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Christen-Arroganz

Der Alltag des Krieges der Besatzer gegen die Widerstandsgruppen ist bei uns ausgeblendet.
Herbert Wessels zur Opfer-Bilanz im Irak
  • Wessels_Herbert_SW_160305 Männerfreundschaft
     
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Der viertausendste tote US-Soldat seit dem Beginn des Irak-Krieges vor fünf Jahren, das ist den internationalen Medien – auch dieser Zeitung – eine Meldung wert. Wie viele Iraker – Soldaten und Polizisten, vor allem aber Frauen, Kinder und alte Männer – in dieser Zeit getötet worden sind, wird nirgendwo registriert, spielt in der westlichen Betrachtung auch kaum eine Rolle. Irgendwo zwischen 60 000 und 600 000 Todesopfern liegen die Schätzungen. Der Alltag des andauernden Krieges der Besatzer gegen die in der Bevölkerung verankerten militanten Widerstandsgruppen ist bei uns ausgeblendet, einzig die Selbstmordattentate erregen das Interesse der von der US-Armee gesteuerten Berichterstattung.

„Muss man, wenn man über die 5000 von El Kaida ermordeten Westler spricht, nicht auch über die Hunderttausende irakischen Zivilisten sprechen, die durch George W. Bushs völkerrechtswidrige Kriege getötet wurden?“ Der das fragt, ist Topmanager des Medienhauses Burda und einstiger CDU-Bundestagsabgeordneter. Jürgen Todenhöfer legt in seinem Buch „Warum tötest du, Zaid?“ die Hintergründe dafür offen, dass der Widerstand gegen die US-Truppen im Irak nicht enden will. Und er nennt in einem Vorwort einige historische Wahrheiten über die Grausamkeiten christlicher Kolonialpolitik („Millionen arabische Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung ermordet“), die wir gerne vergessen möchten, im Irak (und nicht nur dort) aber in einer Linie zur heutigen Situation erlernt, erlebt und erlitten werden.

Todenhöfers Erkenntnis, dass die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt „unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten“ leidet, ist nicht neu. Und dass es angesichts der Kriegspolitik des Westens „nicht wirklich erstaunlich“ sei, dass muslimische Extremisten immer mehr Zulauf bekommen, haben auch andere Kritiker des Irak-Krieges schon angemerkt. In unser aller Bewusstsein haben sich solche Tatsachen aber noch lange nicht festgesetzt, als Maxime für eine Änderung der politischen Herangehensweise erst recht nicht. Dominierend ist nach wie vor die Arroganz der christlichen Staaten, mit ihrer militärischen Überlegenheit andere Kulturen als geringerwertig abtun zu können. Deshalb sind fremde 400 000 Opfer keine Notiz wert im Vergleich zu den eigenen 4000.

    
    

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