zuletzt bearbeitet: 01.02.2010 03:47 Uhr
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Ein gerechter Krieg ?
Den Tag, an dem die Alliierten in Afghanistan das Licht ausknipsen, wird es nicht geben.
In Deutschland zweifeln, den neuesten Umfragen zufolge, 76 Prozent der Bevölkerung am Erfolg der alliierten Truppen in Afghanistan. Und in den anderen Ländern Europas dürfte es nicht anders sein. Vielleicht ist das der Grund, dass bei der Suche nach einem neuen strategischen Konzept des Westens am Hindukusch am Wochenende in London die Täuschung des Wählers eine wichtige Rolle spielte. Wer sich mit Abzugsplänen beschäftigt und dabei eine Zeitschiene aufbaut, belügt sich selbst - und die Bevölkerung. Das ist der falsche Weg.
Ganz ohne Zweifel kann man sich darüber streiten, ob der Satz des früheren Bundesverteidigungsministers Struck, am Hindukusch werde unsere Freiheit verteidigt, richtig ist. Doch Strucks Nach-Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg weist unmissverständlich darauf hin, dass die zentralasiatische Region von höchster sicherheitspolitischer Bedeutung sei. Afghanistan ist von Atommächten umgeben und muss deshalb, falls die Welt einigermaßen ruhig schlafen will, befriedet werden. Doch auch die globalisierte Energieversorgung spielt in Sachen Afghanistan-Engagement eine Rolle. Und dann die Frage: Können wir, dürfen wir zusehen, wenn Frauen zutiefst gedemütigt und Kinder vorsätzlich von Bildung fern gehalten werden?
Insofern muss jeder wohl mit sich selbst ausmachen, ob dieser Krieg gerecht ist, ob man Krieg überhaupt als ultima ratio gelten lassen kann. Nicht erlaubt ist es hingegen, so zu tun, als könne dieser Einsatz der freien Welt gegen fanatisierte Taliban erstens militärisch gewonnen und zweitens sauber terminiert beendet werden. Der fränkische Baron auf dem Feuerstuhl des bundesdeutschen Kabinetts spricht da Klartext. Den Tag, an dem die internationale Allianz dort einfach das Licht ausknipse, werde es nicht geben. Nachsorge, militärische wie zivile, werde notwendig sein.
Die Außenminister in London sehen das vermutlich genauso, ziehen aber den Schleier der Täuschung über die Wirklichkeit. Keiner kann sagen, wann es gelungen sein wird, die Strukturen des afghanischen Staates so zu festigen, dass die Regierung allein mit dem Taliban-Problem fertig werden kann. Deswegen: Weder 2011 noch 2014 ist für die Bundeswehr ein realistisches Datum.
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