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Ressort Wunsiedel
Erschienen am 30.06.2009 00:00
Ein Rohrbruch mit Folgen
Von Christian Heubeck
Wunsiedel - Vor kurzem, da stellte sich so eine Art Freibad-Gefühl ein, wenn man in Wunsiedel den Wasserhahn aufdrehte: Das, was aus der Leitung kam, roch nach Chlor.

Wunsiedel - Vor kurzem, da stellte sich so eine Art Freibad-Gefühl ein, wenn man in Wunsiedel den Wasserhahn aufdrehte: Das, was aus der Leitung kam, roch nach Chlor. Das desinfizierende Gas wurde dem Trinkwasser beigefügt, weil in ihm erneut koliforme Keime nachgewiesen worden waren - das zweite Mal innerhalb weniger Monate. Inzwischen ist das Wunsiedler Wasser wieder einwandfrei, die Chlorung, die zuletzt noch im Bereich Schönbrunn stattfand, wurde eingestellt.

Was Ursache und Auslöser der Verkeimung waren, das hat Geschäftsführer der SWW Wunsiedel, Marco Krasser (Bild), den Mitgliedern des Wunsiedler Stadtrates erläutert. Das, was der Chef des städtischen Versorgungsunternehmens berichtete, hatte ein wenig Ähnlichkeit mit einem Kriminalfall, bei dem der Täterkreis durch ein Ausschlussverfahren immer enger eingegrenzt wird.

Wie Krasser sagte, wurden die Keime bei einer routinemäßig im Schönbrunner Kindergarten entnommenen Probe festgestellt. Daraufhin hat die SWW Maßnahmen eingeleitet, wie sie ein Alarmplan für diesen Fall vorsieht. Die Wunsiedler mussten das Trinkwasser vor Gebrauch abkochen, das Wasser wurde gechlort. "Des Weiteren wurden an zahlreichen Stellen des Wassernetzes weitere Proben gezogen, um den Grund der Verkeimung herauszufinden und verschiedene Faktoren auszuschließen", sagte Krasser. Die Anzahl der Messstellen war nach einem ähnlichen Vorfall im Oktober 2008 deutlich erhöht worden, um den Herd der Verschmutzung schneller lokalisieren zu können. Das Ergebnis: Sämtliche von der SWW Wunsiedel betriebenen Quellen und Aufbereitungsanlagen waren keimfrei. Damit also schieden die Wassergewinnungsanlagen als Ursache der Verschmutzung aus.

Wie Krasser berichtete, ergaben Laborbefunde außerdem, dass das Trinkwasser in Furthammer bis hinauf in die Schönbrunner Burgstraße bakteriologisch einwandfrei war. Den Mitarbeitern der SWW gelang es, den Verschmutzungsherd auf das südöstliche und östliche Gebiet von Schönbrunn einzugrenzen.

Als Ursache der Verkeimung wurde schließlich ein größerer Rohrbruch in der Straße "An der Linde" in Schönbrunn" geortet, der sich am 6. Mai ereignet hatte. Dieser Rohrbruch hatte eine Umkehr und eine Erhöhung der Fließgeschwindigkeit des Wassers in Teilbereichen des Wassernetzes zur Folge. Und hier lag der Hase im Pfeffer: Durch diese Änderung der hydraulischen Verhältnisse hätten sich Sedimente im Rohr gelöst, die normalerweise nicht gelöst worden wären, erläuterte Krasser. Dies habe zum sporadischen Auftreten koliformer Keime geführt. "Ein solche Entwicklung ist nicht vorhersehbar und kann nur durch aufwendige Berechnungen im Nachhinein festgestellt werden", erläuterte der SWW-Geschäftsführer die komplizierten Zusammenhänge.

Wie Krasser sagte, hat die SWW inzwischen bereits mehrere Maßnahmen in die Wege geleitet, um solchen Problemen in Zukunft vorzubeugen. Zu einen sollen Umschaltungen im Rohrnetz hydraulischen Veränderungen entgegenwirken, zum anderen sei eine kontinuierliche Durchflussüberwachung mit direkter Alarmierung installiert worden. Laut Dr. Johannes Widenmayer, dem Leiter der Abteilung Gesundheitswesen am Landratsamt, habe zu keiner Zeit eine Gefahr für die Wunsiedler bestanden, sagte Krasser. "Wunsiedel", so der SWW-Chef, "verfügt über ein zuverlässiges Wassernetz." Insgesamt 16 routinemäßige und drei periodische Untersuchungen gewährleisteten eine hohe Wasserqualität. Nur so sei es möglich, dass Verunreinigungen, die nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden könnten, frühzeitig festgestellt werden. Wie Krasser ankündigte, wird die SWW weitere Nachuntersuchungen vornehmen, um sicherzustellen, dass die ermittelte Ursache auch tatsächlich die Verkeimung ausgelöst hat.

 
 

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