![]() |
|
|
|
||
Hof - Punkt Zwölf beginnt das Brummen. Die Wände ächzen, als etwas Schweres, Mächtiges über den Köpfen der Besucher in Bewegung gerät. Ein zweiter kräftiger Schwung folgt, ist im Turmzimmer deutlich zu vernehmen. Dann endlich trifft der eiserne Klöppel auf 700 Kilogramm Bronze: Voll und klar erklingt die Glocke - und der Schall erfüllt den Turm.
Elf Interessierte zucken zusammen. Sie sind Andreas Putzhammer die Stufen hinauf gefolgt, hoch über das Kirchenschiff von St. Lorenz. Seit 1674 ragt der Turm in seiner heutigen Form über dem Park auf, hat Belagerungen getrotzt und die Brände oben in der Stadt überstanden. Die drei Glocken, darunter auch die "Kleine", die so durchdringend zur Mittagsstunde läutet, sind dagegen noch vergleichsweise taufrisch: Sie ersetzten erst seit 1955 das im 17. Jahrhundert angebrachte und rund zweihundert Jahre später erneuerte Geläut.
An der Herstellung der Bronze-Giganten habe sich aber in all den Jahrhunderten nichts geändert, erklärt Kirchenmitarbeiter Putzhammer zur Turmführung. "Festgemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt", schreibt Schiller - und seit den Tagen des Dichters bleibt auch das Glockenbauerhandwerk gleich. Eine gemauerte Form in der Glockengrube bildet die Basis, und eine Lehmschicht darauf zeigt als "falsche Glocke", wie der fertige Klangkörper einmal aussieht - komplett mit allen Inschriften und Verzierungen. Eine weitere Schicht deckt die falsche Glocke ab und die Form wird ausgebrannt, erzählt Putzhammer. Schließlich zertrümmern die Helfer die falsche Glocke - es bleibt ein Hohlraum, der exakt die Glockenform hat und mit heißer, flüssiger Bronze gefüllt wird. "Jeder Glockenbauer hat da sein eigenes Geheimrezept für die genaue Metall-Mischung", sagt Putzhammer. Gemein sei allen, dass die Glocke vier, fünf Wochen in ihrer Gussform abkühlen muss. "Erst dann weiß man, ob der Guss gelungen ist." Kein Wunder also, dass die Pfarrer in früheren Jahrhunderten als Auftraggeber den Prozess von Anfang an mit Segenswünschen begleitet haben.
Flexible Konstruktion
Die Glocken von St. Lorenz - drei Brocken von 700 bis 1360 Kilogramm - kamen fehlerlos aus der Grube. Eine Herausforderung für die Turmbauer bildeten sie trotzdem. Denn der Bau muss flexibel genug sein, um dem Schwung tonnenschwerer Klangkörper Stand zu halten - eine Konstruktion aus Stein und Mauerwerk würde schnell reißen und einstürzen. Der große Turm von St. Lorenz ist deshalb zu großen Teilen aus Holz gezimmert: ein Bauwerk, das zwar knarrt und seufzt, aber das Läuten übersteht.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchtürmen in Hof sind die drei Uhren von St. Lorenz übrigens nicht mit dem Geläut verbunden, erläutert Andreas Putzhammer mit Blick auf die Maschinerie im Turm. Deshalb schwingen die Glocken auch nicht im Viertelstundentakt an, sondern läuten vor allem zum Gottesdienst. Und zur Mittagsstunde, wenn die kleine 700-Kilo-Glocke anschlägt.



Drucken
Speichern
Versenden












