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Für viele Wirte wird die Luft dünn

  • fpmhz_RaucherRAUS!!!_4sp Der Finger des Wirtes zeigt nach draußen. Viele Gaststättenbesitzer wollen es nicht, aber sie müssen die Raucher vor die Tür schicken, wie hier beim Gasthaus Müller in Burkersreuth. Foto: Engel
     
  • fpmhz_TischdekoRauchen Kreatives für die Raucher: Statt Glimmstängel gibt‘s in dieser Kneipe Knabbergebäck aus Zigarettenschachteln Foto: Engel
     
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Münchberg/HelmbrechtsSeit Beginn dieses Jahres sind die Raucher in Bayern mit dem härtesten Rauchergesetz der Bundesrepublik konfrontiert. Wir fragten Wirte, rauchende und nichtrauchende Gäste, wie der Betrieb seitdem läuft.

Seit zwei Stunden sitzt Thomas Popp im Gasthaus Müller in Burkersreuth. „In dieser Zeit hatte ich früher mindestens schon acht Zigaretten reingezogen, heute zwei.“ Wenn es auch ständig zwischen den Fingern kribbelt, das ständige Rausgehen stört ihn mehr als der Verzicht.

Nichtraucher stört das Gesetz

Nichtraucher Jörg Spörl stört es, dass jetzt ständig die Gesellschaft zerrissen wird und die Gespräche unterbrochen werden, weil immer ein Raucher „rausrennt“. Im Wirtshaus ist es ihm egal, ob geraucht wird oder nicht, „eigentlich gehört es ja dazu“, in Speiselokalen mag er allerdings keinen Rauch. Auch Simon Ennisch ist Nichtraucher, und weil er nicht dauernd alleine am Tisch sitzen mag, begleitet er seine Wirtshausbrüder im Helmbrechtser Bräustübl in den Raucherraum, den Wirt Christian Zöbl in einem alten Lagerraum wohnlich hergerichtet hat. Zöbl sieht hierin auch die Kommunikation zwischen seinen Gästen gefördert. Früher hätten sich Gäste an verschiedenen Tischen nur selten miteinander unterhalten, heute kämen sie beim Rauchen ins Gespräch.

Nur noch Kippen von anderen

Das Gastzimmer ist nicht leerer geworden, „ich habe bisher noch keinen Einbruch am Umsatz gemerkt“, so der Wirt. Sein Gast Tobias Wolfrum wollte mit dem Rauchen eigentlich Schluss machen. „Aber jetzt läuft das so gut, da rauche ich weiter“, sagt er. Er geht zweimal in der Stunde in die „Strafecke“, und wenn er austreten muss, dann wird dies gleich mit einer Zigarettenpause verbunden.

Markus Goller raucht seit 1. Januar auch nicht mehr zu Hause in der Wohnung. „Wenn es im Wirtshaus geht, dann muss es auch zu Hause gehen.“ Damit er zu Hause nicht in Versuchung kommt, kauft er sich keine Zigaretten mehr und raucht in Gesellschaft seiner Freunde nur noch „Geschnorrte“. Nicht weniger als früher raucht Klaus Böhm, auch wenn er weiß, dass dies seiner Gesundheit nicht förderlich ist. So zwei Stück in der Stunde seien aber nicht übertrieben viel, meint er, zumal er zu Hause auch nicht mehr „reinzieht“. Auch sein Kollege an der Bar, Alexander Peetz, ist nicht der große Qualmer. Er braucht oft mehr als eine Stunde überhaupt keine Zigarette.

Auch Roland Hertrich, Gast im „Candy Blue“ in Münchberg, raucht nicht weniger. Er trinkt jetzt halt nur noch ein Bier und geht dann wieder. „Ich spare eher Geld am Bier als an den Zigaretten.“ Dass Rauchen zur Wirtshaus-Tradition dazugehöre, meint auch Wirtin Petra Kienzle: „Ein paar Stammgäste habe ich seit 1. Januar nicht mehr gesehen“, leider seien diese nicht durch Nichtraucher ersetzt worden. Auch der Bierumsatz sei zurückgegangen.

Ganz schlimm hat es Salih Atasoy, den Inhaber der „Pascha-Bar“, mit dem Rauchverbot erwischt. „Auch Wasserpfeifen dürfen nicht mehr geraucht werden, deshalb kommt niemand mehr in mein Lokal. Ich habe praktisch hundert Prozent meiner Gäste und meines Umsatzes verloren.“ Dabei seien mehr als die Hälfte seiner Gäste Nichtraucher gewesen, die nur gekommen seien, um das orientalische Flair mit der Wasserpfeife zu genießen, weil sie es im Urlaub mal probiert hätten. Normalerweise befänden sich jetzt acht bis zehn Gäste im Lokal, um nach Arbeitsschluss ein Bier oder einen Tee zu trinken und bei einer Wasserpfeife Entspannung zu suchen. Doch die Bar ist gähnend leer.

Als Ausweg sieht Salih Atasoy die Gründung eines Clubs. Die „Shisha-Kneipen“ wollten sich zusammenschließen und Club-
ausweise ausgeben, damit sie ihre Lokale nicht schließen müssten.

Keine Umsatzeinbußen hat bisher Sabine Schrüfer vom „Anno 19hundert – Das fränkische Wirtshaus“ zu verzeichnen. Sie persönlich treffe das Rauchverbot aber am allermeisten. Während die Gäste vor die Tür zum Rauchen gehen könnten, bleibe ihr dafür keine Zeit. Deshalb sei sie jetzt ständig am Kauen. „Ob Bonbons, Schokolade oder Wurst, alles was mir in die Hände kommt, wird reingestopft.“ Sorgen bereite ihr nur, dass rauchende Gäste zu vorgerückter Stunde einmal vor der Tür zu laut würden. „Ich habe bisher zu meinen Nachbarn ein sehr gutes Verhältnis und möchte sie nicht verärgern.“

„Eine Bevormundung“

Eva Popp, Nichtraucherin, geht mit ihrem Mann Lothar gerne abends mal in die Kneipe. Sie bedauert, dass der Gesetzgeber so entschieden habe, „man hätte dem Wirt freistellen können, ob er Raucher in seinem Lokal möchte oder nicht“. Für ihren Mann ist es „eine Sauerei und Bevormundung, die Wirtshäuser werden kaputt gemacht“. Er selbst raucht zwangsläufig noch weniger, „ich war schon immer mehr ein Genussraucher“. Helmut Engel

Wir wollen es wissen: Meiden Sie seit dem Rauchverbot Gaststätten? Stimmen Sie hier ab!

 

 
    
    

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Die neuesten Kommentare

Arme Raucher

von unbekannt am 24.01.2008 21:02
In keinem Land der Erde, in dem Rauchverbot verhängt wurde, und in keinem Bundesland ist das Gejammere so groß wie in Bayern. Ach die armen Raucher, jetzt dürfen sie doch wirklich die Nichtraucher nicht mehr belästigen. Grässlich, grässlich.
(0)

Re: Arme Raucher

von unbekannt am 25.01.2008 08:47
Hallo Goldstück,

So kurz Ihr Kommentar ist, spiegelt er doch die Situation wider.
Das GSG führt auch bei den meisten Nichtrauchern zu Unverständnis und Ablehnung, bei einigen leider zu Schadenfreude und Häme.
Ich habe Sie noch nie gesehen und Ihnen nichts getan.
Warum freuen Sie sich darüber, daß mir der Zugang in meine Kneipe verwehrt wird und sich unser Stammtisch inkl. der Nichtraucher auflöst?
In unserer Kneipe rauchen fast alle, die Nichtraucher ärgern sich genauso, dass wir nicht mehr kommen dürfen.

--
norbertl
(0)

stammtischargumente

von schneemann2 m (31) am 23.01.2008 16:05
'Freigestellt' war es den Wirten doch schon immer, ob sie ein Raucher- oder eben Nichtraucherlokal eröffnen... und klappts? Ich kenn jedenfalls keine Kneipe oder Restaurant in der Umgebung, in dem vor dem 1.1. Rauchverbot geherrscht hätte.

Selbstbeschränkung klappt hier ungefähr überhaupt nicht. Wir sind hier schließlich in Deutschland, da brauchts für alles ein Gesetz.

...und übrigens, in anderen Ländern klappts ja auch und die Leute in den Bundesländern, die vor Bayern das Rauchverbot hatten (z.B. BW) lachen nur über die Argumente, die jetzt von den Bayern kommen, denn das gleiche durften sie sich ein paar Wochen nach Einführung des Rauchverbots anhören - mittlerweile nicht mehr.
(0)

Re: stammtischargumente

von unbekannt am 25.01.2008 09:23
Hallo,

Stammtischargumente sind nicht dumm! Da werden Argumente ausgetauscht. Da wird der Mainstream nicht einfach kritiklos übernommen, wie von manch anderen.

Wenn es bei Ihnen keine Nichtraucherkneipe gab, war anscheinend auch der Markt nicht da.
Da seh ich jetzt für die bisherigen Kneipen in Ihrem Umfeld schwarz. Sie alleine werden die Umsatzeinbußen der Wirte wohl nicht ausgleichen können.

In unserer kleinen Gemeinde gibt es seit 5 Jahren eine Nichtraucher-Kneipe, in zwei Gasthäusern rauchfreie Räume.

Es ist auch falsch, dass sich das schnell legt. In allen Bundesländern schließen sich die Betroffenen zusammen, reichen Klagen ein und strengen Volksbegehren an (wo das möglich ist).
Ein paar KLicks im Internet genügen, um das zu sehen (Bsp. die Seite rauchen-erlaubt).

In anderen europäischen Ländern, wo das Verbot ähnlich rücksichtslos ist, kämpfen die übriggebliebenen Wirte und Gäste weiter. Ich weiß das aus Irland.

Ich möchte niemenden belästigen oder gar schädigen, aber über meinen Lebenswandel selbst bestimmen.
Wenn in meiner Kneipe fast nur Raucher sind und die Nichtraucher auch wollen, dass das eine Raucherkneipe bleibt, sehe ich kein Problem. Das Gesetz hat hier zumindest einen bevormundenden Charakter.

Ich rauche übrigens seit 28 Jahren, habe keinerlei Beschwerden, arbeite körperlich und geistig ohne Einschränkungen. Das mag zwar nicht die Regel sein, aber so ein Beispiel sollte man auch mal sehen.
Wir werden ja generell als asoziale Wracks beschrieben, die sich umbringen und dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.

Den Wirten sollte man selbstverständlich ihre Freiheit in der Berufsausübung wiedergeben.
--
norbertl
(0)
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