zuletzt bearbeitet: 21.04.2010 23:32 Uhr
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"Den ,Schatten' nicht wegwischen"
Akzeptanz | Solidaritätsbekundungen sind gut gemeint, aber nicht unbedingt hilfreich.
Viele Menschen solidarisieren sich mit einem Pfarrer, der sich des Missbrauchs schuldig gemacht hat. Was sagt der Psychologe dazu?
Sofern ich das per Ferndiagnose beurteilen kann, kommt hier ein klassisches sozialpsychologisches Phänomen zum Ausdruck, das "In-Group-/Out-Group-Verhalten". Gerade in einer kleinen Gemeinde, wo jeder jeden kennt, solidarisiert man sich gern mit einer Person, die man als positiv erlebt hat. Sie ist "einer von uns" und gegen Anschuldigungen von außen zu verteidigen.
Es ist schwierig, die "dunkle Seite" bei einem geschätzten Menschen zu sehen?
Die Wahrnehmung der eigenen positiven Erfahrung mit dem Menschen erhält auf alle Fälle mehr Gewicht. Den "Schatten", wie ihn die Jungianer nennen, zu akzeptieren, ist beim anderen und auch bei sich selbst nicht einfach. Gern sieht man sich selbst auf der positiven Seite, während man das Unrecht dem Fremden, Außenstehenden zuschiebt.
Viele meinen, dass das Vergehen des Pfarrers durch sein vorbildliches Wirken in mehr als 23 Jahren verjährt ist - nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch . . .
Jeder hat das Recht, nach einer Verfehlung durch Sühne reingewaschen zu werden. Die Frage ist: Hat diese Sühne - der sogenannte Täterausgleich - stattgefunden und war sie angemessen? Da in diesem Fall das Missbrauchsopfer anonym ist, können die Menschen schwer fassen, was geschehen ist - dass hier einem Kind Leid zugefügt wurde. Man setzt sich nicht gern damit auseinander.
Würde es helfen, wenn sich die Frau outen würde?
Auch das wäre problematisch. Es wird immer Menschen geben, die ihr eine Mitschuld geben. Oder die ihr vorwerfen, erst jetzt zu sprechen, nachdem diese Welle der Missbrauchsfälle nach oben geschwappt ist.
Wie wird man der Situation besser gerecht?
Indem man den "Schatten" nicht einfach wegwischt, sondern auch das Leid des anderen sieht - und alles in ein vernünftiges Verhältnis zueinander stellt.
Besteht nicht die Gefahr, dass sich an diesem Fall die Geister scheiden und die Gemeinde an der Polarisierung zerbricht?
Zu einer guten Gemeinde gehört, dass die Menschen mit so einer Situation umzugehen lernen, sodass die Gemeinschaft nicht auf Grund irrationaler Phänomene in Brüche geht.
Was rät der Psychologe?
Jeder sollte akzeptieren, dass sowohl Verdienste als auch Verfehlungen zu jedem Menschen gehören - so lehrt es auch das Christentum. Offensichtlich ist der Pfarrer nicht rückfällig geworden. Seinen Fehltritt hat er gleich bekannt. Das spricht für ihn. Er könnte mithelfen, der Polarisierung in der Gemeinde entgegenzuwirken, indem er seine "Anhänger" ermutigt, den Tatsachen ins Auge zu schauen. Käme es zu einer Täter-Opfer-Mediation, wäre das vorbildlich. Auch ein Täter muss ja die Chance haben, den Schaden wieder gut zu machen, soweit dies möglich ist.
Das Gespräch führte Lisbeth Kaupenjohann
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In-Group-/Out-Group-Verhaltenvon unbekannt am 24.04.2010 18:34Danke an die Frankenpost für dieses Interview, habe mich bei dieser Verhaltensweise selbst erkannt. Möchte auch nochmal anmerken, dass es für alle, die letzte Woche das erste Mal von dieser Sache hörten, sicher nicht so einfach war die Tatsachen zu aktzeptieren, als für jene, die schon Bescheid wussten, als der Pfarrer nach Sparneck kam. |
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