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Zum Praktikum nach Kenia

Erlebnis | Vier Wochen lang unterrichten Miriam Aust und Stefanie Huber an einer „Primary-School“ in Kenia. Exklusiv erzählen sie der Frankenpost von ihren Erlebnissen.
Von Helmut Engel
  • fpmhz_tsr_kenia_200310 Miriam Aust und Stefanie Huber mit ihren Schülern auf dem Pausenhof vor der "Primary-School" in Timau, im kenianischen Hochland.
     
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Marktleugast/Münchberg - Die Zeit zwischen dem ersten Staatsexamen und der Referendarzeit wollten die Marktleugasterin Stefanie Huber und ihre Münchberger Studienkollegin und Handball-Vereinskameradin Miriam Aust sinnvoll nutzen. Da erinnerten sie sich an eine Freundin, die im letzten Jahr für "pro A-kids" als Praktikantin an einer Schule in Kenia war und setzten sich deshalb mit der Hilfsorganisation in Bayreuth in Verbindung.

"Eine kleine Hilfsorganisation direkt vor Ort" war es, was sie suchten, erzählt Stefanie Huber. Afrika, und damit auch das Land am Horn von Afrika, hat die beiden jungen Frauen schon immer fasziniert. Nun konnten sie das Land ihrer Träume besuchen, und dazu noch einen guten Beitrag für die Erziehung der Kinder in der Region Timau im kenianischen Hochland leisten.

Die beiden waren dort an der "Primary-School", die von der Bayreuther Organisation betreut und unterstützt wird. Durch das Projekt soll angehenden deutschen Pädagogen sowie kenianischen Lehrern Gelegenheit gegeben werden, die Schulsysteme gegenseitig kennenzulernen. Durch "Primary-Schools" wird armen Kindern der Zugang zur Bildung verschafft.

Nachdem an diesen Schulen 2003 das Schulgeld abgeschafft worden war, gingen im Land plötzlich 1,7 Millionen Kinder mehr zu Schule. Deshalb quellen Schulzimmer auch regelrecht über. "Etwa 80 Kinder sind in einer Klasse", berichtet Miriam Aust. Beide unterrichteten in den Fächern Englisch, der Geschäftssprache in Kenia, Geographie und Sport. Sie waren beeindruckt, welchen Respekt die Kinder vor dem Lehrpersonal haben. Stefanie Huber: "Die Lehrer sind im Land noch richtig gut angesehen." Obwohl offiziell verboten, werde ab und zu auch noch der Rohrstock eingesetzt. "Uns zuckte jedes Mal das Herz zusammen."

Der Schulalltag

Die Schule beginnt jeden Morgen mit einem "Appell". Klassenweise stellen sich hierbei die Schüler in einer Reihe im Schulhof auf; kontrolliert wird, ob die Haare kurz genug und gewaschen sind, ob die Schüler ein sauberes Taschentuch einstecken haben und die Hände sauber sind. Obligatorisch ist ein Morgenlied, montags und freitags wird die Fahne gehisst.

"Die Kinder haben meist schon einen strammen Weg hinter sich", berichtet Aust. Auch der Schulweg der beiden Gastlehrerinnen aus Marktleugast und Münchberg ist nicht ohne: drei Kilometer zu Fuß, ein Spaziergang von 30 bis 40 Minuten. "Aber wir fühlten uns dort sicherer" bekennt Stefanie Huber.

Sie lebten während der vier Wochen in einfachsten Verhältnissen. Es gab zwar Strom, aber keinen Kühlschrank. Die Dusche sei ein löcheriger Eimer gewesen, aus dem braunes Wasser lief. Die Klospülung funktionierte selten. Wasser wurde gefiltert und abgekocht.

Unterrichtsbeginn war um 8.20 Uhr, nach zwei Schulstunden zu je 35 Minuten war jeweils eine Pause, gegen 16 Uhr war Schulschluss. Pausenbrot hatten die wenigsten der 650 Kinder dabei, ebenso fehlte ihnen Trinkwasser. Laut der Lehrer haben die meisten Schüler aber am Morgen zu Hause ein Frühstück erhalten.

Die Ausstattung der Klassenzimmer war dürftig, bei den Lehrmitteln sah es nicht besser aus. Auf dem Sportgelände, ein besserer Acker, standen zwei Eisentore, es gab drei lädierte Fußbälle und einen nicht viel besseren Basketball. Die Freude war groß, als die beiden Deutschen von einem Besuch in der Hauptstadt Nairobi einen bunten Fußball mitbrachten. "Die Schüler sind fast durchgedreht", erinnert sich Miriam Aust.

Der "Red Hand Day"

Für Miriam und Stefanie war meist schon zwei Stunden früher Feierabend. Sie mussten noch zum Einkaufen in einen kleinen Supermarkt und wollten spätestens um 17 Uhr zu Hause sein, denn um 18 Uhr ist es in der Nähe der Äquatorlinie schon stockdunkel. Sie kochten nur mit frischen Zutaten, meist einheimische Gerichte - etwa Ugali, ein Brei aus Mais, Hirse oder Maniok, was auch recht günstig kam.

Ein ganz besonderer Tag war der 12. Februar, der "Red Hand Day", der internationale Aktionstag gegen Kindersoldaten. Die Kinder bekamen jedes ein weißes Blatt Papier, schrieben ihren Namen drauf und machten darunter einen Abdruck ihrer rot angemalten Hand. Die 650 Handabdrücke sollen mit bis zu einer Million anderen den Vereinten Nationen in New York übergeben werden. Ein besonderer Höhepunkt für die Kinder war das anschließende Händewaschen. "Das war ein Feiertag für die Kleinen, weil sie ihre Hände mit Seife waschen konnten", erinnert sich Stefanie Huber.

Während des Aufenthalts konnten beide im Übrigen auch eine Klassenpartnerschaft zwischen der 7. Klasse in Timau mit einer 7. Klasse einer Bayreuther Realschule vermitteln.

An den Wochenenden haben sie sich das Land angesehen. Auf der Safari zum Lake Nakuru bewunderten sie Tausende Flamingos und selten gewordene Spitz- und Breitmaulnashörner. In der Hauptstadt Nairobi besuchten sie das Elefantenwaisenhaus. "Die Zeit in Kenia war eine wertvolle Erfahrung", sagen sie beide. Irgendwann wollen sie wieder "Kwa heri" sagen - auf Wiedersehen in Kenia.

    
    

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