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Wunsiedel - Früher waren Bahnhöfe die Visitenkarten der Städte. Wer mit dem Zug ankam, der sollte sofort einen ersten guten Eindruck von seinem Reiseziel erhalten.
Heute ist das etwas anders. Wer etwa in Schirnding ankommt, der erblickt zunächst einen mit einem rot-weißen Band abgesperrten Papierkorb. Weiter geht es in die Unterführung. Hier blättert die Farbe von der Decke. Wenigstens führt die Treppe auf der anderen Seite direkt in die warme Bahnhofshalle. Der Anblick dieser ist bizarr: In einem mit Glaswänden abgetrennten Raum gibt es nichts außer einem Waschbecken, das offensichtlich seit Jahren unbenutzt ist. Seit mehr als vier Jahren grüßen auch "Julia und Rico", die am 29. Oktober 2005 am Bahnhof waren und sich an der Wand verewigt haben. Auch dem bis 2007 bei Bayern München spielenden Roy Makaay ist eine von unzähligen Kritzeleien gewidmet.
Wer auf die Toilette muss, der hat Pech: Sowohl das Männer- als auch das Frauen-WC sind verschlossen.
Ähnliche Eindrücke gewinnen Reisende an den Bahnhöfen in Holenbrunn, Arzberg und Waldershof. Lediglich der Bahnhof in Marktredwitz wirkt etwas sauberer.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonen-Nahverkehr (darin sind die von den Bundesländern gegründeten Verkehrs-Zweckverbände organisiert, die von der Deutschen Bahn Eisenbahnleistungen bestellen) kritisiert in einem Positionspapier, dass die "Pflege und Instandhaltung der Stationen oft mangelhaft" seien. "Es ist offenbar so, dass in den vergangenen Jahren Reinigungsintervalle reduziert und Jahresbudgets für Instandhaltungsmaßnahmen heruntergefahren wurden. . . . Vandalismusschäden sind ein Problem, doch sie werden noch problematischer, wenn sie monatelang nicht beseitigt werden." Die Bundesarbeitsgemeinschaft lobt zwar, dass die Deutsche Bahn in den vergangenen Jahren die Aufenthaltsqualität in den großen Bahnhöfen verbessert habe, doch die in den mittleren und kleineren Stationen habe sich verschlechtert.
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Eine Station weiter in Arzberg wirkt die Szenerie noch trister. Das Bahnhofsgebäude, das übrigens schon seit Jahren nicht mehr der Bahn gehört, ist verrammelt. Die Unterführung "verzieren" dicke Graffiti. Wer sich auf einer Ruhebank niederlassen will, der findet lediglich die einstigen Betoneinfassungen. Die Sitzflächen sind längst nicht mehr vorhanden.
Für die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonen-Nahverkehr (BAG SPNV) sind derartige Zustände untragbar, da die Deutsche Bahn für die Wartung ihrer Bahnhöfe genügend Geld bekomme. Für jeden Zug, der an einem Bahnhof der Deutschen Bahn hält, wird eine sogenannte Stationsgebühr fällig. Deren Höhe legt die DB Station & Service AG, ein Tochterunternehmen der Bahn, fest. Wichtige Knotenpunkte erhalten so mehr Geld als periphere Stationen, die kaum genutzt werden. Die BAG SPNV vermutet, dass die DB Service nicht die gesamten Stationsgebühren für die Pflege der Bahnhöfe verwendet, sondern einen Teil dem Konzern überweist.
Am Bahnhof Holenbrunn. Auch diese Station wirkt wenig einladend. Von den Stahlträgern in der Unterführung bröselt Rost - das Ambiente ist ein wenig schmuddelig. Wohl kein Reisender wähnt sich hier in einer Festspielstadt. Immerhin belegt ein Formular, das am Bahnhofsgebäude hinter einer Glasscheibe angebracht ist, dass alle paar Tage Reinigungskräfte am Werk sind: Sie haben für jeden Einsatz, etwa im Intervall einer Woche, unterschrieben. Ob die Reinigungsintervalle ausreichend sind, darüber lässt sich sicherlich streiten. "Manche können sich über alles aufregen, mich hat hier noch nie etwas gestört", sagt hingegen ein Schüler, der wie an jedem Schultag auf den Zug in Richtung Marktredwitz wartet.




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