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Fast echte Schüsse und Flammen

„Hoher Franke II“ | Bei der Übung in der Radarstation auf dem Döbraberg geht es um einen Terror-Anschlag mit vielen Verletzten. Soldaten, Reservisten und Hilfsdienste sind dabei.
Von Michael Spindler
  • fpnai_am_Doebra1_131009 Die Bergwacht Schwarzenbach am Wald musste die Schwerverletzten im Turm aus etwa 25 Metern Höhe abseilen, weil eine Bergung über das Treppenhaus nicht möglich war. Weitere Bilder unter www.frankenpost.de. Foto: Spindler
     
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Döbra - Das Szenario der Übung "Hoher Franke II" ging von der Situation der Bundeswehr aus: Durch die Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes und die Intensivierung der Bündnisverpflichtungen habe sich die Gefährdung vor allem für die Verbände der Luftverteidigung und der Luftraumüberwachung erhöht. Angenommen wurde, dass Geheimdienste bei einer Fahrzeugkontrolle Papiere, Karten und Koordinaten der Stellung am Döbraberg finden - ein Angriff von Terroristen ist zu befürchten.

Dieses frei erfundene Angriffsszenario traf am Feitagabend beim abgesetzten technischen Zug 132 am Döbraberg ein; die Objektschutzübung "Hoher Franke II" begann. Die Soldaten hatten es mit harmlosen, Flugblätter verteilenden Friedensaktivisten zu tun, aber auch mit Feuergefechten im Wald: In der Nacht zum Samstag wurde bei Pillmersreuth ein Munitionstransport beschossen, die Besatzungen wurden versprengt, einige Männer verletzt. Am frühen Samstagmorgen wurde die Stellung selbst angegriffen - ein Fahrzeug durchbrach den Checkpoint und explodierte, wobei viele Soldaten verletzt wurden. Jetzt wurden die zivilen Hilfsorganisationen, das THW Naila, das BRK Naila, die Bergwacht Schwarzenbach am Wald und die freiwilligen Feuerwehren Schwarzenbach am Wald und Döbra alarmiert, weil die Soldaten auf Hilfe angewiesen waren.

Laute Explosionen

Zu einem Informationsgespräch am Samstag gegen 14 Uhr begrüßte der Zugführer, Hauptmann Steffen Heinrich, neben den Vertretern der Reservistenverbände auch die Bürgermeister der umliegenden Städte, Dieter Frank, Frank Stumpf und Klaus Adelt, den Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Friedrich, den Nailaer Polizeichef Klaus Bernhardt sowie den Standortältesten, Oberst Norbert Reinicke. Heinrich gab den Zivilisten zunächst einen Überblick über die Technik und die Aufgaben der Radarstellung. Neben den zahlreichen Soldaten waren 57 Reservisten und an die 55 zivile Retter von den Hilfsorganisationen im Einsatz. Im Gespräch wollte Oberstleutnant Harald Zeng gerade die Bedeutung der Reservisten für die Truppe erläutern, als plötzlich peitschende Schüsse und Explosionen zu hören waren: Der Höhepunkt der Übung nahte. Terroristen griffen den Radarturm mit Panzerfäusten an. Im Inneren des Turmes und auf den umliegenden Gebäuden gab es viele Schwerverletzte, das Treppenhaus im Turm war total verqualmt.

Alles stürmte hinaus zum Anschlagsort. Die Flammen loderten, der Turm war in Qualm gehüllt, Soldaten schlugen mit Salven aus ihren Maschinengewehren die Angreifer in die Flucht beziehungsweise schalteten sie aus. Überall lagen Verletzte, die vor Schmerzen schrien. Nachdem die Feuerwehr Schwarzenbach am Wald das Feuer gelöscht hatte, machten sich die Retter auf den Weg in den verqualmten Turm, aus dem die ersten Verletzten herausgetragen wurden - teils auf Biertischen, weil die Tragen knapp wurden.

Während das THW Naila die Verletzten von den umliegenden Dächern barg, musste im Inneren des Turmes die Bergwacht Verletzte von der ersten Etage des Turmes aus rund 25 Metern Höhe abzuseilen, weil ein Transport durch das Treppenhaus nicht möglich war. Die Verletzten mussten dazu erst durch eine Luke im Boden bugsiert werden. Nachdem alle Verletzten geborgen, der Radarturm gesichert und wieder in der Hand von Hauptmann Heinrich war, konnte er sogar wieder in Betrieb gehen.

Den Soldaten konnte man die Anstrengungen der vergangenen 24 Stunden aus dem Gesicht ablesen. Anspannung und Anstrengung hinterließen ihre Spuren. Hauptmann Heinrich zog ein positives Resumee zu der perfekt abgelaufenen Übung "Hoher Franke II": "Wir haben unser Ziel erreicht, die praxisnahe gemeinsame Ausbildung unserer aktiven Soldaten und der Reservisten." Das Potential der Reserve solle konsequent zur Ergänzung der aktiven Truppe genutzt werden. Die Unterstützung durch die zivilen Hilfsorganisationen könne so "quasi am lebenden Objekt" geübt werden. Nicht zuletzt diene die Übung der Öffentlichkeitsarbeit; wichtig sei auch die Kameradschaft.

Die zivilen Beobachter kamen ob der Professionalität aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Hier geht's zu den Bildern:

    
    

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