zuletzt bearbeitet: 18.03.2010 21:18 Uhr
Text
Text
Es braucht eine Reform
Warum nur laufen Eltern nicht Sturm
gegen jene, die ihre Kinder missbrauchen?
Die bayerischen Bischöfe haben die Zeichen erkannt. Sie wollen einen Reinigungsprozess einleiten, der am Ende möglicherweise das Problem des Missbrauchs von Kindern durch katholische Geistliche in den Griff bekommt. Es geht um Wahrheit, um Aufklärung und Offenheit. Es geht nicht darum, ein Gebet für Vergebung zu sprechen und den Opfern eine Kerze zu stiften, so wie sie es taten in Vierzehnheiligen.
Und sie bewegt sich doch, so möchte man ausrufen. Der Skandal um Priester, die sich an Kindern vergreifen - sexuell und gewalttätig - beutelt und zerreißt die Kirche. Während die Welt darauf wartet, dass der Papst eindeutig Stellung bezieht, handeln die bayerischen Bischöfe. Sie werden künftig eng mit der Staatsanwaltschaft als Strafverfolgungsbehörde zusammenarbeiten. Sie werden den Verdacht auf Missbrauch melden und den Täter der weltlichen Justiz überantworten. Sie werden sich um die Opfer kümmern und nicht länger wegschauen. So kündigen sie es an, und die Menschen werden genau darauf achten, ob es wieder nur leere Worte sind.
In der Vergangenheit war zu oft das Wort wichtiger als die Tat. Die Teppiche in den Klöstern und Kirchen waren groß, um all den Dreck zu verbergen, den Bischöfe und Priester allenthalben darunter kehrten - und es bis heute tun. Noch größer aber als die Schuld der Geistlichen ist offenbar die Geduld oder das Wegschauen der Gläubigen. Wie nur kann es sein, dass Eltern nicht Sturm laufen gegen all jene, die ihre Kinder missbrauchen? Warum nur wird den Tätern mehr Glauben geschenkt als den Opfern? Schon lange könnte dieser Schweinestall ausgemistet sein, der sich unter dem Schutz der kirchlichen Obrigkeit gedieh.
Mit Scham und Betroffenheit haben die Bischöfe reagiert, sagen sie. Nun, man will es ihnen glauben. Auch, dass ihre Ankündigungen aufrichtig sind. Nur eine transparente Kirche kann eine ehrliche Kirche sein. Die Kirche muss ihre Verlogenheit überwinden. Der 2000 Jahre alte Männer-Verein braucht dringend eine Reform, um seine Berechtigung zu erneuern. Die Wahrheit muss endlich siegen. Eine Kerze am Altar für die Opfer und ein Gebet der Vergebung reichen nicht. Das sind Zeichen der Verhöhnung, nicht der Versöhnung.
Diesen Artikel
|
|||||
Die neuesten Kommentare
Ȇbersicht Meinungen
Wen die Hunde beißen
Heute beginnen die 62. Berliner Filmfestspiele. Die Berlinale in der deutschen Hauptstadt ist ein cineastischer Wettbewerb von Weltrang. Für Stars und Sternchen bieten sie Anlass, sich auf dem roten Teppich darzustellen. »mehr
Die Justiz zeigt Zähne...
Die Justiz zeigt Zähne. Endlich! Besonders dreiste Steuerhinterzieher müssen hinter Gitter, hat der Bundesgerichtshof je... »mehr
Auf einer Wellenlänge...
Angela Merkel besucht Nicolas Sarkozy, und ganz Paris träumt von der Liebe. Selten haben Deutschland und Frankreich in S... »mehr
Gefahr erkannt
So also sieht Abschied von gewohnten Sicherheiten und sicher geglaubten Gewohnheiten aus: "Wir haben eine Welt geschaffe... »mehr
Das könnte Sie auch interessieren
Party
Nachrichten
Sport
Gelesen
Kommentiert
Bewertet
Prospekte aus der Region
Magazine
Umfrage














































