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Von Schafhof nach Mallorca - als Saisonarbeiter

Acht Monate im Jahr arbeitet Uwe Zapf aus Schafhof als Koch dort, wo andere Urlaub machen
  • fpnai_koch Ein seltenes Bild: Am heimischen Herd schwingt Uwe Zapf den Kochlöffel nur selten, denn den Großteil des Jahres verbringt der Koch auf Mallorca, um Geld zu verdienen. Ehefrau Jutta und Sohn Moritz sind jedesmal froh, wenn der Ehemann und Papa wieder zu Hause ist. Foto: Künzel
     
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SchafhofEigentlich sind die Zapfs aus Schafhof eine ganz normale Familie – doch nur eigentlich. Denn es gibt eine Besonderheit: Acht Monate am Stück ist Vater und Ehemann Uwe Zapf nicht zu Hause. Er arbeitet dort, wo andere Urlaub machen – auf der Lieblingsinsel der Deutschen, auf Mallorca. Der 43-Jährige ist Koch. Und er ist Saisonarbeiter. Wenn er zur Arbeit geht, steigt er nicht ins Auto, sondern in den Flieger. Dann trennen ihn knapp 2000 Kilometer und das Mittelmeer von Ehefrau Jutta und dem siebenjährigen Sohn Moritz. Seine 19-jährige Tochter arbeitet auf der Insel Norderney.

Die Familie fehlt

„Es ist einfach schwierig, hier in der Gegend als Koch Arbeit zu finden. Deswegen muss ich die Saisonarbeit eben in Kauf nehmen“, erklärt Uwe Zapf seinen recht ungewöhnlichen Job. Seine Arbeitszeit dauert von Mitte März bis Mitte/Ende November. Schon zum dritten Mal hat Familie Zapf diese Trennung voneinander auf sich genommen, auch wenn es schwierig ist, vor allem für Moritz. „Natürlich vermisst man die Familie, aber wir telefonieren jeden zweiten Tag“, sagt der Koch. Ehefrau Jutta ist dann Mutter und Vater in einem und auch für Aufgaben im Haus verantwortlich, die eigentlich eher „Männersache“ sind. Braucht sie Hilfe, springen gerne Freunde und Verwandte ein. Und kommt der Papa dann nach Hause, ist die Freude vor allem bei Moritz ungebremst. Gemeinsame Unternehmungen, wie der Besuch in einem Hallenbad, stehen ganz oben auf der Liste, die zuerst erledigt werden. Hinter dem Herd steht Uwe Zapf dann übrigens eher selten: „Ich genieße schon gerne die Hausmannskost meiner Frau. Vor allem ihr Gulasch.“

Auf die Möglichkeit der Saisonarbeit im Ausland stieß Zapf 2005 über ein Internetportal. Gezögert hat er damals nicht lange, das Angebot, als Koch an der Costa Brava in Spanien Geld zu verdienen, anzunehmen. 300 Betten zählte das Hotel, in dem er den Kochlöffel schwang. Die beiden darauf folgenden Jahre verschlug es den Koch dann auf die Sonneninsel Mallorca, „durch Beziehungen“, wie er sagt. Ohne die funktioniere es nämlich selbst auf dem Gebiet der Saisonarbeit nur noch schwierig. 2006 war er in Paguera, 2007 an der Costa de la Calma. Untergekommen ist er jedes Mal in einer Wohnung direkt vor Ort. Die Kosten dafür trug er selbst.

„Das Fischlokal, in dem ich 2006 gearbeitet habe, lag direkt am Strand. Das war schon toll“, erzählt er begeistert. Doch letztendlich blieb es lediglich beim schönen An- und Ausblick. 2006 war er kein einziges Mal im Meer baden, letztes Jahr zumindest ein Mal. „Man hat keine Zeit dazu. Ich bin schließlich zum Arbeiten dort und nicht um Urlaub zu machen“.

Fisch ist sein Steckenpferd

Dies würden viele verwechseln. Die erste Schicht des Tages beginne um 10 Uhr und ende um 15 Uhr, die zweite gehe von 18 bis etwa 23 Uhr. Bleibt wirklich keine Zeit, zwischendurch Insel und Wetter zu genießen? Uwe Zapf erklärt: „Jeder Urlauber kennt das doch selbst. Wenn man sich in die Sonne legt, ist man danach platt. Warum sollte es mir anders gehen? Ich kann mich nicht erschöpft in die Küche stellen und arbeiten.“

Der Klimaumschwung sei es daher, der Zapf am meisten zu schaffen mache, wenn er zurück nach Deutschland kommt. „Früher hat mir die Kälte nichts ausgemacht. Heute sind bereits zehn bis 15 Grad kalt für mich.“ Schließlich sei es auf Mallorca von Mai bis September durchgehend 30 Grad warm. Die typische Siesta komme demnach nicht von ungefähr. Alles passe sich ans Klima an – auch die Uhren. „Die ticken in Spanien anders als in Deutschland“, erzählt der Koch. So essen die Spanier am Abend viel später, wenn es nicht mehr so warm ist und außerdem nehmen sie leichtere Speisen als die Deutschen zu sich. „Man isst dort viel Fisch. Schließlich bekommt man den frisch aus dem Meer.“ Die Zubereitung von Fisch bezeichnet Uwe Zapf auch als sein persönliches Steckenpferd. Das sei schon immer so gewesen, auch als er noch in Deutschland gearbeitet hat. Den besten Stockfisch, den Bacalau, gebe es übrigens in Spanien. „Die schönsten Stücke werden aus Norwegen an Portugal, Spanien und Italien geliefert. Das sind die größten Abnehmer.“

Im vergangenen Jahr, als er an der Costa de la Calma arbeitete, kochte Uwe Zapf vorwiegend deutsche Küche, auch Rouladen. „Da war ich in einem deutschen Restaurant mit Bäckerei beschäftigt. Diese Region Mallorcas ist eine Villengegend. Da sitzt das Geld. Dort leben sehr viele Deutsche, die nicht auf die gewohnte deutsche Küche verzichten wollen.“

Wo es dieses Jahr hingeht, weiß Uwe Zapf noch nicht genau. Ihm liegt wieder ein Angebot für Mallorca vor, aber auch eines für Chile und Thailand. Ein wenig Zeit bleibt ihm aber noch; bis Ende Februar muss er sich entscheiden. „Mallorca ist zwar wunderschön, hat aber auch seine Schattenseiten und viele Probleme. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, sollte ich irgendwann eine Festanstellung bekommen, für immer mit der Familie dorthin zu gehen. Doch dafür müsste alles zusammenpassen.“

Alles ist irgendwann möglich

Blauäugige Traumtänzer, die kurzerhand ihren Job kündigen und unüberlegt auswandern, versteht Uwe Zapf absolut nicht: „So einfach, wie es oft im Fernsehen dargestellt wird, ist es nicht. Es kommen genug, die arbeiten wollen.“ Einen ganz persönlichen Lieblingsfleck für seine Familie hat Uwe Zapf nach zwei Jahren Mallorca-Erfahrung schon ausgekundschaftet: Galilea. „Das wäre toll. Galilea liegt im Inland in den Bergen, weit weg von den Touristen. Die will man nämlich nicht auch noch privat sehen, wenn man sowieso den ganzen Tag mit ihnen zu tun hat.“ Kristina Künzel

    
    

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