Kautendorf – Es brennt abends wieder Licht im Pfarrhaus in Kautendorf. Vor wenigen Tagen ist das Pfarrer-Ehepaar Ilka und Andreas Huber eingezogen. Damit geht eine fast zweijährige Vakanz zu Ende.
Die beiden jeweils 31-jährigen Seelsorger freuen sich auf ihre neuen Aufgaben. Pfarrer z. A. Andreas Huber wird die Kirchengemeinde Kautendorf betreuen, seine Frau, Pfarrerin z. A. Ilka Huber, wird schwerpunktmäßig in der Altenheimseelsorge im Dekanat Hof tätig werden, wird Ansprechpartner sein für Senioren im Haus Kamilla, im Caritasheim, Rotkreuzheim und im Haus an der Christiansreuther Straße.
Vor allem freuen sich die beiden Hubers auf die Menschen in Kautendorf. Andreas Huber, geboren in Augsburg und aufgewachsen im Chiemgau, bekennt, dass er den Raum Hof bisher nur als Durchreisender auf der A 9 registrierte. Ende der 1990er Jahre studierte er in Leipzig und Halle evangelische Theologie, Missionswissenschaft und Religionsgeschichte.
Hof bisher nur von A 9 gekannt
Als er vergangenen Dezember erfuhr, er solle die halbe Pfarrstelle in Kautendorf besetzen, galt deshalb sein erster Blick der Landkarte. Übers Internet machte er sich einen ersten Eindruck von der neuen Umgebung. Auf Google-Earth sah er sich den Landstrich an, den er nun seine Heimat nennt.
Die Mentalität der Menschen hier in Oberfranken sollte ihm eigentlich liegen, sagt der Schwabe. Seine Frau sei ja ebenfalls Fränkin. Tatsächlich kommt Ilka Huber aus Walsdorf, einem kleinen Ort bei Bamberg. Und wie der Zufall es will, war Ilka Huber vor vielen Jahren schon einmal in Kautendorf, als die ehemalige Pfarrerin Zillich-Limmer hier ordiniert wurde. Ilka Huber: „Sie war vorher in Walsdorf Vikarin, und zu ihrer Ordination waren wir hochgekommen.“
Ilka Huber war zu jener Zeit schon lange sehr aktiv in der evangelischen Jugendarbeit der Kirchengemeinde tätig. „Ich bin in den Beruf als Pfarrerin reingewachsen“, sagt sie. Erst der Kindergottesdienst, dann die Jungschar. Und weil sie „immer gute Pfarrer erlebt“ habe und sich diese zum Vorbild nahm, war der Weg zum Theologiestudium vorgezeichnet.
Das war bei ihrem Mann nicht ganz so. Er hatte in seiner Jugend erwogen, Musiker zu werden – noch heute komponiert er in seiner Freizeit – oder Journalist. Dass es dann doch das Theologiestudium wurde, führt er darauf zurück, dass er viele Jahre Pfadfinderarbeit in Trostberg an der Alz gemacht hat; das ist die Kirchengemeinde, in der er groß geworden ist.
„Es ist mir wichtig“, sagt er, „meinen Glauben mit Menschen zu teilen und dabei die Vielfalt unter eben diesen Menschen zu erleben“. Gott, sagt Pfarrer Huber, „möchte, dass wir in unserer Vielfalt, mit unseren Talenten und Gaben füreinander da sind.“
Vielfalt als Lebensprinzip
Vielfalt zeichnet auch den bisherigen Lebenslauf von Andreas Huber aus: Ein freiwilliges soziales Jahr machte er in einem Handwerksbetrieb, für ein Jahr ging er für Studien nach Chennai, einer Stadt in Südindien und noch nach seiner Ordination zum Pfarrer im vergangenen Jahr arbeitete er für mehrere Monate bei einem bayerischen Automobilhersteller – allerdings nicht als Betriebsseelsorger, er war dort für die Konzernkommunikation zuständig, wie Huber sagt.
Vielfalt ist dem neuen Kautendorfer Pfarrer wichtig, weil diese Vielfalt zu erkennen und zu erfahren auch bedeute, den eigenen Horizont zu erweitern. Und gerade vor diesem Hintergrund der Vielfalt sei er gerne Pfarrer, weil er als solcher viel mit Menschen zu tun habe.
Die Kirchengemeinde in Kautendorf mit ihrer mehr als 500 Jahre alten St.-Martins-Kirche zählt etwa 500 Seelen. Im Stellenplan des Dekanats gibt das nur eine halbe Pfarrstelle. Andreas Huber jedoch verspricht: „Den Pfarrer gibt es ganz.“


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