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Ressort Hof-Stadt
Erschienen am 06.07.2010 00:00
Eine Gemeinde zieht um
Von Christoph Plass
Die Kirche saniert den Kindergarten der Dreieinigkeitskirche komplett. Das Großprojekt wartet schon seit Jahren auf seine Umsetzung - jetzt soll der Bau bald beginnen.
Dreieinigkeit Bild vergrößern
Bevor die Renovierungsarbeiten im Kindergarten der Dreieinigkeitskirche so richtig losgehen, mussten die Räume erst mal ausgeräumt werden. Auf unserem Bild tragen Feliks Kostrov (links) und Roland Hölzl einen Schrank hinaus.
Bild: Sammer

Hof - In den nächsten Monaten braucht die Gemeinde viel Geduld. Die Kinder, weil sie in ungewohnten Räumen ihre Tage verbringen, das Personal, weil die beengten Verhältnisse das Leben und Arbeiten mit den Kleinen nicht einfacher machen, und die restlichen Gemeindeglieder, weil ihnen die Heimat für Versammlungen, Kreise und Abende fehlt. Der Grund für die ungewohnte Situation: Die Gemeinde der Dreieinigkeitskirche bekommt einen neuen Kindergarten.

Seit einigen Jahren schon ist das Großprojekt geplant, nun steht nach langem Hin und Her der Baustart kurz bevor. Die Kinderoase oberhalb der Dreieinigkeitskirche erhält eine Generalsanierung. Der Grund: Die Statik des 70er-Jahre-Gebäudes ist nicht mehr die beste - das Obergeschoss des Fertigbaus sitzt nicht mehr so, wie es sollte, auf dem Erdgeschoss. "Es ist allerdings keinerlei Gefahr in Verzug", betont Pfarrer Herwig Dinter ausdrücklich. Bauträger des Projekts ist zwar die Gesamtkirchenverwaltung, Dinter aber ist der Mann vor Ort. Und auch, wenn er erst seit einem Jahr in der Dreieinigkeitskirche Dienst tut: Beim Kindergarten-Projekt steckt er mittendrin.

Gut 1,5 Millionen Euro soll der Bau kosten, 60 Prozent davon trägt die Stadt - die wiederum den Großteil vom Land zurückerstattet bekommt. Den Rest bringen die Landeskirche und die Gemeinde auf. Auf etwa 300 000 Euro beläuft sich der Anteil der Kirchengemeinde. "Und das schaffen wir auch", sagt Dinter.

Bagger kommen bald

Die Bagger sollen in den kommenden Wochen kommen, einen genauen Termin für den Baustart gibt es aber noch nicht. "Wir hatten noch ein Problem mit den Fundamenten", erklärt Dinter. Da das Gebäude ein neues Obergeschoss bekommt, müssen die Bauarbeiter nun noch prüfen, ob das Fundament mit den geänderten Lasten zurecht kommt. Sobald das Okay von den Experten da ist, schlägt die Abrissbirne ein.

Der neue Kindergarten erhält ein komplett neues Obergeschoss, das Erdgeschoss wird entkernt. Insgesamt entsteht ein Gebäude, das zwar räumlich nicht größer sein wird als das bisherige, das aber schlauer konzipiert ist: "Es ist großzügig geplant, gleichzeitig eignet es sich gut für die Arbeit mit Kleingruppen", sagt Dinter. Wenn er von dem Gebäude spricht, das die Kleinen spätestens zum 1. September 2011 beziehen sollen, kommt der Pfarrer ins Schwärmen: "Das wird ein wunderbarer Kindergarten!"

Abstriche für Treffen

Bis der Bau fertig ist, heißt es jedoch für alle Gemeindeglieder: Abstriche machen. Zwei Regel-, eine Kleinkind- und eine Hortgruppe beherbergte das Gebäude oberhalb der Kirche bisher - sie alle mussten in den vergangenen Wochen freilich ausziehen für die Bauarbeiten. "Das war eine logistische Meisterleistung. Die Gruppen mussten schließlich Platz in Räumen finden, die sich eigentlich nicht für die Kinderbetreuung eignen", sagt Herwig Dinter. So mussten die Übergangsräume entsprechend hergerichtet und wohnlich gemacht werden. Eine der Gruppen hat derweil ihr neues Heim im zweiten Pfarrhaus der Gemeinde gefunden, die anderen verteilen sich auf Gemeindehaus und Pfarramt.

Dinter weiß: Das Leben unter und neben so vielen Kindern ist nicht immer einfach - für die Nachbarn wie für die Mitarbeiter. So bittet er um Verständnis. Die Situation werde sich schließlich in absehbarer Zeit verbessern.

Doch nicht nur die Kinder, ihre Eltern und die Mitarbeiter sind vom Umbau betroffen: Der Rest der Gemeinde muss derzeit auf sein angestammtes Gemeindehaus verzichten. "Wir haben für alle unsere Veranstaltungen das Gebäude des Café Munzert im Kammergutweg angemietet", erklärt Dinter. Und die Generalprobe im Ausweich-Raum habe bereits gezeigt, dass sich die Menschen mit der Situation anfreunden könnten: "Wir hatten einen Elternabend für künftige Konfirmanden mit 50 Leuten, das hat gut geklappt", sagt Dinter.

Viele Fragen

Nach langem Hin und Her bei diversen Baufragen - bei denen sich Gemeinde, Kirchenverwaltung und auch die Landeskirche zusammenraufen mussten - hofft Pfarrer Dinter nun, dass zumindest der Bau so zügig wie geplant über die Bühne gehen wird. Bis zum Winter muss zumindest der neue Rohbau stehen, damit der Einzugstermin nächstes Jahr nicht in Gefahr gerät. In wöchentlichen Treffen mit der Bauleitung möchte der Pfarrer ein Auge auf den richtigen Fortschritt haben. "Ohne dass ich den Fachleuten da reinrede." Doch der Geistliche muss nun dafür sorgen, dass die Arbeiten im Zeit- und auch im Finanzplan bleiben. Herwig Dinter: "Wir brauchen diesen neuen Kindergarten - und zwar ziemlich schnell!"

 
 

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