Wunsiedel - Amadeu Antonio Kiowa, 28 Jahre, Klaus-Dieter Reichert, 24 Jahre, Nihad Yusufoglu, 17 Jahre: Allesamt haben sie mit 145 weiteren - oft sehr jungen - Menschen eines gemeinsam: Sie gehören zu den Opfern, zu den Todesopfern, rechter Gewalt in Deutschland seit dem Jahr 1990. Amadeu Antonio Kiowa wurde am 25. November 1990 in Eberswalde (Brandenburg) bei einem Angriff von 60 Rechtsextremisten auf Afrikaner vor einem Gasthof mit Knüppeln ins Koma geprügelt und starb elf Tage später. Klaus-Dieter Reichert wurde am 11. Dezember 1990 in seiner Wohnung in Berlin-Lichtenberg von drei Skinheads zusammengeschlagen. In Panik sprang er aus dem Fenster, fiel zehn Stockwerke tief und starb. Nihad Yusufoglu fiel am 28. Dezember 1990 in Hachenburg (Rheinland-Pfalz) einem Skinhead-Angriff zu Opfer; durch einen Messerstich ins Herz wurde er getötet.
148 Namen und 148 Schicksale hat die Wunsiedler Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus am späten Samstagnachmittag mit einem beeindruckenden Stationengottesdienst in Erinnerung gerufen - mit 30 Kreuzen, 148 Namenszetteln und 148 Kerzen. "Wir wollen den Opfern ihre Gesichter zurückgeben", sagte dazu einer der Sprecher der Jugendinitiative, Christian Hartmann, zur Frankenpost. In den vergangen Tagen hatten die Jugendlichen die Namen der Opfer im Internet recherchiert, die Namenskarten beschriftet und 30 Holzkreuze gebastelt.
Gemeinsam mit Alena Gebhardt, Julia Ott, Theresa Horn, Theresa Brix und Christina Ritter verlas Hartmann dann am Samstag an der Stadtkirche, beim Maxi-Kindergarten und vor dem Luisenburg-Gymnasium die Namen. An den drei Orten stellten die Teilnehmer des Stationengottetsdienstes jeweils zehn Kreuze mit Namenszetteln auf und entzündeten für jedes Opfer ein Licht. In einem Schweigemarsch zogen die Gottesdienstteilnehmer von Station zu Station.
"Diese Menschen werden leicht vergessen", sagte Pfarrerin Susanne Böhringer über die Opfer rechter Gewalt. Die Pfarrerin gestaltete gemeinsam mit ihrem evangelischen Kollegen Jürgen Schödel und dem katholischen Pfarrer Günter Vogl den Gottesdienst. Schödel betonte, dass Frieden nicht nur ein harmonischer Zustand sei. Zum Frieden gehöre es auch, Unrecht beim Namen zu nennen, Zeichen zu setzen und Entwicklungen anzusprechen. Mit dieser Aktion wolle man Frieden stiften und gegen rechte Gewalt eintreten. Am Schluss des Gottesdienstes war Schödel voll des Lobes für die Jugendlichen: "Das war eine starke Idee." Auch Bürgermeister Karl-Willi Beck war beeindruckt: "Durch das Verlesen der Namen wurde in ergreifender Weise sichtbar, welch bitteres Leid das Neonazitum seit 1990 in Deutschland gebracht hat." Thomas Scharnagl














