zuletzt bearbeitet: 30.07.2010 22:25 Uhr
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Nicht alle Balken unterm Dach
Eigentlich sollten es nur Voruntersuchungen für die energetische Sanierung des Rathauses werden. Dann kam die Überraschung: Das Rathaus ist an vielen Stellen richtig marode.
Kulmbach - "Stier bluß net no" ist ein alter Spruch, an den sich Oberbürgermeister Henry Schramm vermutlich immer wieder erinnern wird in diesen Tagen. An neue Fenster und eine neue Heizung sowie eine Dämmung des Daches war gedacht, als die Stadt ihren Antrag im Rahmen des Konjunkturpakets II für energetische Sanierung gestellt hatte. 450 000 Euro Zuschuss sind bewilligt. Als die Voruntersuchungen für die angedachten Baumaßnahmen an dem historischen Rathaus abgeschlossen waren, kam die böse Überraschung: Das Rathaus ist an vielen Stellen regelrecht marode, sogar die Statik ist nicht mehr ganz sicher.
Zwei Millionen Euro sind nötig, um das Denkmal am Marktplatz zu erhalten und auf den heutigen Stand der Technik zu bringen. Der OB ist schwer damit beschäftigt, das Geld für die nötigen Sanierungsarbeiten aufzutreiben. Wenn alles gut geht, könnte es klappen, so viele Fördermittel aufzutreiben, dass die finanziell nicht auf Rosen gebettete Stadt es sich leisten kann, die dringenden Sanierungsarbeiten an ihrem Rokoko-Rathaus baldmöglichst auf den Weg zu bringen.
Vor allem das Dach des Rathauses braucht eine Generalsanierung: "Ganze Teile der Dachkonstruktion fehlen, wie der Gutachter jetzt festgestellt hat. Die wurden einfach irgendwann mal rausgeschnitten", berichtet OB Schramm auf Anfrage der Frankenpost und ergänzt, dass eben auch das Dach in keiner Weise gedämmt und sogar löchrig sei.
Brandschutz reicht nicht
Auch der Brandschutz ist in dem altehrwürdigen Gemäuer nicht mehr gewährleistet, so der OB: "Es gibt keine richtigen Fluchtwege, außer man springt aus dem Fenster." Doch das ist nicht alles: Das Tonnengewölbe im Erdgeschoss dürfte mit etwa 500 Jahren deutlich älter sein als das um 1752 errichtete Gebäude darüber. "Auf dieses Gewölbe wurde der Rest des Rathauses gebaut. Da sind im Lauf der Jahre verschiedene handwerkliche Fehler gemacht worden. So wurden einfach Durchbrüche gemacht, ganze Balken wurden entfernt und all das hat dem Gemäuer natürlich geschadet", fasst Henry Schramm zusammen und fährt mit durchaus sorgenvoller Mine fort: "Da haben wir gedacht, wir nutzen das Konjunkturpaket II und bekommen so neue Fenster, eine neue Heizung und die Dämmung und kriegen damit unser Rathaus wieder so hin, dass es die nächsten Jahrzehnte übersteht und jetzt sind rund zwei Millionen Euro nötig, wenn wir dieses historische Gebäude sichern wollen und in Bezug auf die Statik und auch den Brandschutz auf einen aktuellen Standard kommen möchten."
Als das Gutachten über den Zustand des Rathauses auf dem Tisch lag, war guter Rat buchstäblich teuer: "Was machen wir? Diese Frage mussten wir uns stellen. Die energetische Sanierung ist nutzlos, wenn nicht die anderen Probleme im Vorfeld gelöst sind. Alles andere wäre nur ein Kaschieren nach außen." Nun ist aber die Stadt Kulmbach finanziell in einer ziemlich angespannten finanziellen Situation. Große Sprünge kann derzeit keiner machen. Nach einer Beratung im Stadtrat erteilte dieser dem OB grünes Licht, nach Zuschüssen zu suchen und sprach sich grundsätzlich für die Sanierung des herausragenden Denkmals in der Stadt aus.
Jetzt rasch handeln
Knapp eine halbe Million ist aus dem Konjunkturpaket vorhanden. Jetzt versucht OB Schramm noch Geld aus dem Entschädigungsfonds, von Stiftungen, aus Städtebaumitteln und anderen Quellen zu bekommen. "Wenn es uns gelingt, mehrere Partner ins Boot zu bekommen, sehe ich eine Chance, das zu stemmen." Erste Gespräche mit möglichen Geldgebern seien bereits durchaus positiv gelaufen: "Man hat Verständnis. Schließlich handelt es sich bei unserem Rathaus um eins der ältesten Gebäude, das fest zur Geschichte der Stadt gehört."
Jetzt läuft die Zeit. Die halbe Million aus dem Konjunkturpaket muss 2011 abgerechnet sein, sonst wird sie verfallen. Das restliche Geld für die Rathaussanierung muss schnell aufgetrieben werden. Dies auch noch aus einem anderem Grund, betont der OB: "Allein wegen des Brandschutzes ist es nötig, jetzt rasch zu beginnen. Natürlich war all die Jahre nichts, aber darauf kann man sich nicht auf Dauer verlassen."
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