Rehau - Bis zum Ende der ersten Februarwoche müssen die Einladungen raus - bis dahin haben Annette Milz und Emmi Schmidt noch viel Arbeit vor sich. Sie sind Sekretärinnen im evangelischen Pfarramt in Rehau, und momentan haben sie vor allem eine Aufgabe: Sie bereiten die Jubelkonfirmation vor - sie laden die Jubilare ein.

Rehauer Tageblatt
Bild: Keltsch
Das mag als Routine erscheinen - wiederholen sich doch Jubelkonfirmationen Jahr für Jahr. Aber ein Blick hinter die Kulissen zeigt, welche Mühen mit dieser Aufgabe verbunden sind, die manchmal den Spürsinn eines Detektivs erfordert.
Am Wochenende vor Pfingsten, am 15 und 16. Mai, treffen sich die Jubelkonfirmanden in Rehau. Da drängt die Zeit. Es gilt, Kontakt aufzunehmen zu Menschen, die möglicherweise schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Rehau leben, deren Adressen unbekannt sind.
Hürden im Kirchenbuch
Aus Zeitgründen müssen sich die Recherchen der beiden Sekretärinnen auf die Jubilare beschränken, die vor 70 Jahren oder früher ihre Konfirmation gefeiert haben. An ältere (75. und 80. Jubiläum) richten die beiden Damen und Pfarrer Thomas Wolf deshalb die dringende Bitte: "Melden Sie sich bei uns, wenn sie teilnehmen wollen!" Denn gerade bei alten Menschen, die möglicherweise mehrmals umgezogen sind und heute vielleicht irgendwo in Deutschland in einem Altenheim leben, wäre der Aufwand enorm.
Alte Kirchenbücher und EDV kommen bei den Nachforschungen gleichermaßen zum Einsatz. Beim Kirchenbuch ist schon die erste Hürde zu überwinden: Die Eintragungen wurden früher in alter deutscher Handschrift vorgenommen. "Diese Schrift kann ich nicht", sagt Annette Milz. So wird das Entziffern manchmal zu einer Art Ratespiel, vor allem dann, wenn die Handschrift undeutlich ist. "Ich kämpfe mich eben durch", sagt Annette Milz.
Heuer sind fast 400 Datensätze zu erfassen. Das heißt: die betreffenden Kirchenbücher durcharbeiten, Tabellen anlegen mit Namen, Geburtsdaten, Geburtsort, und dann ermitteln: Wo wohnen die betreffenden Personen, wer ist schon verstorben, wer aus der Kirche ausgetreten?
Suche im Internet
Relativ leicht ist die Suche bei Jubilaren, die noch in Rehau leben. Diese Recherche läuft online, übers Intranet: Das Pfarramt hat Zugang zum Rechenzentrum der KIV (Kirchliche Informationsverwaltung) in München. Diese wiederum kann übers Netz "andocken" an die Stadtverwaltung. Doch das Pfarramt hat ausschließlich Zugang zu Daten, die der Kirchengemeinde Rehau angehören; Wurlitz beispielsweise oder Faßmannsreuth gehören schon nicht mehr dazu.
Wenn die Daten aus der EDV ausgewertet sind, beginnt erst die schwierigste Arbeit. Denn gut drei Viertel der Jubilare fehlen dann noch. Nun geht nichts mehr ohne Hilfe von außen, von Kontaktpersonen, die Tipps geben können, die Adressen oder Telefonnummern kennen. Doch auch Informationen aus zweiter Hand sind nicht selten mehrere Jahre alt...
Zum Glück übernehmen manchmal die Jubilare selbst die Nachforschungen: Letztes Jahr beispielsweise hat eine silberne Konfirmandin zum Telefon gegriffen, um ihre einstigen Mitkonfirmanden und -konfirmandinnen zu mobilisieren.
Jedes Jahr nimmt sich Annette Milz vor, schon im Sommer mit den Recherchen anzufangen. Geschafft hat sie das noch nie; immer wird es Januar, bis sie loslegen kann.
Traurig ist es, wenn sich herausstellt, dass die Mühen umsonst waren - wenn ein Einladungsbrief zurückkommt, weil die Adresse nicht mehr stimmt oder der Betreffende mittlerweile gestorben ist. Viel Einfühlungsvermögen ist gefordert, wenn auf eine Einladung ein Anruf eines entsetzten Angehörigen kommt: Der Gatte oder die Gattin sei doch schon vor Jahren gestorben, "das müssen Sie doch wissen..." - "Wir bedauern sehr, wenn so etwas passiert", sagt Pfarrer Wolf und wirbt gleichzeitig um Verständnis. "Leider lässt es sich nicht immer vermeiden."
Trotz aller Mühen: Seine Mitarbeiterinnen nehmen die Arbeit gern auf sich, denn sie wissen, welch große Bedeutung das Konfirmationsjubiläum für viele Gläubige hat. Selbst viele Menschen, die längst aus der Kirche ausgetreten sind, legen großen Wert darauf. Das müsse kein Widerspruch sein, meint Wolf. Das Jubiläum sei nun mal ein Fixpunkt im Lebenslauf, verbunden mit vielen Erinnerungen, Emotionen und mit Ausblicken.
Jubilare, die nicht mehr der Kirche angehören, sind in Rehau gerne eingeladen, am Gottesdienst, an den Treffen und Feiern teilzunehmen. Nur eine Bitte hat der Pfarrer: Wer aus der Kirche ausgetreten ist, möge bitte nicht am Abendmahl teilnehmen.
Immer wieder kommen Jubilare von weit her, sogar aus dem Ausland, zum Beispiel aus den USA. Oder sie lassen Briefe im Gottesdienst verlesen, wenn sie nicht selbst nach Rehau kommen können.
Angesichts so viel emotionaler Bindungen hat Pfarrer Wolf ein Anliegen: Er bittet um Verständnis für seine Mitarbeiterinnen, wenn mal etwas nicht klappt wie gewünscht. Dies gelte, sagt er, für alle kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit viel Herzblut bei der Sache sind.

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