zuletzt bearbeitet: 28.07.2010 23:20 Uhr
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Wagners Wohnmobil "getunt"
Der Wirsberger Hotelier Werner Herrmann hat das Gefährt des verstorbenen Festspiel-Chefs restauriert und will damit künftig Gäste zum Grünen Hügel chauffieren.
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Mit ihm auszufahren, ist eine Schau! Werner Herrmann (unser Bild) ist stolzer Eigentümer des rund 50 Jahre alten Mikafa, den der frühere Leiter der Richard-Wagner-Festspiele, Wolfgang Wagner, mit seiner Familie als Wohnmobil für Urlaubsfahrten nutzte. Vor drei Jahren hat Herrmann den Oldtimer erworben und mit hohem finanziellen Aufwand restaurieren lassen. Unter anderem musste auch ein neuer Motor eingebaut werden. Herrmann will damit ab 2011 Festspielgäste zum Grünen Hügel chauffieren. Foto: Reißaus
Wirsberg - Sein Herz hängt - unter anderem - an Oldtimern und einen davon hat er sich vor nicht allzu langer Zeit ergattert: Das Wohnmobil von Wolfgang Wagner aus der Festspielstadt. Die Rede ist vom Wirsberger Hotelier Werner Herrmann, der die Musik von Richard Wagner liebt. Als er durch einen Zufall von dem Wohnmobil erfuhr, konnte er nicht Nein sagen. Nach aufwendigen Sanierungs- und Reparaturarbeiten rollt das "wagnerianische" Wohnmobil wieder und Werner Herrmann wird die ausgesprochene Rarität, die Ähnlichkeit mit einem Schienenbus hat, für seine Hotelgäste zum Einsatz bringen.
Werner Herrmann hat das Wohnmobil bei einem Händler entdeckt: "Ich fragte ihn, was er denn für ein komisches Ding da stehen hat. Das Wohnmobil sieht ja scheußlich aus und als er dann sagte, es ist von Wolfgang Wagner vom Festspielhaus, erst dann hat es bei mir gefunkt."
Wolfgang Wagner hatte das Wohnmobil 1985 einem Mitarbeiter des Festspielhauses überlassen. Der nutzte es auch anfangs für Urlaubsfahrten. Jahre später stand es mit einem Heckschaden in der Werkstatt, nachdem ein potenzieller Käufer den Mikafa (Mindener Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH) beim Rangieren an einen Baum gesetzt hat und dann das Interesse verlor.
Zum Glück, denn spätestens mit dem Hinweis auf den Vorbesitzer wurde das Interesse von Herrmann immer lebhafter. "Ich habe mir das Fahrzeug genauer angeschaut und dann war mir eigentlich die Historie sehr wichtig." Herrmann war sich mit dem Verkäufer - er arbeitet heute noch im Festspielhaus - schnell einig und erwarb den Oldtimer für einen Anerkennungspreis: "Er war in einem desolaten Zustand!"
Wolfgang Wagner hat den Mikafa 1959 für 34 000 D-Mark gekauft. Das Wohnmobil wurde den Überlieferungen nach für Urlaubsfahrten mit der Familie genutzt und zugelassen war es damals auf die erste Frau von Wolfgang Wagner, Ellen. Natürlich wurde es auch für Fahrten zu Gastspielen außerhalb der Festspielzeit verwendet. Die Firma Mikafa, die heute noch existiert, hatte Aufklärungsflugzeuge gebaut und nach dem Krieg hatte man die notwendige Lizenz verloren. Danach entschied man sich, die Leichtbauweise der Flugzeuge für Fahrzeuge zu übernehmen. Anfangs hat das Unternehmen Anhänger für Lastwagen auf Aluminiumbasis gebaut, dann kamen die ersten Wohnanhänger hinzu bis hin zum späteren Wohnmobil. Derzeit existieren in Deutschland noch zehn dieser Wohnmobile, wobei nur fünf restauriert sind.
Ein kleines Vermögen investiert
Werner Herrmann wusste, dass er einiges Geld in die Restaurierung investieren muss. Es war dann schon ein kleines Vermögen, das er in das Wohnmobil steckte. Zunächst wurde das Mobil in der Kfz-Werkstatt Glück in Ludwigschorgast nur für den TÜV fertig gemacht, doch dann passierte es: "Ich fuhr nach dem TÜV noch nach Lanzendorf, um die Gasanlage reparieren zu lassen und auf der Rückfahrt ist der Wasserschlauch geplatzt. Als ich wieder in die Werkstatt fuhr, war auch der Motor kaputt." Ursprünglich war ein BMW-Motor drin und danach wurde ein Dieselmotor eingebaut. Der hatte nur 44 PS und das war für das große Fahrzeug sowieso untermotorisiert. Jetzt ist ein Dieselmotor mit 98 PS eingebaut und seitdem rollt das Fahrzeug wieder problemlos.
Im kommenden Jahr soll das Wohnmobil für Festspielgäste, die im Romantik Post-Hotel während der Wagner-Festspiele logieren, genutzt werden. In diesem Jahr wird Werner Herrmann aber noch Rücksicht auf das Todesjahr von Wolfgang Wagner nehmen: "Ich hatte ein Gespräch mit Eva Wagner und sie hat mir auch sehr viel zu der Geschichte des Autos erzählt und da sie mit dem Wohnmobil als Kind sehr viel unterwegs war, würde sie es gerne sehen, wenn er in dem Trauerjahr ihres Vaters nicht am Festspielgelände auffährt. Das respektiere ich natürlich", sagt Herrmann.
"Umso mehr freut es mich, dass sie sich über die gelungene Restaurierung freut und sie will das Wohnmobil später gern einmal ihrem Sohn zeigen, der in Amerika lebt. Für die Zukunft wird das Wohnmobil den Festspielgästen exklusiv angeboten." Man kann das Wohnmobil im Übrigen auch samt Fahrer anmieten. Da genügt ein Anruf im Hotel bei Werner Herrmann und dann werden auch Sonderwünsche erfüllt, wie beispielsweise Fahrten von frisch vermählten Brautpaaren.
Katharinas Vespa
So ganz nebenbei hat der Wagner-Liebhaber Werner Herrmann vor Kurzem auch die Vespa erworben, die Katharina Wagner zu ihrem 16. Geburtstag geschenkt bekommen hat, mit dem Original-Nummernschild und den Buchstaben "BT - KW" natürlich.
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