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Ressort Wunsiedel
Erschienen am 28.05.2009 00:00
155 Kilometer Rätsel für die Techniker
Verunreinigung | Zum zweiten Mal seit Oktober sind im Wunsiedler Trinkwasser Keime festgestellt worden. Das Gesundheitsamt betrachtet die Belastung zwar als relativ geringfügig, rät aber noch zum Abkochen.
Von Matthias Bäumler
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Noch muss das Trinkwasser abgekocht werden.
Bild: Archiv

Wunsiedel - Marco Krasser ärgert sich: Erneut ist das Wunsiedler Trinkwasser mit coliformen Keimen verunreinigt und muss vor Gebrauch abgekocht werden. Bereits im Oktober wurde das Wasser über Wochen gechlort, um so die Keime abzutöten. Dabei kann der Geschäftsführer des Wunsiedler Wasserversorgers SWW eigentlich darauf verweisen, den Bürgern bestes Trinkwasser anzubieten. "Allerdings ist es unbefriedigend, wenn aus unseren Trinkwasserbrunnen Wasser der höchsten Qualität sprudelt, aber so nicht zum Verbraucher kommt", sagt Krasser. Das bedeutet, dass die Verunreinigung im 155 Kilometer langen Wasserleitungsnetz entsteht.

Wie die Keime in das Wasser gelangen, ist bisher nicht klar. "Wir sind auf der Suche nach der Ursache, aber das gestaltet sich nicht einfach. Wenn wir eine permanente Verschmutzungsquelle hätten, könnten wir diese leicht lokalisieren. In unserem Fall tritt die Belastung aber unregelmäßig auf und ist in der Regel von kurzer Dauer."

Im Oktober noch vermuteten Experten, die damals in der Region auftretenden Schwarmerdbeben könnten das Leitungsnetz beschädigt haben. Diese Theorie will Krasser nicht ausschließen. "Es ist möglich, dass Leitungen verdrückt oder gebrochen sind." Allerdings könne auch ein kurzzeitiger Druckabfall oder eine unsachgemäß installierte Regenwassernutzungsanlage die Ursache für die Verunreinigung sein. Daher bittet Krasser alle Nutzer von Regenwasseranlagen, diese von einem Experten überprüfen zu lassen.

Dem Gesundheitsamt wurde am Dienstag von einem Labor mitgeteilt, dass eine Tags zuvor entnommene Probe verunreinigt sei. Die Behörde veranlasste deshalb sofort eine Abkochanordnung. "Die besteht zunächst so lange, bis das gesamte Leitungswasser gechlort und damit wieder unbelastet ist. Ich rechne damit, dass wir die Abkochanordnung am Freitag aufheben können", so Markus Philipp, der zuständige Mitarbeiter im Gesundheitsamt.

Da im Wunsiedler Leitungsnetz nun innerhalb von wenigen Monaten zum zweiten Mal Keime festgestellt wurden, soll nun eine Spezialfirma eingesetzt werden, die den Herd der Verkeimung finden soll.

Laut Philipp ist die festgestellte Belastung des Trinkwassers als "geringfügig" einzuschätzen. "Es handelt sich zum Glück nicht um E.coli-, sondern um normale Umwelt- oder Erdbakterien." E.coli-Bakterien sind in Fäkalien, etwa Gülle, vorhanden und können zu Infektionen oder Durchfall führen. Das Wunsiedler Wasser kann jedoch laut Gesundheitsamtsleiter Dr. Johannes Widenmayer ohne vorheriges Abkochen bedenkenlos zum Duschen oder Zähneputzen verwendet werden.

Da die Sicherheitsbestimmungen beim Trinkwasser keine Toleranzgrenzen kennen, greifen die Maßnahmen schon bei der geringsten Verunreinigung. "Was natürlich sinnvoll ist", wie Marco Krasser sagt. Der SWW-Geschäftsführer befürwortet auch die monatlichen Messungen im Leitungsnetz. In kleineren Wasseranlagen hingegen werden nur alle vier Monate Proben gezogen. Bis zum Jahr 2000 gab es nur Messungen in den Brunnenanlagen und nicht im Leitungsnetz, wie es nun Standard ist.

Eben wegen des Aufwandes an den Quellen empfindet Krasser die derzeitige Situation "als nicht befriedigend. Ich habe keine Ruhe, bis die Ursache für die Verunreinigung im Leitungsnetz gefunden ist."

 
 

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