Rehau - Die 15 Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes im Diakonischen Sozialzentrum Rehau haben in dieser Woche eine Riesen-Fete gefeiert: Als erster Pflegedienst in Bayern und vierter in Deutschland wurde der Pflegedienst von der Deutschen Pflegedienst-Klassifizierung mit der Bestnote - und damit fünf Sternen - ausgezeichnet.
Was sich ein bisschen kompliziert anhört, ist für Heimleiter Peter Kraus und Pflegedienstleiterin Margit Mühl die Bestätigung mühsamer Arbeit. Immerhin habe der 1996 ins Leben gerufene Pflegedienst im Jahr 2004 kurz vor dem Aus gestanden. "Damals hatten wir nur noch 17 Kunden und zwei Mitarbeiter und mussten uns entscheiden: aufgeben oder Gas geben und Profil zeigen", erinnert sich Kraus. Die starke Konkurrenz am Markt habe dieses Standbein des Diakonischen Sozialzentrums arg gebeutelt. Doch die Entscheidung, den Kampf aufzunehmen, habe sich gelohnt - nicht zuletzt durch "Romeo und Julia", das ebenfalls preisgekrönte Ehrenamts-Projekt für die Betreuung alter Menschen in den eigenen vier Wänden, das in den Zeiten der Krise ins Leben gerufen wurde und sich mittlerweile fest etabliert hat.
Heute leitet Margit Mühl wieder ein Team von 15 Mitarbeitern, die täglich mit acht Fahrzeugen zu 70 pflegebedürftigen Menschen in und um Rehau düsen. "Durch dieses Wachsen haben wir viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse geschaffen", erzählt Kraus nicht ohne Stolz.
Doch das sind nur die Rahmenbedingungen. Die Prüfung auf Herz und Nieren im Rahmen der ersten bundesweiten Qualitätsbewertung von ambulanten Pflegediensten ging wesentlich tiefer. Einer Online-Befragung, bei der Kraus und Mühl ihre Stärken und Schwächen selbst bewerten mussten, folgte der Besuch eines Prüfers vor Ort. Sein Augenmerk lag einerseits auf der Struktur, der mobilen Datenerfassung etwa oder der Ausstattung, andererseits auf dem Prozess, also der Frage, wie bestimmte Verfahren geregelt sind. Wie gehen die Mitarbeiter vor, wenn der Kunde nicht öffnet, wurde beispielsweise gefragt. Oder: Was tun die Pflegekräfte, wenn sie häusliche Gewalt vermuten oder hygienische Bedenken haben? Lediglich für die Kontrolle des eigentlichen Pflege-Ergebnisses habe der Prüfer das Gutachten des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) herangezogen.
Im Ergebnis erreichte der Pflegedienst 1299 Punkte und damit 92 Prozent der Höchstpunktzahl. Nachholbedarf gibt es beispielsweise beim Leistungsspektrum. "Wir sind nicht auf Krebs- oder Beatmungs-Patienten spezialisiert, bieten diese Leistungen aber über Kooperationspartner an", erklärt Kraus. Dieser Punkt sei zu überdenken - "deswegen haben wir uns ja für die Prüfung angemeldet. Damit uns externe Fachleute Vorschläge machen."
"Wir sind alle tierisch stolz", freut sich auch Margit Mühl.


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