"Männerarbeit ist zunächst einmal Laienarbeit", sagt Pfarrer Gölkel. An seiner Seite hat er deshalb den Dekanats-Männer-Beauftragten Detlef Döbereiner. Gemeinsam organisieren sie Zusammenkünfte, Diskussionen und den Männer-Sonntag, immer am dritten Sonntag im Oktober. In den vergangenen Jahren haben sie dabei über die Welt und das Wasser, über Gerechtigkeit, Ökologie und die Grenzöffnung gesprochen - Themen, die an sich keine reinen Männer-Stoffe sind, die aber im Kreis von Gleichgesinnten ehrlich diskutiert werden können.
Viele Fragen zum Glauben
"Wir bieten einen geschützten Raum, in dem die Männer frei sprechen können", erklärt Detlef Döbereiner. Was in den Runden gesagt werde, bleibe auch dort. Und das werde dankbar angenommen, denn viele der Herren seien mit ihrer vorgegebenen gesellschaftlichen Rolle nicht einverstanden: "Dass ein Mann sein Innenleben zeigt, ist sonst nicht vorgesehen", sagt Döbereiner.
Das merke er vor allem auch dann, wenn es um die Religion gehe: "Mit den Inhalten, die die Kirche vermittelt, können viele nichts anfangen", weiß er. In der Kirche stehe der Mann oft im Hintergrund - das geht bei der Weihnachtsgeschichte los und endet in den Erkenntnissen von Theologen, dass viele Christen ein zentrales Moment ihres Glaubens verloren haben: Jesus.
"Was ist ein Christ ohne Christus? Was ist das spezifisch Christliche?" - das sind die Fragen, die Pfarrer Martin Gölkel den Männern stellt. Ansatz seiner Arbeit ist immer die Bibel, "die tatsächlich viel menschlicher ist, als sie immer hingestellt wird". Anhand einer Bibelstelle kommen die Männer in ihren Runden ins Gespräch, dass sich dann oft schnell weg vom Glauben hin zum ganz praktischen Leben entwickle. Die Verbindung zwischen diesen beiden Bereichen herzustellen, auch das ist die Aufgabe Martin Gölkels: "Beten allein löst keine Probleme - doch man muss erkennen, dass auch Beten Arbeit ist. Es kostet Kraft und Zeit."
Selbstverständnis des Mannes
Um zu wissen, wie sich der Mann als solches definiert in der Gesellschaft, hat sich Martin Gölkel lange mit einer Studie zum Thema befasst, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde (siehe auch Kasten). Die Forscher haben unter anderem eruiert, wo sich die Männer selbst sehen - 27 Prozent bezeichneten sich als "teiltraditionell", 24 Prozent als "balancierend" und 19 als "modern". Bleiben ganze 30 Prozent, die sich selbst als "suchend" beschreiben. Für Pfarrer Gölkel ist das die schwierigste Klientel: "Diese Männer haben meist schon viele Erfahrungen gemacht und können dennoch mit nichts etwas anfangen. Sie sind oft desillusioniert und wollen sich nicht auf etwas festlegen."
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Großes Interesse im Osten
Kommen kann grundsätzlich jeder, auch gibt es keine Themen, die Tabu sind, betont Detlef Döbereiner. "Auch, wenn es natürlich Zeit braucht, bis man offen über persönliche Dinge redet." Nichts Missionarisches wollen die Männerkreise an sich haben. Sie wollen als geschützte Runden verstanden werden, in denen Offenheit Einlass findet, wo die Politik draußen bleiben muss. Allerdings nicht nur die: Die Kreise sind, der Name sagt's, nur für Männer da. Die Herausforderung liege darin, zwar den Blickwinkel Mann zu stärken, aber dabei keinen Gegensatz zur Frau aufzubauen. Ein Frauentreff oder -frühstück habe, umgekehrt natürlich, den gleichen Anspruch.
Seit 1946 gibt es die Männerarbeit als Institution der Evangelischen Kirche - in Anknüpfung an Zünfte, Verbindungen und andere Organisationen, die allesamt reine Männersache waren und sind. In der ganzen bayerischen Landeskirche gibt es nur einen Hauptamtlichen für die Männerarbeit, den Rest erledigen die Männerpfarrer und die ehrenamtlich tätigen Beauftragten. Ihr Ziel - neben der christlichen und gesellschaftlichen Festigung - ist es, den Mann auch innerhalb der Familie zu stärken. "Familien werden meist nur über die Frau angesprochen", sagt Martin Gölkel. "Dabei ist es nicht nur eine Erkenntnis moderner Erziehungswissenschaft, dass ein Kind Mutter und Vater zum Aufwachsen braucht."
Die Studie
Im vergangenen Jahr haben die Männerarbeit der Evangelischen Kirche Deutschland und die Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands gemeinsam eine Studie über die männliche Hälfte der Bevölkerung herausgebracht. Das gut 400-seitige Werk beleuchtet zehn Jahre Männerentwicklung in der Bundesrepublik – 1470 Männer und 970 Frauen sind dazu befragt worden. Die Schwerpunktthemen der Studie waren Arbeit, Familie, Gefühlswelt, Religion und Selbstverständnis. Hier einige der Kernaussagen der Studie:
- Es gibt (laut Selbstverständnis) deutlich mehr moderne Frauen (32 Prozent) als moderne Männer (19 Prozent).
- Die Lebensbereiche Religion (plus zwölf Prozent) und Kirche (plus acht Prozent) haben für Männer an Bedeutung gewonnen; der Bereich Arbeit hat an Bedeutung verloren, er fiel um acht Prozent. Wichtigste Lebensbereiche sind Familie, Freunde und Freizeit.
- Die Ehe halten die meisten Männer für eine Institution mit Zukunft – 87 Prozent der „modernen“ Männer votierten so, außerdem 65 Prozent der „teiltraditionellen“.
- Die Aussage „Mann und Frau sollten zum Haushaltseinkommen beitragen“ unterschrieben vergangenes Jahr 67 Prozent der Frauen und 58 Prozent der Männer – zehn Jahre früher hatten je 54 Prozent zugestimmt.
- Die Bereitschaft, die Berufsarbeit zugunsten der Pflege von Angehörigen zu reduzieren, ist bei Männern wesentlich geringer ausgeprägt als bei Frauen: 13 Prozent der Frauen wären nicht dazu bereit, 27 Prozent der Männer lehnen eine solche Reduzierung ab.
- Die Männer erwarten sich heute stärker als vor noch zehn Jahren einen Beitrag der Kirche zur Neugestaltung der Männerrolle in der Gesellschaft: Votierten 1998 lediglich zwölf Prozent für diese Forderung, waren es zehn Jahre später ganze 31.



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