkeit der Leute erregen." Eine Gelegenheit hierfür biete sich am Wochenende. "Dann können wir zeigen, dass hinter unserer Arbeit viele kleine Schritte stecken, die auch ihren Preis haben."
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