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Die Kritik stößt auf Unverständnis

Von Irene Gottesmann
  • fpmhz_igokerzen_181209 Pfadfinder Hans-Christian Hölzel entzündet die Kerzen im Sitzungssaal. Foto: igo
     
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Helmbrechts - Wenn der Sitzungssaal des Rathauses in Kerzenlicht getaucht ist und die Tische mit Tannengrün und Strohsternen geschmückt sind, dann ist's die letzte Stadtratssitzung im alten Jahr. Inzwischen ist es Tradition geworden, dass die Kerzen von den Pfadfindern aus Wüstenselbitz mit dem Friedenslicht aus Bethlehem angezündet werden. Als Dank dafür gab es eine Geldspende von Bürgermeister Stefan Pöhlmann.

Nur kurz währte die weihnachtliche Stimmung. Schon beim ersten Tagesordnungspunkt ging es recht weltlich zu, als Bürgermeister Stefan Pöhlmann Stellungnahmen von Landratsamt und Deutscher Bahn zum Helmbrechtser Stadtentwicklungskonzept verlas, das öffentlich ausgelegt worden war. 15 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange waren abgegeben worden, wobei 13 ohne Anregungen und Bedenken waren.

Für Unverständnis sorgte zunächst einmal die Stellungnahme vom Landratsamt Hof. Darin wird kritisiert, dass das Entwicklungskonzept sich überwiegend mit dem Bestand beschäftige und zu wenig Entwicklung zeige. Alternative Szenarien für die Stadtentwicklung würden überhaupt nicht aufgezeigt. Es werde quasi nur eine einzige Entwicklung aufgezeigt, das erscheine aber für ein Entwicklungskonzept zu wenig.

Ferner werden die geplanten Umbaumaßnahmen kritisiert, "die in ihrer Aussage nicht überraschen und keine neuen Trends aufzeigen". Es seien die bekannten Maßnahmen wie "Attraktiver Ausbau" und "Mehr Verkaufsflächen, ohne Konkurrenz für den Bestand zu schaffen", Leerstandsmanagement, Verkehrsberuhigung und Radwegeverbindungen. Andere Städte bemühten sich, so heißt es in der Stellungnahme weiter, ihre Bahntrassen bis zur Stadtmitte zu verlängern, in Helmbrechts aber werde eine Verlegung des Endpunktes noch weiter aus der Stadt hinaus befürwortet. Vermisst würden zudem Lösungen gegen das Ansiedeln von Märkten am Stadtrand und das Aufzeigen eines bewussten Umgangs mit der Bevölkerungsentwicklung.

Überhaupt gelesen?

"Da braucht man gute Laune, um das zu verkraften", so Bürgermeister Stefan Pöhlmann. "Ich frage mich, ob der Sachbearbeiter unser Konzept tatsächlich gelesen hat. Wir ziehen die Innen- einer Außenentwicklung vor, haben mit der Alten Weberei und dem Witt/Bob-Gelände zwei Leuchtturmprojekte mit klaren Aussagen, die auch demografische Auswirkungen haben." Auf den Bahnhof eingehend, sagte Pöhlmann, dass dieser noch nie in der Stadt gewesen sei. "Bei der Verlegung haben wir uns schon was gedacht."

Irritiert von der Stellungnahme des Landratsamtes zeigte sich auch Frank Schönfelder vom Planungsbüro Strunz. Er hegte ebenfalls Zweifel, ob der Flächennutzungsplan überhaupt angesehen worden ist. Schönfelder sieht im gesamten Erläuterungstext eine Fülle von Anregungen und Planungsansätzen, die zu einer spürbaren Verbesserung der Gesamtsituation der Stadt beitragen können. "Bei genauer Betrachtung der Aussagen des Stadtentwicklungskonzepts sieht man grundlegende Paradigmenwechsel in der Herangehensweise der Lösung städtebaulicher Problemstellungen." Die Alte Weberei werde städtebaulich und hochbautechnisch aufgewertet, sodass die bestehenden und zukünftigen Nutzungen ihre Entwicklungskraft zur Stärkung der Innenstadt entfalten könnten.

Auf dem ehemaligen Firmengelände Witt/Bob würden attraktiv gelegene, innerstädtische Wohnflächen geschaffen, für die Bauflächen an den Randlagen des Kernorts sowie in den Stadtteilen zurückgenommen worden seien. "Damit liegt Helmbrechts im Trend der Zeit, durch flächensparende Baumaßnahmen zur Verringerung des Flächenverbrauchs und zur Stärkung der Innenstadt nebst ihrer Infrastruktureinrichtungen beizutragen."

Auch die Anmerkung zur Verlegung des Bahnhaltepunktes scheint laut Schönfelder ohne interne Kenntnisse getroffen worden zu sein. Der neue Standort bringe erhebliche Verbesserungen in Sicherheit und Erreichbarkeit zu den von den Kunden der Bahn angesteuerten Zielen wie Schule und Innenstadt.

Verlegung möglich, aber . . .

Die Deutsche Bahn bezeichnet in ihrer Stellungnahme die Verlegung des Endhaltepunktes "als einen erheblichen Eingriff in die Infrastruktur des Bundes" und lehnt sie deshalb ab. Allerdings zeigt sie theoretische Möglichkeiten für eine Verlegung auf. Nämlich, wenn die Bayerische Eisenbahngesellschaft, das Eisenbahnbundesamt und die Regierung von Oberfranken zustimmen und sämtliche Kosten von Helmbrechts getragen würden. Diese würden auch Rückbaukosten und Tilgung von Restbuchwerten umfassen.

Frank Schönfelder erinnerte an den frühzeitigen Kontakt, der mit der Bahn aufgenommen worden war, "weil uns bewusst ist, dass die Verlegung eines Haltepunktes keine leichte Planungsaufgabe ist". Bei dem Gespräch sei das Gegenteil signalisiert und ein weiteres Abstimmungsgespräch vereinbart worden.

Der Stadtrat nahm die Stellungnahmen von Landratsamt und Bahn zur Kenntnis und stimmte den städtebaulichen Stellungnahmen von Frank Schönfelder zu.

    
    

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