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Musik aus Kulmbach für die Welt

Die Stadt, das Kantorat und die Oberfrankenstiftung ehren in einem Konzert fünf Komponisten. Eines verbindet die Meister: Sie stammen alle aus Kulmbach.

Von Peter Orzechowski
  • Barockmusik von Johann Staden spielten (von links) Lisa Stenglein, Susanne Trottmann, Anja Gimpel-Henning und Walter Schleicher. Fotos: Orzechowski
  • Uraufführung der Komposition "Die Stadt" von Lorenz Trottmann (am Flügel), gesungen von Julia Häusler. Im Hintergrund Michael Herrschel.
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Kulmbach - Fünf Kulmbacher Komponisten an einem Abend - die Stadt Kulmbach, das Kantorat und die Oberfrankenstiftung hatten sich am Freitagabend in der Petri-Kirche viel vorgenommen. Und auch gehalten: Dank der angereisten Künstler aus Nürnberg, darunter der hervorragenden Sopranistin Monika Teepe, sowie der Studierenden der dortigen Musikhochschule und der Schüler und Lehrer der städtischen Musikschule Kulmbach wurden die Besucher mit einem Kammerkonzert der Extraklasse belohnt.

Zum 70. von Horst Lohse

Anlass des Abends war der 70. Geburtstag von Horst Lohse. Der Komponist, der auch persönlich anwesend war, ist ein echter Kulmbacher und er ist seiner Heimat immer treu geblieben. Gegenüber dem Amtsgericht im Spiegel erblickte er am 16. März 1943 das Licht der Welt. Später ging er auf das heutige Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium (damals noch Oberrealschule), ab 1970 auf das Lichtenfelser Gymnasium.

Nach seinem Abitur besuchte er die pädagogische Hochschule in Bayreuth, war dann Volksschullehrer in Mainleus, bevor er zunächst am Mozarteum in Salzburg und dann an der Hochschule für Musik in Würzburg Violine, Komposition und elementare Musikpädagogik studierte. Nach seinem Abschluss zog er nach Bamberg und arbeitete weiter als Volksschullehrer, zeitweise auch als Lehrbeauftragter der Hochschule für Musik Würzburg. Heute lebt er als Pensionär mit seiner Frau in Memmelsdorf.

Lohse ist in der zeitgenössischen klassischen Musik über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, Uraufführungen seiner Werke führten ihn bis nach St. Petersburg oder Rom. Seine Palette an Werken ist vielfältig, von Solowerken über Kammermusik bis hin zu Ballett- und Schauspielmusiken. Derzeit arbeitet Horst Lohse an der Kammeroper "Sabelita". Genau diese Vielfalt kam am Freitagabend zum Ausdruck, von Liedern nach Gedichten von Edgar Allen Poe über Gitarren-Miniaturen nach Gedichten des Kulmbachers Ingo Cesaro bis zur Szene "Fremder Vogel" aus seiner unvollendeten Oper "Sabelita".

Den Konzertabend eröffnete jedoch die Musik des Seniors unter den Kulmbacher Komponisten, Johann Staden. Er wirkte ab 1605 an der Residenz der Markgrafen als Hoforganist, bevor er 1611 nach Nürnberg ging, wo er hoch dotierte Posten an den großen Stadtkirchen St. Lorenz und St. Sebald innehatte. Er zählt zu den großen Nürnberger Meistern des 17. Jahrhunderts wie Michael Praetorius oder Johann Pachelbel. Seine Intrade und Galliarda für Orgel und Trompete waren ein klanggewaltiger Einstieg in den Abend. An der Orgel saß übrigens der jüngste der Kulmbacher Komponisten, Lorenz Trottmann, der anschließend seine Klavierfragmente zum ersten Mal in der Öffentlichkeit aufführte. Der 21-jährige studiert derzeit Musik in Nürnberg. Seine Eltern sind als Kirchenmusiker und Instrumentallehrer bekannt.

Trottmanns Fragmente

Nach Trottmanns Fragmenten, in der er seine ganze Virtuosität am Flügel zeigen konnte, und den Gitarren-Miniaturen von Horst Lohse pendelte das Konzert wieder 400 Jahre zurück in die Vergangenheit. Die brillierende Sopranistin Monika Teepe sang zwei Arien aus "Seelewig", der ersten deutschen Oper, deren Noten und Libretto komplett erhalten sind. Die Oper stammt von Theophil Staden, dem Sohn des bereits erwähnten Johann Staden. Theophil wurde 1607 in Kulmbach geboren und starb 1655 in Nürnberg.

Von der Barockzeit bewegte sich der musikalische Reigen wieder kurz in die Gegenwart zu einer Szene aus Lohses Oper "Sabelita", gewissermaßen der letzten deutschen Oper. Zur Erholung nach dieser fordernden musikalischen Kost ertönte dann romantische Salonmusik von Johann Christoph Lauterbach.

Er wurde 1832 in Kulmbach geboren, studierte in Brüssel Geige und Komposition und wurde auf zahlreichen Konzerttourneen durch Europa als Geigenvirtuose gefeiert. Schließlich dirigierte er die angesehene Sächsische Staatskapelle Dresden. Seine Kompositionen, hauptsächlich Violinmusik, klangschöne Konzerte und Salonstücke im Stil der Romantik, sind leider in Vergessenheit geraten.

Sieben Todsünden

Zurück ins Wechselbad der Gefühle am Freitagabend: Aufwühlend danach Horst Lohses Orgelmusik zum Thema "Die sieben Todsünden" und dann wieder Entspannung bei den Barocken Tänzen von Johann Staden.

Zum Abschluss dieser musikalischen Reise durch 400 Jahre Kulmbacher Musik erlebten die begeisterten Zuhörer noch einmal eine Uraufführung. Lorenz Trottmann begleitete am Klavier seine Studienkollegin Julia Häusler, die Lieder nach Gedichten von Theodor Storm und anderen sang. Auch dies anspruchsvolle Kost, aber die Genialität des jungen Komponisten ist spür- und hörbar, auch wenn die Klänge unseren Ohren nicht vertraut sind. Schade nur, dass die Stadt ihre genialen musikalischen Botschafter aus 400 Jahren über die Gemeindegrenzen hinaus so wenig bekannt macht.

    
    

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