Hof - "Wir wollen die EJSA retten." Nicht mehr, aber auch nicht weniger haben sich Nadja Hoffmann, Özgen Asik, Elefe Yildirim und Mürüvvet Benli vorgenommen. Die vier Frauen sitzen in der Küche des Internationalen Mädchen- und Frauenzentrums. Heute ist die Frankenpost da, gestern schon waren sie im Radio. Sie wollen alle mobilisieren, sagen sie. Auch das Fernsehen haben sie schon informiert, an Günther Jauch geschrieben und an all die anderen Privatsender. Sie hoffen darauf, dass sich "wie im Märchen ein edler Ritter" findet.
Ein "Ritter", der Geld mitbringt, denn darum geht es: um 12 500 Euro. "Wir brauchen die EJSA in Hof. Das ist wichtig", sagt Özgen Asik. "An wen sollen sich ausländische Frauen sonst wenden?"
21 Jahre gibt es das Internationale Mädchen- und Frauenzentrum in Hof, erst unter dem Dach der EIBA, der Evangelischen Industrie- und Berufsschülerarbeit, seit neun Jahren ist die EJSA, die Evangelische Jugend- und Sozialarbeit, der Träger.
Vor Monaten ist man umgezogen. Um die Ecke - von der Königstraße 36 ein paar Hundert Meter weiter in die Landwehrstraße 38. Hier, wo vorher Gruppen des Multikulturellen Kindergartens St. Lorenz untergebracht waren, hat die EJSA jetzt ausreichend Platz für ihre Angebote. Diese sind vielfältig: Migrantinnen und Aussiedlerinnen finden Beratung in praktisch allen Lebenslagen, außerdem werden Bildungsseminare angeboten.
Städtischer Zuschuss gestrichen
Doch damit soll es bald vorbei sein. Es fehlt am Geld. Genau 12 500 Euro jährlich beträgt der Zuschuss der Stadt Hof für die EJSA. Dieser soll heuer um die Hälfte gekürzt, 2011 sogar gänzlich gestrichen werden. Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner bedauert die Kürzung, sieht dazu aber keine Alternative. Die Stadt steht ohne einen genehmigungsfähigen Haushalt da. Alle freiwilligen Leistungen kommen in einer solchen Situation auf den Prüfstand. Der EJSA-Zuschuss ist für die Stadt eine freiwillige Leistung. Daran ändern auch nicht die "hohen Verdienste in der kommunalen Integrationsarbeit", wie Fichtner in einer Mitteilung verlauten ließ.
Der Vorstand des Vereins EJSA hat - wie berichtet - schon resigniert. Man werde die Kündigung aller Mitarbeiterinnen zum 31. August wohl nicht vermeiden können, meinte Vorsitzende Cäcilia Scheffler. Ihr Stellvertreter Matthias Wagner pochte zwar noch darauf, dass "Integrationsarbeit eine Verpflichtung der Kommune ist und keine beliebige freiwillige Leistung", aber ohne Erfolg.
Die vier Frauen in der Küche des Frauen- und Mädchenzent-
rums können das Handeln der Stadtoberen nicht nachvollziehen. "Die Arbeit hier ist doch wichtig. Für alle Frauen. Jeder Nationalität. Und die Kinder." Das sagt Nadja Hoffmann. Die 42-Jährige Deutsche ist vor einem Jahr von der Diakonie an die EJSA weitervermittelt worden. Ihr kurdischer Mann hatte Probleme mit der türkischen Botschaft. Bei der EJSA konnte ihr geholfen werden. Es ist ein Glücksfall, dass mit Hülya Wunderlich hier eine Sozialberaterin tätig ist, deren Muttersprache Türkisch ist.
Vor allem für türkische Mädchen und Frauen ist das Zent-
rum zum zweiten Zuhause geworden, längst widmet man sich hier jedoch auch der Arbeit mit Aussiedlern. Grundsätzlich steht das Zentrum Frauen jeder Nationalität offen.
"Ich weiß nicht, wie ich es ohne die EJSA und Hülya hätte schaffen sollen", sagt Elefe Yildirim, und die anderen am Tisch nicken. In der EJSA haben viele Frauen Halt gefunden, nicht nur durch das stets offene Ohr der Sozialberaterin, der Austausch mit den anderen Frauen hat ihr Selbstbewusstsein gestärkt.
Wie das Beispiel der 35-jährigen Elefe Yildirim unterstreicht. Sie sagt, sie sei "heute wieder glücklich". Vor fünf Jahren ist sie aus Stuttgart nach Hof gekommen, auf der Flucht vor ihrem Ex-Mann. Ihren Sohn hatte der in die Türkei entführt - "Hülya konnte helfen". Heute hat Elefe ihren Sohn wieder und hilft aus Dankbarkeit nun ehrenamtlich im Zentrum, wo sie kann.
Auch die 33-jährige Mürüvvet Benli geht schon lange im Frauencafé ein und aus. Hier hat sie immer wieder Deutsch-Kurse besucht, als sie vor zwölf Jahren nach Hof kam. Sie bringt oft ihren neunjährigen Sohn mit. Weil er hier viele andere Kinder treffe. Den Sohn und die Tochter von Özgen Asik zum Beispiel. Auch Özgen ist praktisch im Mädchen- und Frauenzentrum aufgewachsen. Ihre Mutter habe sie immer mitgenommen, erzählt die heute 27-jährige Türkin mit deutscher Staatsbürgerschaft. Und so wie es die Mutter gehalten habe, halte es nun auch sie. Längst hat man im Zentrum auch eine Hausaufgabenbetreuung organisiert.
Dass alles nun von einem Tag auf den anderen wegbrechen soll, wollen die Frauen nicht hinnehmen. Sie haben in einem Brief an den Oberbürgermeister um einen persönlichen Termin gebeten. Am 11. Juni will der sie nun empfangen. Ihre allerletzte Hoffnung.


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