zuletzt bearbeitet: 07.03.2010 19:38 Uhr
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Es bleibt viel zu tun
Die Gesellschaft muss endlich die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau verankern.
Jedes Jahr der gleiche Reflex: Geht es um den Weltfrauentag am 8. März, ist eine weibliche Sicht auf die Dinge gefragt. Als könnten nur Frauen analysieren, was nötig ist, um die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft zu einer gelebten Selbstverständlichkeit zu machen - Lösungsansätze für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf inklusive. Männer ziehen sich aus dieser Diskussion zurück.
Männer kennen Frauen, haben Frauen. Männer haben Kinder, haben Töchter. Doch zum Weltfrauentag schweigen sie. So wie diese Woche bei der Debatte über Gleichstellung im Bundestag. Philipp Mißfelder, der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, ergreift als einziger Mann das Wort. Die Familienministerin prangert familienfeindliche Strukturen in der Berufswelt an, Christel Humme von der SPD spricht sich ausdrücklich für eine Quote von 40 Prozent in Aufsichtsräten aus. Die Liberale Nicole Bracht-Bendt fordert von den Frauen, selbstbewusster für ihre Rechte einzutreten. Und die Grüne Ekin Deligöz erinnert an alte Forderungen ihrer Partei: Sie will ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft und die Einführung eines Mindestlohns, von dem insbesondere Frauen profitieren würden.
Mißfelder blickt nach Afghanistan und Simbabwe. In diesen Krisenregionen - wie in den meisten Ländern der Welt - sind die Rechtslage, die Lebens-, Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Frauen miserabel. Doch bloße Betroffenheit ändert an den traurigen Tatsachen nichts. Vielmehr lenkt der in die Ferne schweifende Blick von der Notwendigkeit ab, die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau im eigenen Land in allen Bereichen der Gesellschaft zu verankern, und sei es durch zusätzliche Gesetze und Quotenregelungen.
Rückendeckung gibt es von der EU. Die Kommission will berufstätigen Frauen zu gleichem Lohn wie Männern verhelfen. Notfalls sollen Unternehmen mit Strafgeld dazu gezwungen werden. Dass Deutschland zu den Ländern mit dem größten geschlechtsspezifischen Unterschied bei der Bezahlung gehört (Frauen verdienen 18 Prozent weniger als Männer), zeigt, wie es um die Gleichstellung steht. Rechtens ist vieles immer noch nicht. Es bleibt viel zu tun. Für alle.
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