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Marktredwitz - Er könnte jetzt sogar wieder Fußball spielen, macht aber lieber Sitzvolleyball, denn in der Sportart gehört er dem bosnischen Nationalteam an. Das wichtigste indes ist: "Ich kann mit den neuen Prothesen jetzt ganz normal leben. Sie sind super." Elvis Serifovic, der als Neunjähriger auf eine Tellermine getreten ist und beide Unterschenkel verlor, hat eine lange Leidenszeit mit insgesamt acht Operationen hinter sich. Nun wirkt er gelöst und glücklich: Im vergangenen Jahr bekam er in Marktredwitz - ermöglicht durch eine Welle der Hilfsbereitschaft - neue Prothesen (wir berichteten). Seit Freitag ist der 18-jährige Bosnier wieder zurück in Marktredwitz. Denn für die Prothesen ist ein "Kundendienst" im Orthopädiehaus Fischer angesagt. Und Elvis hat vor, im Fichtelgebirge "auf Tour" zu gehen und Danke zu sagen an all jene, die ihm geholfen haben und ihn noch unterstützen.
Nicht nur die Prothesen werden durchgecheckt, auch Elvis selbst war zur Nachuntersuchung im Klinikum Marktredwitz. Die Stümpfe an den Unterschenkeln sähen gut aus, bestätigte ihm Oberarzt Dr. Michael Hoffmann, und der Arzt hatte eine frohe Nachricht: Die Operation vergangenes Jahr im Klinikum Fichtelgebirge war voraussichtlich die letzte. Die Schmerzen, die Elvis jahrelang plagten, sind weg. Seitdem der junge Mann nicht mehr wächst, wachsen auch die Stümpfe nicht mehr und reiben nicht mehr an den Prothesen.
Auch schulisch hat sich einiges getan im Leben von Elvis: Er hat inzwischen in seiner Heimatstadt Tuzla das Abitur gemacht und möchte in Sarajevo Jura studieren. Die Einschreibung läuft. 1000 Bewerber gibt es insgesamt für die 140 Studienplätze. "Wir sind guter Dinge, dass er reinrutscht", sagt Diakon Thomas Vitzthum, der sich während des zweiwöchigen Aufenthalts um Elvis kümmert. Wenn alles klappt und Elvis den Studienplatz bekommt, wird er in einem Zimmer in der Kinderarche wohnen, die die Evangelische Kirchengemeinde Marktredwitz und das Kaufhaus Lucas seit Jahren unterstützen. Als Gegenleistung wird Elvis in dem Hort auch Kinder betreuen. Allerdings: In Bosnien gibt es kein BaföG, und seine Mutter bezieht nur eine kärgliche Rente: Elvis braucht deshalb Geld für Busfahrkarte und Bücher, um studieren zu können. Es ist also wieder Hilfe gefragt: "Das ist eine Spende, die direkt ankommt", sagt Pfarrer Christoph Schmidt, der im Jahr 2005 Elvis und dessen bewegendes Schicksal als spätes Opfer des verheerenden Balkankriegs kennenlernte.
Am heutigen Mittwoch bekommt Elvis seine Prothesen aus dem "Kundendienst" zurück. Dann ist er wieder flexibel. "Er ist buchbar", sagt Diakon Vitzthum: Einladungen zum Bekochen oder zur Freizeitgestaltung werden gerne angenommen.


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