zuletzt bearbeitet: 27.08.2007 02:01 Uhr
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Ballonflucht war Himmelfahrtskommando
„Mit dem Wind nach Westen“ heißt der amerikanische Spielfilm, der die spektakuläre Flucht zweier Familien aus Pößneck mit einem selbst gebauten Heißluftballon über die DDR-Grenze nach Naila dokumentiert. Diese Flucht ist noch immer ein Dauerthema in Ballonfahrer-Kreisen.
BAD STEBEN / NAILA - „Diesen Flucht-Ballon im Museum in Naila wollte ich mir unbedingt einmal anschauen“, sagte Annemieke Fonteyn aus der Gegend von Amsterdam, die als Ballonpilotin am Wochenende zu Gast in Bad Steben war. Den Samstagnachmittag hatte die Holländerin dazu genutzt, das legendäre „Flucht-Fahrzeug“ in Augenschein zu nehmen.
Wie alle erfahrenen Piloten ist auch Fonteyn der Meinung, dass die beiden DDR-Familien riesiges Glück hatten, mit dem selbst gebauten Ballon unversehrt in den Westen zu gelangen. Die Holländerin hatte sich in Naila einen ganzen Stapel Werbe-Flyer für das Museum mitgenommen und verteilte diese in Bad Steben an die anderen Teams, mit dem Rat, sich das selbst einmal anzuschauen.
Rückblick: Am 16. September 1979 glückte den Familien Strelzyk und Wetzel – im zweiten Versuch – die Flucht aus der DDR. Bei dieser legendären, 22 Kilometer langen Ballonfahrt von Pößneck nach Naila überquerten sie die DDR-Grenze in zweieinhalbtausend Meter Höhe. Nach 28 Minuten landeten sie auf einem Feld in der Nähe von Naila.
„Am Jahrestag dieser Ballonflucht, genau 20 Jahre später, bin ich selbst einmal in Pößneck gestartet und mit meinem Ballon in der Nähe des ehemaligen Todesstreifens gelandet“, erzählt Fonteyn, die als Stewardess bei der Lufthansa arbeitet.
Ihre Team-Kollegin Michaela Neus aus Mommenheim, die fast jedes Jahr am Bad Stebener Ballonfestival teilnimmt, kommentiert die berühmte Flucht mit drastischen Worten. „Das war ein absolutes Himmelfahrtskommando“, betont Neus, die seit zehn Jahren ihren Pilotenschein hat. „Damit würde ich nie im Leben starten wollen, so verzweifelt kann man doch gar nicht sein“, sagt sie. „Das ist wirkliche eine irre Geschichte, weil das Ganze vom normalen Ballonfahren so weit entfernt ist“, fügt sie hinzu. Heutige Ballons seien „High-Tech“-Geräte. Mit Kopfschütteln denkt sie daran, dass die Reling über der Metallplatte der Pößnecker nur mit Wäscheleinen gesichert war.
Dass es die beiden Familien überhaupt geschafft haben, hält sie für Riesen-Glück. „Die hatten überhaupt keine Ausbildung im Ballonfahren. Außerdem war es nachts, wie leicht hätten die an eine Hochspannungsleitung geraten können“, gibt sie zu bedenken. „Die haben bei dieser Nacht- und Nebelaktion ihr aller Leben aufs Spiel gesetzt“, urteilt die erfahrene Ballon-Pilotin. W. R.
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