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Lügen und Illusionen

  • fpnd_Hoermann_Neu_2sp_300110 Von Walter Hörmann
     
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Konfetti und Fanfaren, Fahnen und Paraden: Nichts von dem, was man erwarten dürfte im so patriotischen wie pathetischen Amerika, begleitet das "Ende des Kampfeinsatzes im Irak". Nüchtern hat US-Präsident Barack Obama in seiner Rede an die Nation das verkündet, zwar nicht als Nebensache, aber doch eingebettet in eine wirtschaftliche und finanzielle Bewertung - ein nahezu unglaublicher Pragmatismus für US-Verhältnisse. Aber Obama trifft damit wieder einmal den Ton: Selber von Beginn an gegen diesen anfangs in den USA euphorisch gefeierten Krieg, kann der Präsident sicher sein, dass die große Mehrheit seiner Mitbürger längst begriffen hat, in welche Falle sie von George W. Bush gelockt worden war - und dass eben kein triumphaler Sieger aus dem Irak abzieht.

Amerika und seine Verbündeten haben einen hohen Preis bezahlt für die Lügen und Illusionen der Bush-Administration. Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen und seine angebliche Verstrickung in den El-Kaida-Terror hatten den Kriegsanlass geliefert, 4418 US-Soldaten, an die 9500 irakische Polizisten und Soldaten und mehr als 112 000 Zivilisten haben ihr Leben gelassen für diese Lügen. Und für die Illusion Washingtons, man könne mit Truppen und Bomben Frieden schaffen, einen demokratischen Rechtsstaat nach westlichem Muster installieren, den Terror wirksam bekämpfen. Nichts davon hat die Allianz unter Bushs Führung erreicht. Gut: Saddam Hussein ist gefangen und hingerichtet worden, einige seiner Schergen ebenso. Von Stabilität indes ist der Irak heute weiter entfernt als im Jahr 2003, als die US-Truppen einmarschierten.

Das Wahlkampfversprechen, das Barack Obama jetzt einlöste, hat eine dunkle Kehrseite: Das Zweistromland ist im Moment ohne Regierung; die Politik in Bagdad verhakt sich in den alten Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten und neuem Streit um Macht, Einfluss und Wiederaufbau-Gelder aus dem Westen. Gewalt und Anschläge bestimmen unverändert das öffentliche Leben im Irak - und der Iran tut alles, um den Nachbarn politisch zu destabilisieren und sich gleichzeitig größtmöglichen wirtschaftlichen Einfluss für die Zeit nach dem Krieg zu sichern. Es mutet widersinnig an - aber Bushs Krieg hat, wenn überhaupt, nur einen Sieger: Teheran. Eine schiitisch-iranische Dominanz im Irak wird vorstellbar. Eine Aussicht mit Schreckenspotenzial.

Die Vorstellung, man könne in Übersee, weit weg also, Krieg führen und bliebe selbst weitestgehend unbehelligt dabei, zerrann auch in den USA rasch. Es sind nicht nur die Särge unter dem Sternenbanner, die den Sinneswandel beförderten: Die mehr als 1000 Milliarden Dollar, die Amerika in den Krieg investierte, hätten - wer sähe das heute nicht? - weitaus sinnvoller ausgegeben werden können. So kann Obamas Ankündigung, die USA wollten sich jetzt vorrangig um den Wiederaufbau der eigenen Wirtschaft kümmern, nicht überraschen. Der Staat ist so heillos überschuldet, seine Wirtschaft durch die Finanzkrise so hart getroffen, dass Amerika im Moment gar nicht die Kraft hätte für weitere militärische Abenteuer.

So bleibt nach siebeneinhalb Jahren Irakkrieg nur die Hoffnung, dass der letzte Politiker die Augen öffnet: Asymmetrische Kriege sind nicht zu gewinnen, ihre strategischen Folgen bleiben unberechenbar, die Kosten gewaltig, der Blutzoll fürchterlich. Diplomatie ist in jeder Hinsicht billiger. Die Demokratien der Welt brauchen andere Instrumente als den Krieg, um Terroristen zu bekämpfen, menschenverachtende Regime zur Vernunft zu bringen, bedrängten, geschändeten und missbrauchten Menschen zu Hilfe zu kommen.



    
    

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