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„Viele Kinder fühlen sich schuldig“

Constanze Grießhammer leitet in Helmbrechts Kurse für Trennungs- und Scheidungskinder

Wenn sich Eltern trennen, stürzen Kinder oft in tiefe psychische Krisen. Hier kann Constanze Grießhammer helfen. Die Diplom-Sozialpädagogin leitet im „Helmbrechtser Kreisel“ zurzeit wieder einen Kurs für Trennungs- und Scheidungskinder.

Von Hannes Keltsch
  • fpmhz_k_interview Constanze Grießhammer leitet die Kurse im „Helmbrechtser Kreisel“
     
  • fpmhz_scheidungskinder__121007 Wenn ein Riss durch die Familie geht, leiden die Kinder besonders Foto: Dietel / Montage: Kuhn
     
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HelmbrechtsWenn sich Eltern trennen, stürzen Kinder oft in tiefe psychische Krisen. Hier kann Constanze Grießhammer helfen. Die Diplom-Sozialpädagogin leitet im „Helmbrechtser Kreisel“ zurzeit wieder einen Kurs für Trennungs- und Scheidungskinder.

 

Frau Grießhammer, wie viele Kinder kommen zu Ihren Kursen im „Kreisel“?

Pro Kurs besuchen vier bis zehn Kinder die Gruppen; im Frühjahrskurs in Helmbrechts waren es fünf, jetzt im Herbstkurs nehmen acht Kinder und Jugendliche teil.

 

Welches Alter haben sie?

Das Programm ist ausgerichtet auf Acht- bis Zwölfjährige.

 

Welche Motive haben Eltern, nach einer Trennung ihre Kinder zu diesen Kursen zu schicken?

Sie hoffen auf Hilfe. Oft ist es so, dass sich der Elternteil, bei dem das Kind lebt – meistens die Mutter – Sorgen macht: Sie erkennt, dass das Kind in der Schule unkonzentriert ist, weil es den Kopf voll hat mit Gedanken und Sorgen. Es kann für ein Kind sehr anstrengend sein, wenn es zum Beispiel alle 14 Tage in zwei Welten pendelt. Es erlebt zwei Erziehungsstile, verschiedene Regeln und Grenzen... Allerdings erkennen viele Eltern nicht, wie sehr Kinder unter dieser Situation leiden können. Deshalb kommen sie gar nicht auf die Idee, die Tochter oder den Sohn in unseren Kurs zu schicken. Oder sie haben durch die Trennung zu viel um die Ohren. Oder es steht einfach kein Auto zur Verfügung – das kommt oft bei allein erziehenden Müttern vor.

 

Melden sich Kinder bei Ihnen auch von selbst?

Hin und wieder kommen Jugendliche in Begleitung von Freunden ohne Eltern, um Hilfe und Rat zu suchen. Dieser Mut und dieses Vertrauen freuen uns immer besonders; gemeinsam kann man Lösungen finden. Wir möchten ein „offenes Haus“ und Ansprechpartner für alle Altersgruppen sein.

 

Woher kommen die Kinder, die Ihre Kurse besuchen?

Aus dem ganzen Landkreis Hof und auch aus dem angrenzenden Bereich des Landkreises Kulmbach.

 

Wo setzen die Kurse an?

Die Kinder sollen lernen, mit ihren Gefühlen besser klarzukommen und die Situation so anzunehmen, wie sie jetzt nun mal ist. Wir wollen ihnen helfen, realistischer über die Trennung zu denken. Sie sollen sich zum Beispiel lösen vom Wunsch, dass die Eltern wieder zusammenkommen. Ziel ist auch, durch die Gruppenarbeit das Selbstwertgefühl und das soziale Verhalten zu stärken.

 

Was sind die Hauptprobleme der Trennungskinder?

Bei einer Befragung von 1000 Kindern hat man festgestellt: 95 Prozent wünschen sich, dass die Eltern wieder zusammenkommen. Wenn dies nicht möglich ist, wollen sie wenigstens so oft wie möglich den Elternteil, bei dem sie nicht leben, besuchen dürfen. Vater und Mutter sollen es mit Wohlwollen sehen, wenn die Kinder zum jeweils anderen Elternteil gehen. Und natürlich wünschen sie sich, dass es keinen Streit mehr gibt. Ganz wichtig: Fast alle Kinder fühlen sich wegen der Trennung und Scheidung ihrer Eltern schuldig.

 

Gibt es unterschiedliche Reaktionen je nach Alter?

Ja, die gibt es. Häufige Reaktionsmuster von Drei- bis Sechsjährigen sind aggressives Verhalten, Wutanfälle, Ängstlichkeit, Trennungsängste, Schlaf- und Essstörungen sowie Schuldgefühle. Sieben- bis achtjährige Scheidungskinder werden oft von anhaltender Traurigkeit befallen, gefolgt von Resignation. Die Auflösung der Familie wird als Bedrohung der eigenen Existenz gesehen. Sie klammern sich an ein Elternteil, haben Konzentrationsprobleme in der Schule, fühlen sich wie zerrissen. Bei Neun- bis 13-Jährigen können psychosomatische Krankheiten oder Depressionen die Folge sein, weil sie sich übermäßig für elterliche Probleme und die Organisation des Haushalts verantwortlich fühlen. Daraus entsteht eine „Pseudoreife“. Das heißt, sie wollen unbewusst wie ein Erwachsener sein, um den Partner zu ersetzen. Häufig entwickeln die älteren Kindern intensiven Zorn auf den Elternteil, der als Initiator der Scheidung angesehen wird.

 

Wie können Sie den Kindern helfen?

Das gemeinsame Auseinandersetzen mit dem Thema hilft den Kindern, einen realistischeren Blick für die Trennung und Scheidung zu bekommen. So bekommen sie Freiräume für ihre eigene Entwicklung. Sie lernen, für sich das Beste aus der Situation zu machen. Das klappt in der Gruppe prima, viel besser als im Einzelkontakt.

 

Lässt sich die Trennung der Eltern jemals völlig verarbeiten? Gibt es Spätfolgen?

Nicht alle Trennungs- und Scheidungskinder entwickeln pauschal Defizite. Häufig sind sie selbstständiger und selbstbewusster, auch verantwortungsbewusster, emotional empfindsamer und sozial kompetenter als andere. Das liegt an den vielfältigen sozialen Kontakten zum Beispiel durch das Leben in zwei Familien, durch das ständige Ausloten von Gefühlen bei den Eltern, deren neuen Partnern, Halbgeschwistern... natürlich ist das für die Kinder total anstrengend.

 

Was empfehlen Sie den Müttern und Vätern?

Sie sollten Beratungen in Anspruch nehmen und die Kinder in die Gruppen schicken. Und, so schwer es auch oft fällt: Man sollte nicht vor den Kindern über den anderen Elternteil schlecht reden! Eltern sollten es mit Wohlwollen sehen, wenn das Kind Kontakt zum anderen Elternteil hat. Es kommt aber immer wieder vor, dass Väter oder Mütter ihr Kind als „Gerechtigkeitsausgleich“ benutzen und vereinbarte Kontakte mit dem Ex-Partner vereiteln oder verbieten. Das ist immer Gift für die Kinder.

 

Haben Sie mit Ihren Kursen Erfolg?

Ja, man kann tatsächlich helfen. Deshalb ist es eine schöne Arbeit. Immer wieder hören wir von Eltern: Der Kurs hat viel gebracht. Die Kinder reden zu Hause plötzlich über ihre Gefühle – was sie vorher nicht konnten.

    
    

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