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Mödlareuth - Von Weitem waren die Fackeln zu sehen: Bürger aus Gefell, Töpen, Gebersreuth und Tiefendorf/Straßenreuth zogen nach Mödlareuth zu einem Abend des Erinnerns und des Feierns. Vor 20 Jahren war die trennende Betonmauer in "Little-Berlin" durchlässig geworden.
Die Veranstaltung, die viele Besucher und Medienvertreter anlockte, fand auf Einladung der Stadt Gefell, der Gemeinde Töpen und des Zweckverbandes des Deutsch-Deutschen Museums statt. Termin war exakt der Tag, an dem sich vor genau 20 Jahren die Bürger des getrennten Dorfes in die Arme fielen, an dem Tränen vergossen wurden und die Hoffnung auf ein Miteinander aufkeimte. Damals wie heute wurde mit Musik, Rostern und vielen Gästen gefeiert.
Die Bürgermeister Marcel Zapf aus Gefell und Klaus Grünzner aus Töpen blickten auf das damalige Geschehen zurück. Man habe sich im Lichterschein der Fackeln aus Sachsen, Thüringen und Bayern mit einer Sternwanderung auf den Weg gemacht, um denen zu danken, die etwas Einzigartiges erreicht hätten.
Etwas Einzigartiges
Vor allem seien dies die Bürgerinnen und Bürger der damaligen DDR gewesen, die entschlossen und beharrlich, mit viel Mut und persönlichem Risiko stets und immer wieder die Freiheit gefordert hätten. "Aber im Lichterschein müssen wir uns immer ins Bewusstsein rufen, dass es aller Anstrengungen bedarf, um Frieden und Freiheit auf Dauer zu behalten." Dazu trage das Deutsch-Deutsche Museum einen erheblichen Teil bei.
Eine Andacht mit Pfarrerin Ann-Katrin Kummer und Pfarrer Wolfram Kummer aus Gefell sowie dem ehemaligen Pfarrer Friedemann Schuberth aus Mißlareuth schloss sich an. Der Töpener Posaunenchor umrahmte sie.
Ann-Katrin Kummer rief die gemeinsame Begeisterung ins Gedächtnis, die die Menschen damals auf die Straße trieb. Friedemann Schuberth erinnerte sich an das Geschehene: "Wie lange hat das gedauert, bis hier die Tür aufging." Mit dem Psalm seiner damaligen Predigt "Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe" habe man damals gewartet, gehofft, dass man zueinander komme. "Im großen Berlin war schon, was im kleinen Mödlareuth noch nicht sein konnte." Man sei an jenem ersten Adventssonntag zu der Menschenkette gegangen, die die alte DDR durchziehen sollte. "Wir standen am Ende der Kette in Dobareuth und wussten uns eins mit all denen, die die gleiche Hoffnung und Sehnsucht hatten." Man habe am 5. Dezember in Mödlareuth die Fragen hinüber und herüber gehört: "Seid ihr so weit?"
Man denke an den ersten gemeinsamen Kirchgang nach Töpen, in eine Kirche, die keinen Stehplatz mehr frei ließ. Schuberth erinnerte daran, "als ich am dritten Adventssonntag auf der Empore stand und Tränen in den Augen hatte".
Pfarrerin Kummer, die damals an der anderen Ecke Thüringens wohnte, hat die Wende in den dortigen Gemeinden miterlebt. Aus Erzählungen könne sie sich aber ein Bild machen, was damals hier geschah, als der Ruf erscholl "Mödlareuth ist frei", weil der 500-Meter-Schutzstreifen plötzlich aufgehoben war.
Was sie aber in den Erzählungen beeindruckte, war der Bau eines Grenzübergangs mit allem Drum und Dran, wie ein doch kaputtgehender Staat noch mit aller Bürokratie aufwartete. Im Gemeindebrief der Töpener Kirche von damals habe sie das Wort gefunden "Gott dem Herrn zu danken und seine Kraft für den weiteren Weg zu erbitten". Dies sei an diesem Tag das Anliegen gewesen. "Ein halbes Jahr später wurde die Mauer in einer Überraschungsaktion eingerissen und niemand griff ein."
Man müsse aber auch derer gedenken, die ausgesiedelt und verjagt wurden, den geschleiften Höfen, aber auch den Freudentränen und Umarmungen. Und dieser Abend, so Kummer abschließend, sei eine wunderbare Gelegenheit dazu.
"Heute sind wir hier und wie geht das nun weiter?", auf diese Frage, welche sich viele vor 20 Jahren stellten, ging Pfarrer Wolfram Kummer ein. Dabei habe man ja wenige Tage vor diesem Ereignis noch eine hundertjährige Zukunft in der DDR vorhergesagt. Man dürfe nicht vergessen, wie dieser Staat funktioniert habe - "menschenverachtend, mit Lügen, verkleidet mit Phrasen und Parolen, die zur öffentlichen Wahrheit erklärt wurden".
Freudentränen fließen
Gemeinsam wurde dann gefeiert wie vor 20 Jahren. Dazu gab es am Feuerwehrhaus im Ostteil kostenlose Roster, Bier und Glühwein. Aber auch das Museum im Westteil war Anlaufstelle. Hier trafen sich später alle Einwohner des Dorfes, um über Ereignisse zu diskutieren. Museumsleiter Robert Lebegern zeigte Bilder aus dem Herbst 1989; die Zuschauer quittierten sie mit "Ah" und "Oh" und "Wer ist denn das?" Die historischen Fotos erhielt jeder als CD mit nach Hause. Neben glücklichen Gesichtern gab es aber, wenn auch verstohlen, einige Tränen. Tränen der Freude.






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