zuletzt bearbeitet: 04.03.2010 03:45 Uhr
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Harte Arbeit
Gute Politik heißt in diesen Zeiten, an
vielen kleinen Rädchen zu drehen.
Die Grätsche, der Befreiungsschlag, der weite Ball nach vorne - so hat Deutschland früher gerne Fußball gespielt, als noch Platz auf dem Rasen war. Der Fußball hat sich von diesen schlichten Mitteln schon längst verabschiedet. Zu schnell und zu kompliziert ist das Spiel geworden. In der Politik freilich, die sicher nicht weniger kompliziert als Fußball ist, wird noch immer so getan, als stünde nach wie vor ein Günther Netzer auf dem Platz, der nur mal eben den entscheidenden, tödlichen Pass zu spielen bräuchte.
Heute ist der Ruf nach Reformen in der Politik zum alltäglichen Geschäft geworden. Reformen, die natürlich "aus einem Guss" zu sein haben. Nur so sei ein politischer "Befreiungsschlag" möglich, heißt es dann. Oft wird in solchen Zusammenhängen auch ein "Machtwort der Kanzlerin" verlangt. Die Tatsache, dass Angela Merkel solchen Forderungen bis heute nicht nachgekommen ist, deutet allerdings darauf hin, dass sie gar nicht über eine ausreichende Menge an Macht für ein solches Machtwort verfügt. Und dass sie - im Unterschied zu vielen anderen - das genau weiß.
Dies ist nicht mehr das Deutschland der siebziger Jahre. Unser Staat ist mittlerweile reguliert und verrechtlicht bis ins letzte Detail. Der weite Ball nach vorne würde heute nach wenigen Metern hängenbleiben im feinen Geflecht von Vorschriften und wechselseitigen Abhängigkeiten. Für den großen Wurf hat die Politik nicht einmal mehr genügend Platz zum Ausholen. Das Gute daran ist: Den deutschen Staatstanker wirft nichts mehr so leicht aus der Bahn. Er lässt sich allerdings auch kaum noch steuern.
Gute Politik heißt in diesen Zeiten, an vielen kleinen Rädchen zu drehen. Nachzujustieren, wenn die Dinge falsch laufen. Das ist harte Arbeit. Dazu braucht es Sachverstand. Dieses Land hat genug Sozialpopulisten, die dem Volk nach dem Munde reden. Was zunehmend fehlt, sind Politiker, die wirklich etwas bewegen und nicht nur ins Fernsehen wollen. Die Sachkenntnis haben und sich nicht zu fein sind fürs Klein-Klein. Visionäre Reden sollte man dem Bundespräsidenten überlassen. Für alle anderen gilt der Satz von Altkanzler Schmidt: "Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen."
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