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"Die Chemie muss stimmen"

Während viele Paare vergeblich auf eines der wenigen Adoptivkinder warten, sucht das Kreisjugendamt weiterhin Familien für Pflegekinder. Der Leiter des Jugendamtes, Klaus Schröder, erklärt den vermeintlichen Widerspruch.

  • Familienglück: 39 Kinder leben derzeit im Landkreis Kulmbach bei Pflegeeltern. Foto: dpa
  • Interview: mit Klaus Schröder, Jugendamtsleiter
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Warum entscheiden sich Paare, die ein Kind adoptieren wollen, nicht für ein Pflegekind?

Es gibt einen Knackpunkt: Bei einer Adoption nimmt das Paar das Kind mit allen Rechten und Pflichten wie ein eigenes Kind an. Entschließt sich eine Familie, ein Pflegekind aufzunehmen, dann besteht immer ein rechtliches Restrisiko. Denn auch wenn es manchmal sehr unwahrscheinlich ist, so ist es doch möglich, dass die leibliche Mutter ihr Kind nach einigen Jahren zurückhaben möchte. In diese Situation, das Kind vielleicht auch wieder abgeben zu müssen, kommen Adoptiveltern nicht.

Bayernweit ist die Zahl der Paare, die ein Mädchen oder einen Jungen adoptieren möchten, zehnmal so hoch wie Kinder zur Adoption freigegeben werden. Wie sieht die Situation im Landkreis Kulmbach aus?

Das Verhältnis ist sei vielen Jahren gleich. Es gibt stets viel mehr Bewerber als Kinder. Wir kooperieren mit den Jugendämtern in Hof, Wunsiedel und Bayreuth in der Adoptionsvermittlungsstelle Oberfranken Ost. Wir haben aus dem eigenen Einzugsgebiet so viele Paare, die ein Kind adoptieren wollen, dass wir Bewerber von außerhalb ablehnen müssen. Manche schicken ihre Bewerbungsmappe an Jugendämter quer durch die Republik.

Wie viele Adoptionen gibt es im Landkreis Kulmbach?

2010 waren es zwei Fälle. Dabei handelte es sich aber nicht um die sogenannte Fremdadoption, sondern um Adoptionen durch den Stiefvater oder die Stiefmutter. Das ist der klassische und häufigste Fall: Eine Mutter bringt aus einer früheren Beziehung ein Kind mit in die Ehe, und nach einigen Jahren adoptiert der neue Partner das Kind. Eine Fremdadoption kommt hingegen viel seltener vor.

Und wie häufig nehmen Familien Pflegekinder bei sich auf?

Im Jahr 2010 lebten im Landkreis 39 Kinder in 28 Familien. Wir machen bei unseren Beratungsgesprächen Paare, die ein Kind adoptieren wollen, auch auf die Möglichkeit aufmerksam, ein Pflegekind aufzunehmen. Es gibt schon Familien, die sich schließlich dafür entscheiden.

Dennoch sucht das Jugendamt immer nach Pflegefamilien.

Ja, wir haben manchmal einen sehr kurzfristigen Bedarf, Kinder in eine Pflegefamilie zu geben. Wenn wir einen Hinweis erhalten, dass ein Mädchen oder ein Junge in seiner ursprünglichen Familie gefährdet ist, und wir stellen dort eine desolate Situation fest, in der das Kind unmöglich bleiben kann, dann ist es wichtig, dass sich schnell eine Familie findet, die das Kind aufnehmen kann.

Kommt das oft vor?

Das ist unterschiedlich. Manchmal brauchen wir in drei Monaten kurzfristig fünf oder sechs Familien. Die Betreuung kann zeitlich befristet oder auch längerfristig und auf Dauer angelegt sein.

Nach welchen Kriterien wählt das Amt die Pflegefamilien aus?

Ähnlich wie bei der Adoption gibt es für Pflegefamilien ein aufwendiges und sehr intensives Prüfungsverfahren. Es muss auch die Chemie stimmen, und das Kind soll gut in die Familie passen. Vielleicht gibt es dort ein Geschwisterkind in ähnlichem Alter. Gleichzeitig kommt es darauf an, worauf sich die Familie einlassen möchte und wie die individuelle Situation ist. Wir wollen auf alle Fälle verhindern, dass das ohnehin traumatisierte Kind mit der neuen Familie wieder einen Beziehungsabbruch erleben muss.

Wie ist das Verhältnis zwischen dem Pflegekind und seiner Pflegefamilie?

Es kommt immer wieder vor, dass das Mädchen oder der Junge seine Pflegeeltern wie richtige Eltern wahrnimmt. Und es gibt auch die Fälle, dass ein Pflegekind später einmal adoptiert wird. Dafür müssen die leiblichen Eltern das Kind aber zur Adoption freigeben. Nicht jede Mutter ist bereit, sich für immer von ihrem Kind zu trennen. Eine Adoption ist eine endgültige Entscheidung.

Das Gespräch führte Stefan Linß

    
    

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