zuletzt bearbeitet: 09.03.2010 19:36 Uhr
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Feigheit und Ignoranz
Der Euro ist trotz der Turbulenzen immer
noch ziemlich stabil, Panik nicht angebracht.
Politiker und vor allem linke Ökonomen haben empört darauf reagiert, dass Spekulanten zuletzt auf eine Pleite Griechenlands, einen fallenden Euro oder ein schwächelndes britisches Pfund wetteten. Moralisch ist ein solches Verhalten verwerflich angesichts der massiven Anstrengungen der Regierungen, das Finanzsystem zu retten. Das einzige Gute an solchen Spekulationen ist, dass sie auch Systemfehler und Versäumnisse der Vergangenheit aufzeigen.
In den Fällen Griechenland und Euro muss sich die Politik vorwerfen lassen, aus Feigheit und grober Fahrlässigkeit alle ökonomischen Gesetze ignoriert zu haben, die für eine gelungene Währungsgemeinschaft notwendig sind: Defizitgrenzen? Nur was für Erbsenzähler. Leistungsstarke und einigermaßen homogene Volkswirtschaften? Wird schon werden. Abgestimmte Wirtschaftspolitik? Nichts da, jeder macht seinen eigenen Kram. Sanktionen für Staaten, die dauerhaft gegen den Stabilitätspakt verstoßen? Aber bitte, wir wollen doch niemanden verschrecken! Ein Währungsfonds für die Euro-Zone wäre der nächste große Fehler.
Der Euro ist trotz der Turbulenzen immer noch ziemlich stabil. Panik ist also vorerst nicht angebracht. Und Griechenland hat etwas Zeit gewonnen, indem die Regierung ein milliardenschweres Anleihenpaket erfolgreich am Markt platzieren konnte. Wenn die Taxifahrer aber schon gegen eine allgemeine Quittungspflicht protestieren, dann darf man davon ausgehen, dass das Land seine größten Probleme noch vor sich hat.
Einige angesehene Ökonomen schlagen vor, dass Griechenland und andere schwache Staaten die Euro-Zone verlassen sollen. Das klingt ökonomisch vernünftig und konsequent, weil anderen potenziellen Sündern dadurch klar würde, dass sie nicht beliebig schludern können. Zudem hätten die ausgetretenen Länder die Chance, durch eine Abwertung ihrer Währungen wieder auf die Beine zu kommen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass es so kommen wird, weil eine derartige Lösung politisch nicht gewollt ist. Die Bundesbank wusste das offensichtlich schon 1990 und schrieb in einer Stellungnahme zur Wirtschafts- und Währungsunion: "Die teilnehmenden Volkswirtschaften werden so auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden."
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