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Ressort Hof-Stadt
Erschienen am 17.07.2008 00:00
Die schlimmste Schuld des Mensch-Seins
Theater | Schiller-Schüler legen im gut besetzten Großen Haus „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ auf.
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„Jetzt, wo er im Hass erglüht, kann man neues Denken aus ihm schmieden“, sagt der Alpenkönig (Mitte, stehend, Johanna Schrögel). Gattin, Tochter und Bedienstete des Rappelkopfs glauben‘s und vertrauen auf seine Liebe zum Menschen. Foto: Giegold
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Hof Die Umgangsformen in der Geisterwelt sind roh. Die schillernden Damen in feinen Gewändern haben spitze Zungen, spöttische Blicke, herablassendes Gehabe. Und das, obwohl sie einem unterstehen, der von der Liebe bestimmt wird – der Liebe zum Menschen. Mit wuchtig-verstärkter Stimme spricht sich der Alpenkönig (herrschaftlich-herrisch gespielt von Johanna Schrögel) für die Menschheit aus. Dafür, dass sie nicht vollkommen schlecht ist. Dabei sind die Töne, die sich die Sterblichen an den Kopf werfen, noch härter, gnadenloser, kämpferischer. Mit Ferdinand Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ in einer Bearbeitung von Stefanie Amsbeck legt die Theatergruppe des Schiller-Gymnasiums ein Stück auf, das in großen Teilen ein Negativ-Beispiel mitmenschlichen Verhaltens ist. Aus den fast vollständig besetzten Plätzen im Großen Haus des Theaters sollen sich schließlich am Ende Leute erheben, die wissen, wie man‘s nicht macht.

Anti-Held und Hauptperson ist Rappelkopf, der Menschenfeind (lautstark schreiend und überzeugend beleidigt: Anica Willmann). Der macht, was so ein reicher Misanthrop eben tut: Sitzt im Sessel und drangsaliert den Dienstboten (Frieder Grießhammer, dabei war er „zwei Jahre in Paris!“), scheucht die Dienerin (frech und schnippisch: Lieschen) herum und wittert Verrat und Verderbtheit hinter jedem Satze seiner Frau (anmutend, mit Würde: Tina Wittek). Die Tochter, das brave Malchen (Ann-Kathrin Heierth) fängt nun auch noch an, ihn zu ärgern – liebt sie doch einen, der ihm nicht genehm ist (Julia Drechsel als August).

In diesem Haushalt nun, in dem jeder Satz kurz vor der Beleidigung endet, in dem (echte) Ohrfeigen verteilt und Messer wie Gewehr auf die Gestalten gerichtet werden, soll einer nicht verrückt werden? Denn der Unverbesserliche sieht sich selbst als „Mensch, so süß wie Zuckerbrot“.

Die anderen freilich sehen das wohl nicht so. Was der Rappelkopf zum Beispiel nur am Menschen August auszusetzen hat? „Nichts, als dass er einer ist!“ So entflieht der Menschenfeind der Menschenwelt, erkauft sich die Einsamkeit im Wald.

Die währt nicht lang, natürlich, denn in des Alpenkönigs Reich hat er sich niedergelassen – und der Herrscher, der die Erdenbürger gerne glücklich sieht, nimmt sich seiner an. Auf Streit und Ringkampf schließlich folgt sein Angebot: In anderen Körpern kommen die beiden in die Familie zurück – der Alpenkönig als Rappelkopf, der Menschenfeind selbst als familiärer Betrachter. So merkt er, was er merken soll: seine schlimmste Schuld. Er kennt sich selber nicht. cp

 
 

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