zuletzt bearbeitet: 08.03.2010 20:04 Uhr
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Neue Ära steht bevor
Wenn der letzte ausländische Soldat aus
dem Land ist, zeigt sich der Erfolg der Politik.
Die Iraker haben ein neues Parlament gewählt - und zwar schon zum zweiten Mal nach Ende der Saddam-Ära. Sie waren aufgerufen, aus 6218 Kandidaten - darunter immerhin 1800 Frauen - 325 Abgeordnete auszuwählen. Ein Kraftakt für die Demokratie ist gemeistert, die Iraker haben ein hohes Maß an demokratischer Reife bewiesen.
Gewiss, von stabilen Verhältnissen kann keine Rede sein, aber immerhin, es geht voran. Ein Land, das als hoffnungsloser Fall der Weltgeschichte galt, rappelt sich auf. Die Extremisten mögen noch so viele Attentate verüben, richtig erschüttern können sie die Stabilität des Irak nicht mehr. Für die meisten Iraker standen im Wahlkampf Fragen des täglichen Lebens im Vordergrund.
Anders als bei den Parlamentswahlen vor fünf Jahren, als es fast zu einem Bürgerkrieg zwischen den Religionsgruppen gekommen wäre, lassen sich die Iraker heute nicht mehr mit religiösen Reden abspeisen. Kein Wunder: Die Politiker, die das letzte Mal aufgrund konfessioneller Ansprüche gewählt worden waren, haben sich in ihrer Mehrzahl als korrupt und unfähig erwiesen. Und auch Teile der Geistlichkeit zeigen politisches Verantwortungsbewusstsein. Großajatollah Ali al-Sistani antwortete vor kurzem auf die Frage, was er als wichtiger empfindet - die schiitische Einheit oder den Schutz der irakischen Demokratie: "Definitiv das Zweite."
Nuri al-Maliki, der Premier, hat es geschafft, eine ganze Legislaturperiode an der Macht zu bleiben, er hat den von Krieg und Terror zerrissenen Irak in den letzten Jahren relativ geräuschlos auf Kurs gebracht. Es ist mit sein Verdienst, dass er nicht, wie von vielen befürchtet, zerfallen ist. "Wir alle sind Brüder, Sunniten und Schiiten" - unter diesem Motto stand al-Malikis Wahlkampf, und damit hat er bei vielen Landsleuten, die der religiösen Hetzereien müde geworden sind, Rückhalt gefunden.
Eine neue Ära steht bevor. US-Präsident Barack Obama wird die US-Truppen zurückholen, und hat der letzte ausländische Soldat den Irak verlassen, wird die Verantwortung für die Sicherheit ganz in den Händen der Zentralregierung liegen. Erst dann wird sich erweisen, ob das Land ein Unruheherd bleibt oder zu einem Faktor mit Außenwirkung.
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