zuletzt bearbeitet: 24.11.2008 03:43 Uhr
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Veralbert
Es ist erstaunlich, dass die Autohersteller
keine Rezepte in der Schublade haben.
Werbung weckt Wünsche. Ach, wenn es doch so wäre, wird mancher Auto-Manager dieser Tage seufzen angesichts der um sich greifenden Absatzkrise. Selten war der Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit so groß: Einen Geländewagen nach dem anderen preist die Industrie hierzulande an, dazu Luxuslimousinen und hochgezüchtete Sportversionen. Ein Auszug gefällig aus der Neuheitenliste im Herbst 2008? Audi Q5, RS6, S4, BMW 7er, Mercedes GLK, Opel Insignia. Da fallen der Golf IV oder der Ford Fiesta schon richtig aus dem Rahmen.
Wundert es wirklich, dass die Verbraucher nicht zugreifen? Sie müssen sich ja veralbert vorkommen, wenn sich die viel gerühmte Innovationskraft der deutschen Leit-Industrie derzeit beschränkt auf schönfärberische Aufkleber wie „Blue Motion“ „Blue Efficiency“ oder „Ecotec“, die aus Serienfahrzeugen Sparautos machen sollen – gegen Aufpreis selbstredend und mit in der Regel eher geringen Vorteilen beim Spritverbrauch. Stimmt schon: Bisher haben alle nach sparsamen Autos gerufen und sich dann doch alle paar Jahre 30, 40 PS mehr gegönnt und noch schönere, noch breitere Felgen. Doch diese Zeiten sind erst einmal vorbei.
Wirklich erstaunlich ist, dass Konzerne, die seit Jahrzehnten wissen, dass die Energiepreise tendenziell nur nach oben gehen können und dass die Klimadebatte mit Wucht über sie hereinbrechen wird, keine Rezepte, keine Pläne und schon gar keine konkreten Fahrzeugideen in der Schublade haben, um auf die akute Krise zu reagieren. Was haben die eigentlich mit den Milliarden gemacht, die sie in Forschung und Entwicklung gesteckt haben?
Vor diesem Hintergrund wirkt es nachgerade peinlich, wie der bayerische Ministerpräsident Seehofer versucht, bei den Klimazielen auf die Bremse zu treten, weil die Autohersteller „größere Spielräume“ bräuchten, um die seit Jahren bekannten EU-Vorgaben umzusetzen. Nein, das Gegenteil ist der Fall: Nicht Verordnungen setzen die Hersteller unter Druck, sondern der Markt. Die große Herausforderung für die Autobauer wie ihre Zulieferer – und damit eine der Schlüsselbranchen Deutschlands – ist es, ökologisch und ökonomisch sinnvolle Mobilitäts-Konzepte anzubieten – und zwar morgen, nicht erst im Jahr 2025.
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