zuletzt bearbeitet: 10.03.2010 20:24 Uhr
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Aller Ehren wert
Selbst wenn sämtliche Arbeitslosen arbeiten wollten, gibt es nicht genügend bezahlte Jobs.
Die Hartz-IV-Diskussion sorgt für Emotionen: Zuerst hatte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) eine "Arbeitspflicht" für Langzeitsarbeitslose vorgeschlagen - und erntete Wellen der Empörung. Danach versammelte Guido Westerwelle Hohn und Spott auf seinem Haupt. Er hatte gefordert, Hartz-IV-Empfänger sollten Schnee schippen. Und jetzt kommt Hannelore Kraft, SPD-Spitzenkandidatin in Nordrhein-Westfalen, und will nicht Langzeitarbeitslose "einem gemeinwohlorientierten Arbeitsmarkt" zuführen. Im Unterschied zu Westerwelle und Koch setzt sie dabei allerdings auf Freiwilligkeit: Kraft geht davon aus, dass die "ganz große Mehrheit der Hartz-IV-Empfänger arbeiten will".
Das Echo auf diesen Vorstoß ließ nicht lange auf sich warten. Als habe Kraft in ein Wespennest gestochen, hagelte es Kritik aus allen Rohren. Ihr Kontrahent Jürgen Rüttgers (CDU) nannte den Vorschlag "zynisch und unausgegoren". Er selbst ist damit den Schlagzeilen um zweifelhaftes Partei-Sponsoring erst mal entronnen. Die Linke drohte mit der Kündigung der Zusammenarbeit. Gewerkschaften und Grüne fürchten sich vor der Verdrängung regulärer Jobs. Das Handwerk sieht Arbeitsplätze in Gefahr. Und die Bundesagentur für Arbeit betont, ein ähnlicher Vorstoß für kommunale Jobs sei bisher weitgehend wirkungslos geblieben.
Sie alle übersehen eine Tatsache: Selbst wenn sämtliche Arbeitslosen arbeiten wollten, gibt es in Deutschland nicht genügend bezahlte Stellen. Ende 2009 registrierte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 942 000 offene Stellen. Denen stehen 3,6 Millionen Arbeitslose gegenüber. Es gibt also Grund genug, ernsthaft Überlegungen anzustellen, wie möglichst viele Menschen ohne Arbeit trotzdem eine Beschäftigung finden können, die sie als sinnvoll erleben. Von daher ist der Vorstoß der SPD aller Ehren wert.
Reflexartiges Einschlagen auf den politischen Gegner und die Pflege von Vorurteilen gegenüber Langzeitarbeitslosen sind bei der Lösung dieser Probleme wenig hilfreich. Denn auch Langzeitarbeitslose entwickeln Eigeninitiative, um einen Job zu finden. Wenn auch oft vergebens. Genau an diesem Punkt ist das gemeinsame Engagement aller gesellschaftlichen und politischen Kräfte gefragt.
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Statistik und Realitätvon unbekannt am 11.03.2010 15:16Zwei Beispiele, für die Beeinflussung der Differenz zwischen realen und statistischen Arbeitslosen. Im Monat Februar befanden sich 1,58 Millionen Personen in einer von Bund oder Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme. Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes im Februar 2010 - Seite 6 Im Februar 2010 befanden sich 288.300 Personen in einer Arbeitsgelegenheit nach § 16d SGB II auch Ein-Euro-Jobs genannt. (Seite 30) Im Februar 2010 waren 3.700 Personen in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beschäftigt. (Seite 28) Wer nun denkt, dass Kraft oder Westerwelle bzw. SPD und FDP diese Tatsachen nicht kennt, irrt! Denn eine "kleine Anfrage" der FDP aus dem Jahr 2008 an die Bundesregierung zeigt das Gegenteil. Bereits damals hat die Bundesregierung für das Jahr 2007 eine Gesamtarbeitslosenzahl von 7 Millionen 34.000 Menschen eingestanden. Quelle: Bundestag – Aktuelle Meldung (hib) vom 26.03.2008 http://www.bundestag.de/presse/hib/2008_03/2008_088/02.html |
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Stellenangebote erster, ungeförderter Arbeitsmarktvon unbekannt am 11.03.2010 15:15Für Gesamtdeutschland hat das IAB ein Stellenangebot für den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt von 764.000 freien Stellen angegeben. Quelle: http://doku.iab.de/grauepap/2010/os0904.pdf Denn die erwähnten 942.000 freien Stellen beinhalten ebenfalls Ein-Euro-Jobs, ABM etc. Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,403459,00.html) und später zu besetzenden Stellen bleiben ca. 480.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt, für über 6,7 Millionen nach „Arbeit“ suchender Menschen! Nach aktuellen Zahlen gab es im Februar 1.358.370 ALG I sowie 4.968.035 erwerbsfähige ALG II Empfänger. Weiterhin 411.00 Nichtleistungsempfänger und 890.000 Kurzarbeiter. Ohne Kurzarbeiter sind somit 6 Millionen 737.405 Menschen auf der Suche nach einer Existenzabsichernden Erwerbstätigkeit. Quelle: http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/interim/index.shtml Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes im Februar 2010 - Seite 19/48 |
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