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Ressort Hof-Stadt
Erschienen am 16.10.2009 00:00
Auf der Spur des Bösen
Vortrag | Werner Mergner beleuchtet die Gefahren in den Krisengebieten der Erde.
Von Christoph Plass
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Werner Mergner
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Hof - Diese Weltreise ist anders. Zwar geht's hier genauso schnell von Land zu Land wie mit jedem Anbieter von Pauschalreisen - doch All-Inclusive gibt's hier nicht: Mitdenken, -reden und -überlegen ist gefordert beim Vortrag und der langen Diskussion danach im Gemeindehaus der Dreieinigkeitskirche in Hof. Werner Mergner, Redaktionsdirektor der Frankenpost, eröffnet an jenem Mittwochabend die Vortragssaison beim Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing mit einem Thema, das allumfassender kaum sein könnte: dem Weltfrieden. Wie gefährdet ist die globale Ruhe, will er wissen. Und gibt sich selbst die Antwort: "Pessimismus ist angesagt!"

In einer guten halben Stunde springt Mergner von Krisenherd zu Krisenherd, zählt Pulverfass um Pulverfass auf und liefert seine Einschätzungen zu Menschen, Konflikten und Nöten vor Ort. Die Großen der Welt nimmt er dabei mit, ohne sie zu schonen - den "ausgeflippten Italiener Berlusconi", die "grenzenlos dummen Bushs", den "Schweinehund Saddam" oder den "abgedrehten Ahmadinedschad" greift er gern und deutlich an. Drastische, grelle und erschreckende Bilder zeichnet Mergner von den Ländern und der Welt, poltert zuweilen auch auf Kosten der nüchternen Information.

Los geht der Parforce-Ritt im Russland der Post-Sowjet-Ära: "Es gärt im Riesenreich", sagt der Experte. Und erklärt, warum das eine Gefahr für den Globus ist: "Dieses Land kennt keine Gnade - siehe Tschetschenien."

Der erste Sprung des Abends geht weit, nach Süd- und Mittelamerika. "Dort ist die Lage zwar schlimm für die Menschen, eine Welt-Gefahr durch Krieg geht davon aber kaum aus", sagt Werner Mergner. Anders vom Weltstaat weiter nördlich: Die USA seien mitverantwortlich für den religiösen Fundamentalismus im Nahen Osten, wettert Mergner. "Und egal, was Barack Obama alles tun will: Im Moment will er nur. Er tut es nicht."

Zu einem "gebeutelten Stück Erde, ausgebeutet und gedemütigt" reist Mergner mit den 60 Zuhörern weiter: nach Afrika. Der Klimawandel und das Gebaren der Wirtschaftsmächte könnten einen Endkampf provozieren. "Abermillionen werden Einlass fordern in die Welt der Reichen. Und der Ansturm der Armen und Ausgemergelten wird zuerst Europa treffen."

Süd-Ost-Europa und die Türkei streift Mergner auf seiner Sightseeing-Tour durch die Krisengebiete, Japan und Nordkorea. Und bleibt bei den Riesen der Welt hängen, bei China und Indien. Ersteres sei ehrgeizig und rücksichtslos, der Monsterstaat mache alles nieder und lasse sich auch von massivstem Druck nicht beirren. Auch die größte Demokratie der Erde könne eine Gefahr bedeuten: "Wenn sich der Konflikt mit Pakistan verschärft, kommt die Welt ins Taumeln", ist Mergner sicher.

Seine bisherigen Stationen führen ihn zielstrebig in den Teil der Welt, in dem er sich am besten auskennt: Für den Nahen Osten nennt er sich auch selbst "ein bisschen Experte", da erzählt er von seinen Iran-Reisen und von Gesprächen mit Politikern. Spätestens dann verschwimmt seine genaue Abgrenzung der einzelnen Länder, wenn Mergner die Kämpfe zwischen Sunniten und Schiiten als Grundkonflikt beim Namen nennt. "Alle möglichen Lösungen würden in einem Blutbad enden", ist er sich sicher.

Doch auch Schuldige von außen klagt er an, die hier Hass und Gewalt gesät haben: Früher waren es die Kolonialmächte, in der jüngsten Vergangenheit die USA. Einerseits also, so führt Mergner auch in Bezug auf die Situation in Afghanistan an, können sich die Westmächte am Hindukusch "zu Tode siegen", ohne Frieden zu erreichen. Andererseits: "Wenn wir gehen, wird es dort schrecklicher, als wir es uns vorstellen können." Der Weltfrieden, das steht zum Schluss, ist ein kompliziertes Konstrukt, das zumindest jetzt gerade noch hält.

 
 

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