Die Kundschaft der "Hofer Tafel" wächst. Nimmt die Armut in der Stadt Hof zu?
Immerhin hat sich die Zahl der Nutzer in fünf Jahren verdreifacht. In der Bundesrepublik sind inzwischen 860 000 Menschen auf die Versorgung mit kostenlosen Lebensmitteln angewiesen. Das zeigt, dass die Gesellschaft sich zusehends spaltet - die Schere klafft immer weiter auseinander.
Wie gerät man so in Not, dass man sich das Essen vom Munde absparen muss?
Meinen Beobachtungen nach gibt es zwei Gründe, welche die Menschen am schnellsten in die Armut abrutschen lassen: Arbeitslosigkeit und Scheidung.
Die "Hofer Tafel" ist jetzt aus der Innenstadt ins "Viertel" umgezogen. Ist sie da näher an der Hauptklientel?
Sicher haben wir auch viele Aussiedler unter unseren Kunden. Aber es kommen Menschen aus allen Teilen der Stadt.
Der gemeinnützige Verein finanziert sich hauptsächlich aus Spenden?
Erfreulicherweise entwickelt sich der Fluss der Geldspenden konstant bis zunehmend. Da gibt es sowohl größere Beträge, etwa von Firmen. Da ist aber auch der ehemals Arbeitslose, der jetzt wieder eine Beschäftigung hat und uns jeden Monat zehn Euro zukommen lässt. Wir freuen uns auch über kleine Beträge. Und dann werden wir natürlich auch von der Bußgeldstelle mit Zuweisungen bedacht. Wir haben allerdings noch kein Geld von der Stadt gebraucht.
Gibt es auch immer genügend Warenspenden?
Die schwanken leider. Deshalb wissen wir am Wochenanfang auch noch nicht, was am Samstag in die Tüten kommt. Aber bisher sind die Tüten immer gut voll geworden. Da hilft oft auch ein Anruf bei einer Firma, die uns dann eine Lieferung bereitstellt. Aber wir haben in der Region schon eine große Zahl von Großbetrieben mit wohlwollenden Marktleitern. Man darf nicht vergessen, dass ja strenge Auflagen bestehen. Und außerdem gibt es noch den nordbayerischen Tafel-Verbund, der regelmäßig Rundrufe startet, wo eine bestimmte Lieferung abgeholt werden kann.
Die Politik hat entschieden, dass Kinder in Hartz-IV-Familien Sachhilfen zur Bildungsförderung erhalten sollen statt Bargeld für die Familie. Was halten Sie davon?
Ich finde das richtig. Dann ist keine Gefahr, dass das Geld für andere Zwecke verwendet wird. Was nicht heißen soll, dass Menschen, die in Armut leben, keine guten Eltern wären. Es gibt da natürlich auch ganz hervorragende.
Es wird der "Tafeln" wohl auch in Zukunft bedürfen?
Ich fürchte, dass die Zahl der Armen noch zunimmt. Aber wir können strukturelle Armut nicht beseitigen, nur lindern. Vielleicht sind die "Tafeln" irgendwann einmal überflüssig - aber sicher nicht zu meinen Lebzeiten!
Das Gespräch führte Lisbeth Kaupenjohann

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