Hof - "Angesichts schwindender Finanzen stehen uns soziale Kürzungen bevor - wir müssen dafür sorgen, dass die Armen und sozial Schwachen nicht zu Opfern der Krise werden", betonte Geschäftsführer Martin Abt beim Neujahrsempfang der Diakonie Hochfranken. Und seine Partnerin Maria Mangei stellte fest, dass das nicht neu sei. Die Diakonie Hochfranken habe in den vergangenen vier Jahren schon gute und sinnvolle Arbeit geleistet. "Aber das ist noch nicht ausreichend", so die Geschäftsführerin.
Eingangs hatte Aufsichtsratsvorsitzender Dekan Günter Saalfrank die zahlreichen Gäste aus Partner-Organisationen und dem öffentlichen Leben willkommengeheißen und allen ein gutes neues Jahr gewünscht. Ein kurzer Film des "Naalicher Videoclubs", entstanden in Zusammenarbeit mit der Jugendsozialarbeit der Volksschule Naila, zeigte die Vielfalt der sozialen Einsatzplätze, an denen die Diakonie Hochfranken bereits wirkt.
Verantwortung ernst nehmen
"Wir dürfen die Menschen nicht vergessen", mahnte Martin Abt. Hinter jedem Fall sozialer Hilfeleistung stehe ein Mensch, stünden ganze Familien. Und er versicherte: "Unsere Verantwortung werden wir ernst nehmen." Armut habe viele Gesichter. Neue Wege und Formen der Hilfeleistung gelte es zu finden in dieser Region, die vom demografischen Wandel stark betroffen sei. "Wir brauchen neue, kreative, mutige Ideen", so Abt. Es bedürfe einer noch besseren Vernetzung, Synergieeffekte müssten genutzt werden, die Kosteneffizienz dürfe man dabei nicht aus dem Auge verlieren.
Maria Mangei erinnerte an erfolgreiche Projekte der Diakonie Hochfranken wie Helmbrechtser Kreisel, Mehrgenerationenhaus Rehau oder Treffpunkt Familie in Hof. Die Qualifizierung an der Basis komme gut voran. Noch einiges zu tun sei im Bereich der Teilhabe und der Eingliederung ins Arbeitsleben.
Sie lenkte den Blick auf die "Lebensmittelpunkte", die - individuell zugeschnitten auf die vom demografischen Wandel besonders betroffenen Dörfer und Ortsteile im Landkreis Hof - entstehen sollen. Bei diesem neuen gemeinnützigen Projekt gehe es darum, vor Ort die Grundversorgung des täglichen Bedarfs sicherzustellen sowie Anlaufstellen und Treffpunkte einzurichten. Auch die Arbeitsbeschaffung für Langzeitarbeitslose und Jugendliche mit besonderen Schwierigkeiten und Behinderungen habe man sich zur Aufgabe gemacht. Einsatzmöglichkeiten gebe es in Lebensmittelläden, in der Gebäudereinigung, bei der Alltagsunterstützung oder im Dorfcafé. Ein Konzept, welche Angebote wo sinnvoll sind, werde derzeit erarbeitet.
"Das alles erfordert eine hohe Einsatzbereitschaft innerhalb der Diakonie Hochfranken, aber auch das Engagement derer, mit denen wir außerhalb zusammenarbeiten", betonte die Geschäftsführerin. Die "Lebensmittelpunkte" böten eine realistische Chance für eine solidarische und lebendige Region. Werde auch von Politikern und Wirtschaftsleuten eine "ungemütliche" Gesellschaft prognostiziert, so könne man dem doch entgegenwirken. Dazu bedürfe es allerdings einer "bedarfsgerechten Fahrplangestaltung".
Auf das Herz hören
Bevor die Gäste sich bei einem Glas Sekt und leckeren Häppchen inhaltlich austauschen konnten, gestaltete Pfarrer Johannes Neugebauer eine kurze Andacht. Es gelte, Herz zu beweisen, sagte er. Lebensmittelpunkt sei die Dimension Mensch. Den Menschen in dieser Region müsse man gerecht werden und Gutes tun. Eine moderne Diakonie stelle dazu das Handwerkszeug parat. Wenn Herausforderungen angegangen werden, gelte es, auch das Herz als Ratgeber zu akzeptieren und darauf zu hören, um der Menschen willen. Achtsamkeit im Umgang mit den Mitarbeitern sei dabei ebenfalls gefordert.
Mit Herz und Verstand agierten am Rande die Auszubildenden des Berufsbildungswerks, die für das Buffett sorgten, und die "Sax-Bande" der Symphoniker-Musikschule, die den Empfang musikalisch gestaltete.

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