BAD ALEXANDERSBAD – Gruppen der verschiedensten Couleur aus der Region und auch von weiter her waren der Einladung der Leiterin der neu geschaffenen Projektstelle gegen Rechtsextremismus, Simone Richter, zu einem "Markt der Möglichkeiten" gefolgt. Dieser fand in den Räumen des Evangelischen Bildungszentrums Alexandersbad statt.
Nach einem ökumenischen Gottesdienst in Wunsiedel zur Vorstellung der neuen Mitarbeiterin (siehe Bericht oben) dokumentierten verschiedene Initiativgruppen ihre gemeinsamen Anstrengungen gegen den Neonazismus. Verbände und Schulen, Vereine und Institutionen dokumentierten ihren Einsatz gegen den Rechtsextremismus.
Die Hauptschule und Realschule Wunsiedel zeigten auf von Schülern gemalten Bildern, wie sie Nazi-Schmierereien verfremdeten. Beispiel: "Juden raus...das ist aus!"
Das bfz Marktredwitz hatte einen Film dabei, eigenhändig gedreht im Rahmen des ZDF-Jugendwettbewerbs "Kreativ für Toleranz". Eingreifen statt Wegschauen, hieß hier die Devise. Das Jugendzentrum der Stadt Abensberg zeigte seinen Kampf für ein gewaltfreies Abensberg. Auch dort war es zu rechtsextremen Vorfällen gekommen. In Abendsberg hat sich eine Initiative von Eltern angegriffener Jugendlicher gegründet.
Die Evangelische Landjugend machte sich stark für Job-Raising und internationale Kontakte. In dieselbe Kerbe schlug der Türkisch-Islamische Verein mit seinem Info-Stand, an dem zu Integration und Frieden aufgerufen wurde. Auch am gemeinsamen Stand von Deutsch-Französischer Gesellschaft Wunsiedel und Europa-Union standen Völkerfreundschaft und Toleranz im Mittelpunkt. Anhand eines Europa-Quizes machten DFG und EUD auf die friedensbewahrende Politik der Europäischen Gemeinschaft aufmerksam. Lebhaft wurde über Fremdenfeindlichkeit mit den Angehörigen der anwesenden Deutsch-Türkischen Freundeskreise diskutiert.
Die "Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes/Bund der Antifaschisten" machte sich mit einem Plakat für ein "NPD-Verbot jetzt!" stark, und die Internationale Frauengruppe Selb lud ein zu einer Werkstatt für Frauen. Die Bürgerinitiative Tröstau versicherte mit großen Lettern: "Fichtelgebirge – Nazis beißen auf Granit". Das Bündnis gegen Rechts aus Dorfen hatte sich den Wunsiedler Slogan zu Eigen gemacht: "Dorfen ist bunt." Die Wunsiedler Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus zeigte eine Fotodokumentation ihrer Arbeit: Wunsiedel zeigt Flagge, "Kein Bock auf Nazis!". Ebenso durch Fotos untermauert, berichtete der "Arbeitskreis Außenlager Flossenbürg" der Evangelischen Jugend Oberfranken über ein internationales Jugendtreffen im ehemaligen KZ.
Ausgewählte Werke passender Jugendliteratur lagen auf dem Tisch des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. Aus Nürnberg waren das Menschenrechtszentrum Nürnberg, das "Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände" und die "Evangelische Medienzentrale Nürnberg" mit einschlägigem Informationsmaterial gekommen, und die Soroptimistinnen machten ihr Anliegen deutlich, den Frauen mehr Stimme und Einfluss zu geben.
Die Junge Union Wunsiedel setzte am Infostand ein Zeichen gegen Extremisten und Gewalt von links und rechts, und die Jungsozialisten machten auf die "modernen Nazis" aufmerksam. Beide Vereinigungen trafen sich am Rande des "Marktes der Möglichkeiten", um gemeinsame Projekte für die Zukunft zu besprechen.
Dem Versagen der evangelischen Intelligenz während Naziherrschaft spürte das Evangelische Studienwerk Villigst nach. Auf einer sehr großen Anzahl von Plakatwänden machten Einrichtungen der unterschiedlichsten Provenienz auf ihre Anliegen aufmerksam, unter anderem die Ökologische Bildungsstätte Hohenberg, der Deutsche Kinderschutzbund, die Jugendzentren Selb, Wunsiedel und Marktredwitz, Streetwork Wunsiedel, der Kreisjugendring, die Katholische Jugendstelle, die Kommunale Jugendarbeit, das Rote Kreuz, das Schülerwohnheim des Landkreises Wunsiedel, die Franken-Akademie Schloss Schney und andere mehr.
Es war ein im wahrsten Sinne des Wortes buntes Miteinander, das in Bad Alexandersbad die Vielfalt des Engagements gegen den Rechtsextremismus unter Beweis stellte. Den Teilnehmern wurde genügend Gelegenheit gegeben, sich untereinander kennen zu lernen. Und Spaß gemacht hat es außerdem noch, wie aus Teilnehmerkreisen zu hören war. H.A.
Bunt und vielfältig wie ein südländischer Markt, so präsentierte sich das Evangelische Bildungs- und Tagungszentrum Alexandersbad am Samstagnachmittag. Umfassend und vielsichtig war dort das Angebot der Möglichkeiten, sich mit dem Thema "Rechtsradikalismus" auseinanderzusetzen.FOTO: MICHAEL MEIER
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