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Politischer Druck statt kurzer Aktion

Geiselnahme | Kurdische Rebellengruppe PKK ändert ihre Taktik und fordert von Berlin andere Politik
Von Thomas Seibert
  • pkk1_sw_110708 Beliebtes Touristenziel in einer kargen Gegend: Der Berg Ararat im äußersten Osten der Türkei. Foto: dpa
     
  • pkk_sw_110708 Politischer Druck statt kurzer Aktion
     
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IstanbulZunächst hatte alles nach einer zeitlich eng begrenzten Aktion ausgesehen. In der Nacht zum Mittwoch tauchten fünf Kämpfer der kurdischen Rebellengruppe PKK im Zeltlager deutscher Bergsteiger auf dem biblischen Berg Ararat im Osten der Türkei auf. Sie suchten sich drei Geiseln unter den 13 Bergtouristen aus und machten sich mit ihnen in der Dunkelheit davon. Vorher sagten sie noch: „In ein paar Tagen lassen wir sie wieder laufen.“

Doch gestern Mittag änderte sich die Lage schlagartig und dramatisch: Nein, die deutschen Geiseln würden so bald nicht freigelassen, erklärte die PKK. Jedenfalls nicht ohne Vorbedingungen.

Bis sich die Bundesregierung nicht dazu verpflichte, ihre „gegen das kurdische Volk und die PKK“ gerichtete Politik aufzugeben, würden die bayerischen Wanderer in Geiselhaft bleiben, drohte die PKK. Vor allem das Verbot ihres Propagandasenders Roj-TV durch die Bundesbehörden Mitte Juni hat die Gruppe aufgebracht.

Es ist reichlich unwahrscheinlich, dass es der PKK gelingen wird, die Regierung in Berlin dazu zu bringen, das Verbot von Roj-TV wieder aufzuheben. Auch dürfte Berlin in Zukunft kaum darauf verzichten, gegen PKK-Schutzgeldeintreiber in Deutschland vorzugehen oder PKK-Mitglieder in die Türkei abzuschieben. Vielleicht weiß das auch die PKK.

Der mediale Effekt

„Das ist normal für solche Situationen, dass man die Bedingungen sehr hoch schraubt“, sagt der Istanbuler Politikwissenschaftler Cengiz Aktar. „Das heißt nicht, dass man erwartet, dass die Gegenseite die Forderungen auch erfüllt.“

Der PKK geht es wohl weniger um die Erfüllung politischer Forderungen als um den medialen Effekt, den die spektakuläre Aktion am Ararat ausgelöst hat. Schon in den 90er Jahren hatte die Gruppe westliche Ausländer in Südostanatolien entführt – allein im Sommer und Herbst 1993 waren es 19 Touristen – und später wieder freigelassen. Damals wie heute ging es der PKK vor allem um die Aufmerksamkeit der westlichen Öffentlichkeiten.

Damit sind aber längst nicht alle offene Fragen im Zusammenhang mit der Entführung beantwortet. Eine davon lautet, warum die PKK-Leute am Ararat eine baldige Freilassung der Geiseln versprachen, die PKK-Führung nur 36 Stunden später genau das aber ausschloss. Möglicherweise liegt die Antwort im inneren Zustand der Kurdenorganisation, die bereits seit langem von Flügelkämpfen erschüttert wird und insbesondere seit der türkischen Militärintervention im Nordirak als geschwächt gilt. Das heißt auch, dass die PKK immer weniger berechenbar wird.

Gesundheitliches Risiko

Welche Fraktion auch immer die deutschen Bergsteiger als Schachfiguren in einer zynischen PR-Aktion missbrauchen will, geht allerdings ein Risiko ein. Einer der Entführten ist 65 Jahre alt – wenn ihm oder den beiden anderen Deutschen in den rauen Bedingungen Ostanatoliens etwas zustoßen sollte, könnte die PKK als Entführer-Gruppe die Verantwortung dafür wohl kaum auf die Türkei oder auf Deutschland abwälzen.

    
    

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