Hof - Verkaufsoffene Sonntage waren in Hof schon immer ein Thema, das kontrovers diskutiert worden ist. Die Belange des Einzelhandels standen stets dem Anliegen des Sonntagsschutzes gegenüber. Im Stadtrat gab es stets eine breite Mehrheit für offene Läden an vier Sonntagen im Jahr. Nun hat sich in Hof die "Allianz für den freien Sonntag" gegründet.
Einkaufen am Volkstrauertag und am Tag der Konfirmation - diese beiden Entscheidungen des Stadtrats haben für den evangelischen Dekan Günter Saalfrank das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Entwicklungen in Sachen verkaufsoffene Sonntage in Hof hätten den "letzten Anstoß" zur Gründung der Initiative gegeben. Saalfrank sucht mit anderen Vertretern von Kirchen und Gewerkschaften den Schulterschluss. Sie alle treibe die Sorge einer "schleichenden Aushöhlung des Sonntags" um. Denn im Grundgesetz sei der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe festgeschrieben. "Wir sehen die Gefahr, dass daraus nur noch Verfassungslyrik wird."
Samstag als Einkaufstag
Die Gründungsmitglieder hoffen, dass sie mit ihrer Position für einen arbeitsfreien Sonntag schnell weitere Mitstreiter gewinnen - auch aus den Reihen der Einzelhändler. Erste Signale seien bereits erkennbar, sagt Saalfrank: Ein Geschäftsinhaber aus Hof habe bewusst nicht die Türen seines Ladens geöffnet, sondern auf besondere Aktionen an anderen Tagen gesetzt. Der Erfolg habe ihm Recht gegeben. Die Allianz will ein Umdenken in der Geschäftswelt erreichen - weg von Einkaufs-"Events" an Sonntagen, hin zu Aktionen zwischen Montag und Samstag. Gerade der Samstag solle sich stärker als Einkaufstag profilieren.
Der erste Schritt soll eine Umfrage bei den Hofer Einzelhändlern sein. Dabei will die Allianz erheben, wie die Erfahrungen mit verkaufsoffenen Sonntagen wirklich sind. Ziel ist es laut Saalfrank, belegbare Fakten vorzulegen und diese den Eindrücken auf der "Gefühlsebene" entgegenzusetzen. Gemeinsam mit dem Einzelhandel möchte die Allianz in sachlichen Gesprächen nach Alternativen suchen, die die wirtschaftliche Lage, aber auch die Mitarbeiter berücksichtigen.
Dabei stützen sie sich auch auf die Bibel. Gerhard Strunz vom kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt ruft das Alte Testament ins Gedächtnis. Der Sonntag solle "Ruhe von der Arbeit und Besinnung" bieten - und: "An diesem Tag soll Gott geehrt werden." Deshalb sind für ihn vier verkaufsoffene Sonntage in Hof "vier zu viel".
Kleine Geschäfte erhalten
Klaus Endl von Verdi sieht aber nicht nur den Einzelhandel als Zielschiebe der Kritik. "Es tut mir weh, wenn die meisten Bäckereien am Sonntag geöffnet haben." Auch Waschanlagen, die an Sonntagnachmittagen zur Verfügung stehen, seien ihm ein Dorn im Auge.
Der Gewerkschaft geht es um eine Reduzierung der Sonntagsarbeit. Verdi-Sprecherin Christine Kelpin betont, die Sieben-Tage-Woche sei in keinem Tarifvertrag vorgesehen. Nach ihrer Meinung sind die "Großen" die Gewinner von verkaufsoffenen Sonntagen - die Filialisten machen meist viel Umsatz. "Uns ist es wichtig, die Vielfalt der kleinen Geschäfte zu erhalten." Wenn sich die Menschen am Sonntag am Konsum erfreuten, sei das "Armutszeugnis für die Gesellschaft", meint die Gewerkschafterin.
Eine Allianz für den freien Sonntag wie in Hof gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten. In jedem Landkreis in Oberfranken habe sich eine solche Vereinigung gebildet, weiß Eckhard J. Schneider von der katholischen Betriebsseelsorge. Mancherorts seien die Argumente schon auf offene Ohren gestoßen. Schneider zitiert eine Sprecherin des Kulmbacher Einzelhandels, die bekundete: "Wir brauchen keine verkaufsoffenen Sonntage!"












